Slowakei
Beziehungen zu Deutschland
Stand: April 2009
Politische Beziehungen
Die deutsch-slowakischen Beziehungen sind traditionell freundlich. Grundlage der bilateralen Beziehungen ist der deutsch-tschechoslowakische Nachbarschaftsvertrag vom 27. Februar 1992, den die Slowakische Republik als ein Nachfolgestaat der ČSFR anerkannt hat.
Auf allen Ebenen gibt es zahlreiche deutsch-slowakische Kontakte und einen regen Besucheraustausch. Bilaterale Abkommen bestehen über die Sozialversicherung (Ratifikationsurkunde am 17.10.2003 unterzeichnet) und den Straßenverkehr (unterzeichnet am 14.06.2002). Abkommen über Werkvertragsarbeitnehmer, Gastarbeiter, Kultur, Umwelt und Kriegsgräber sind bereits in Kraft, ein Doppelbesteuerungsabkommen befindet sich zur Zeit in der Endphase der Verhandlungen.
Bindeglieder zwischen den beiden Ländern sind etwa 5.000 Karpatendeutsche in der Slowakei sowie rund 30.000 slowakische Emigranten und Flüchtlinge in Deutschland. Das Zwischenspiel des ersten slowakischen Staates von 1939 bis 1944 unter Jozef Tiso, auf entsprechenden Druck unter den "Schutz" Hitlers gestellt, sowie die Niederschlagung des slowakischen Nationalaufstandes 1944 durch deutsche Truppen haben zu keiner dauernden Belastung der Beziehungen geführt. Eine Deklaration des slowakischen Parlaments trug schon 1991 dazu bei, eine gemeinsame Perspektive auf diese schwierigen historischen Kapitel zu entwickeln.
Die slowakische Regierung sieht in Deutschland, die Bundesregierung in der Slowakischen Republik jeweils einen engen Partner in der EU und NATO. Beleg für den hohen Stand der bilateralen Beziehungen ist die Intensität der hochrangigen Besuche in beiden Richtungen: Am 2. November 2005 machte Bundespräsident Köhler einen Nachbarschaftsbesuch, Bundesaußenminister Steinmeier war am 9. Dezember 2005 zu bilateralen Konsultationen in Pressburg (Bratislava). Bundeskanzlerin Merkel stattete der Slowakischen Republik ihren ersten offiziellen Besuch am 11. Mai 2006 ab.
Staatspräsident Gašparovič besuchte Deutschland im Juli 2006. Im März 2009 fand der Antrittsbesuch des neuen slowakischen Außenministers Lajcak in Berlin statt. Im April 2007 besuchte Ministerpräsident Fico die Bundesrepublik Deutschland, im März 2009 hielt er sich zu einem Besuch in Niedersachsen auf.
Wirtschaftsbeziehungen
Deutschland ist wichtigster Handelspartner der Slowakei. 2008 betrugen die Einfuhren aus Deutschland in die Slowakei 9,9 Mrd. Euro, die Ausfuhren aus der Slowakei nach Deutschland 10 Mrd. Euro. Mit einem Anteil von 16,3 Prozent am Gesamtvolumen der Auslandsinvestitionen rangierte Deutschland Ende 2007 an zweiter Stelle unter den größten Investoren in der Slowakei.
Unter den wichtigsten deutschen Investoren sind Deutsche Telekom, Volkswagen, Siemens, E-ON, Sauer Sundstrand, Degussa, HypoVereinsbank, Nordzucker, Leoni Autokabel, Getrag Ford, Visteon.
2006 war Deutschland der viertgrößte Auslandsinvestor in der Slowakei mit einem Investitionsvolumen von 0,12 Mrd. Euro hinter Italien, Österreich und Koreanischer Republik.
Kulturelle Beziehungen
Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und der Slowakei sind eng und äußerst vielfältig. Es findet ein reger Austausch in allen kulturellen Bereichen auf staatlicher Ebene, mit den Bundesländern und privaten Stiftungen sowie über institutionelle und private Kontakte statt. Das Goethe-Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, das Institut für Auslandsbeziehungen und der Pädagogische Austauschdienst engagieren sich in der Zusammenarbeit mit der Slowakei. Im Mittelpunkt der deutschen Bemühungen stehen die Förderung der deutschen Sprache, der akademische und schulische Austausch von Lehrenden und Lernenden sowie kulturelle Veranstaltungen. Den rechtlichen Rahmen bildet das deutsch-slowakische Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit vom 1. Mai 1997.
Deutsch ist in den Schulen nach Englisch die zweite Fremdsprache und eine wichtige Grundlage für unsere intensiven Beziehungen. Rund 37 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die Fremdsprachenunterricht haben, lernen Deutsch. An der bilingualen Abteilung des UDT-Gymnasiums in Poprad legen jährlich rund 70 slowakische Schülerinnen und Schüler die deutsche Reifeprüfung ab. Außerdem können Schüler an einer Reihe von ausgewählten slowakischen Gymnasien das "Deutsche Sprachdiplom" ablegen. Damit können slowakische Gymnasiasten ohne weitere Deutschprüfung an deutschen Universitäten oder Fachhochschulen ein Studium beginnen. Im Rahmen der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" wurden für die Slowakei ausgewählt: das Gymnasium P.O. Hviezdoslava in Dolný Kubin und das Gymnázium F. Svantnera in Nová Bana, beide in der Mittel-Slowakei gelegen. 2005 wurde in Pressburg die Deutsch-Slowakische Begegnungsschule (mit Kindergarten) eröffnet, an der mittlerweile 130 Kinder gleichzeitig deutsch und slowakisch lernen. Ein weiteres Bindeglied unserer Länder ist die karpatendeutsche Minderheit in der Slowakei, zu der sich rund 5.400 Slowaken bekennen und die die Bundesrepublik bei kulturellen und gemeinschaftsfördernden Aktivitäten unterstützt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.