Slowakei
Wirtschaft
Stand: März 2009
Grundlagen
Der Schwerpunkt der industriellen Entwicklung seit den 1950er Jahren lag insbesondere in den energie- und rohstoffintensiven Bereichen Metallurgie, Rüstungsindustrie, Energiewirtschaft und chemische Industrie. Im Zuge des Umbruchs 1989 kam die Schwerindustrie fast zum Erliegen. Der Anteil der Industrieproduktion am Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von 61 Prozent (1991) auf 24,2 Prozent (2002), danach ist er wieder gestiegen und betrug 2007 30Prozent. Durch Gründung privater Klein- und Mittelstandunternehmen erhöht sich kontinuierlich auch der Anteil des Dienstleistungsbereichs am BIP - von 33Prozent (1991) auf 60,6 Prozent in 2007. Der Schwerpunkt liegt bei der Automobilproduktion und der dazugehörigen Zuliefererindustrie. Zurzeit produzieren VW, Peugeot und KIA Automobile in der Slowakei. Der Privatsektor trug 2007 mit 91,6 Prozent zur BIP-Entstehung bei, und blieb auch 2008 konstant – im ersten bis dritten Quartal 2008 betrug sein Anteil 92,8 Prozent. Noch immer ist der Ressourcen- und speziell der Energieeinsatz des industriellen Sektors in der Slowakei erheblich höher als in vergleichbaren Volkswirtschaften.
Die Privatisierung von strategischen Unternehmen im Bereich Energiewirtschaft, Wasser/Abwasser wurdekonsequent verfolgt. Die Privatisierung der Slowakischen Telekom erfolgte 2000, die Teilprivatisierung der Ölgesellschaft Transpetrol Ende 2001, die der Gaswerke Anfang 2002, die der Elektrizitätswerke/Vertriebsgesellschaftenim September 2002, des Stromherstellers Slovenské elektrárne im Frühjahr und des Flughafens Košice im Herbst 2006. Die Privatisierung des Bankensektors und der größten staatlichen Versicherung wurde Anfang 2003 abgeschlossen. Die Regierung Fico, seit Juli 2006 im Amt, hat weitere Privatisierungen gestoppt.
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Auch die Slowakei leidet unter den Folgen der internationalen Wirtschaftskrise. Die Regierung hat daher im Januar 2009 eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um Produktion und Arbeitsplätze aufrechtzuerhalten und die Inlandsnachfrage zu fördern. Für diese Maßnahmen stehen 330 Mio. Euro zur Verfügung, die durch Haushalteinsparungen aufgebracht werden sollen. Weiterhin gibt es eine Abwrackprämie nach deutschem Vorbild, für die 30 Mio. Euro zur Verfügung stehen.
Der Außenhandel, der in der Slowakei einen wesentlichen Anteil zum BIP beiträgt, hat 2008 deutlich nachgelassen: der Import ist im Vergleich zum Vorjahr nur um 4,9 Prozent und der Export um 5,1 Prozent gestiegen, während in den vergangenen Jahren diese Ziffern zweistellig waren (2007, Export: 15,2 Prozent, Import 10,2 Prozent). Die schwache Auslandsnachfrage ist momentan das Hauptproblem der Slowakei, da der kleine heimische Markt die entstandenen Verluste nicht ausgleichen kann.
Den letzten Schätzungen des Finanzministeriums zufolge soll das BIP in 2009 gegenüber dem Vorjahr nur um 2,4 Prozent zunehmen (2007: 10,4 Prozent, 2008: 6,4 Prozent). Die Schätzungen des Statistikamtes sind jedoch viel vorsichtiger – für das erste Halbjahr 2009 wird nur sehr mäßiges Wachstum von 0,8 Prozent prognostiziert. Dieses soll fast ausschließlich auf der Inlandsnachfrage basieren.
Die Slowakei hat zum 1. Januar 2009 den Euro eingeführt, für die Regierung ein wirkungsvolles Argument bei der Werbung um ausländische Investoren. Außerdem wurden im legislativen Schnellverfahren eine Reihe von Maßnahmen getroffen, die die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Slowakei für die ausländischen Mittelständler erhöhen können. Das oben angeführte Konjunkturpaket umfasst unter anderem Beihilfe zu Sozialabgaben für die Arbeitnehmer, finanziellen Zuschuss für die Firmen, die neue Arbeitsstellen schaffen, staatliche Mitfinanzierung von Schulungen und Requalifizierungskursen für Mitarbeiter.
In Vorbereitung steht auch die Novelle des Gesetzes über die Investitionsanreize, die den Anspruch auf staatlichen Zuschuss auch für niedrigere Investitionssummen garantieren soll.
Die statistische Arbeitslosigkeit entwickelte sich Ende 2008 noch positiv und ist auf Zwischenjahresbasis von 11 Prozent auf 9,6 Prozent gesunken, die ersten zwei Monate 2009 bedeuteten jedoch eine erhebliche Senkung der Beschäftigungsrate im Vergleich zu Vorjahr um 17,7 Prozent.
Die Preise in 2008 haben sich im Vergleich zum Vorjahr erhöht und sind vom projizierten Durchschnitt in der Eurozone (1,3 – 2,5 Prozent) wesentlich abgewichen. Der HICP für 2008 betrug 3,5 Prozent. Die Ursache dieser Entwicklung waren steigende Lebensmittelpreise und Wohnkosten, Erhöhung der Tabaksteuer und Ende 2008 eine wesentliche Erhöhung von Dienstleistungspreisen. Die Analysten prognostizieren ein weiteres Preiswachstum in den nächsten Jahren und zwar als Folge der sukzessiven Annäherung des Preisniveaus in der Slowakei an die übrige Eurozone.
Trotz sinkender Staatseinnahmen bleibt die Regierung bemüht, das Defizit der öffentlichen Finanzen bei 3 Prozent zu halten.
Außenhandel und ausländische Direktinvestitionen
Der Außenhandel stieg 2008 nur sehr mäßig an. Der gesamte slowakische Export betrug 49,56 Mrd. Euro (Zunahme um 5,1 Prozent) der Import 50,20 Mrd. Euro (Zunahme um 5,0 Prozent). Deutschland blieb auch 2008 der größte Handelspartner der Slowakei. An dem gesamten Import aus den EU-Ländern, der 2008 67 Prozent des gesamten Importvolumens der Slowakei betrug, beteiligte sich Deutschland mit 29,4 Prozent. Die slowakischen Exporte in die EU-Länder erreichten 85,1 Prozent des gesamten Außenhandelns, davon 23,7 Prozent nach Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt war die Handelsbilanz der Slowakei mit Deutschland in 2008 positiv – auch wenn der Export über den Import nur ganz geringfügig überwog: die Einfuhr aus Deutschland in die Slowakei betrug 9,9 Mrd. Euro, die Ausfuhr aus der Slowakei nach Deutschland 10,0 Mrd. Euro. Die wichtigsten Ausfuhrgüter der Slowakei nach Deutschland sind Transportmittel (insbesondere Fahrzeuge; Volkswagen mit über 20 Prozent Exportanteil), Maschinen und Anlagen.
Deutschland ist neben großen Investoren wie Deutsche Telekom, Volkswagen, Siemens, E.ON, Sauer-Danfoss, Degussa (jetzt Evonik), Leoni Autokabel, Getrag Ford auch immer mehr durch Mittel- und Kleinständler in der Slowakei präsent. Die meist vertretenen deutschen Branchen sind Hersteller von Metallerzeugnissen gefolgt vom Maschinenbau, Herstellern von Geräten der Elektrizitätserzeugung und von Kraftwagen und Kraftwagenteilen. Mit einem Anteil von 3,6 Mrd. Euro an dem Gesamtvolumen der Auslandsinvestitionen, die seit 1993 in der Slowakei getätigt wurden (22,09 Mrd. Euro) – rangierte Deutschland 2007 an zweiter Stelle.
Die Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer in Pressburg hat 2005 ihre Arbeit aufgenommen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.