Simbabwe
Wirtschaft
Stand: Juli 2009
Grundlagen
Bis Mitte der 90er Jahre florierten Landwirtschaft, Bergbau und Tourismus. Damit verfügte Simbabwe über ein beachtliches wirtschaftliches Potenzial, das jedoch seit Ende der 90er Jahre immer weniger genutzt wurde. Ende 2008 waren aufgrund von Hyperinflation, Devisenknappheit, fehlenden Investitionen, Import- und Exportrestriktionen und Energieknappheit alle Wirtschaftsbereiche nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Die Arbeitslosenquote dürfte mittlerweile bei 90 Prozent liegen. Dabei besitzt Simbabwe fruchtbare Böden, reichhaltige Bodenschätze (Gold, Platin, Kupfer, Nickel, Chrom, Kohle und seltene Metalle) sowie touristisch interessante Naturschönheiten wie die Victoriafälle. Das Bildungsniveau ist im afrikanischen Vergleich noch immer überdurchschnittlich, wenngleich es als Folge der allgemeinen wirtschaftlichen Misere zu sinken begonnen hat. Die Infrastruktur ist noch relativ gut, aber auch hier ist ein klarer Abwärtstrend zu verzeichnen. Die Wirtschaft ist seit 1998 um etwa die Hälfte geschrumpft, allein 2008 um weitere 14 Prozent.
Schon sehr bald nach Antritt der Übergangsregierung im Februar 2009 wurden erstmals seit Jahren wieder wirtschaftspolitisch sinnvolle Maßnahmen umgesetzt. Der Zimbabwe-Dollar wurde abgeschafft und durch den US-Dollar sowie den südafrikanischen Rand ersetzt - die Inflation dadurch quasi über Nacht beseitigt. Zwar konnte der für die finanzielle Katastrophe verantwortliche Zentralbankgouverneur Gideon Gono nicht abgesetzt werden, doch wurde seine Macht stark beschnitten. Das von MDC-Generalsekretär Tendai Biti geführte Finanzministerium beansprucht bislang erfolgreich die alleinige Richtlinienkompetenz in Währungs-, Haushalts- und Finanzangelegenheiten. Ein neuer Haushalt ist verabschiedet, und Biti konnte nennenswerte Unterstützung durch einige afrikanische Banken erreichen. Weltbank, Währungsfonds und Geberländer beobachten die jüngsten Entwicklungen zwar mit Sympathie, halten sich mit einem grundsätzlichen Politikwechsel hingegen derzeit noch zurück, da die Übergangsregierung in den meisten anderen Bereichen bislang nur geringe Fortschritte erzielen konnte. Besonders besorgniserregend ist die seit Februar 2009 laufende neue Welle gewaltsamer illegaler Farmbesetzungen.
Gleichwohl haben die westlichen Geber eine Erhöhung ihrer Hilfsanstrengungen zugesagt, deren Summe sich schon 2008 auf etwa 700 Mio. US-Dollar belaufen hatte. Die Mittel wurden und werden eingesetzt zur Bekämpfung unmittelbarer Notlagen und als Übergangshilfen für reformorientierte Kräfte in Simbabwe.
Ursachen der Wirtschaftskrise
Die tiefgreifende wirtschaftliche Krise geht auf folgende langfristige Ursachen zurück:
Unvollkommene Umstellung von einer planwirtschaftlichen (1980 - 1990) auf eine marktwirtschaftliche Politik (seit 1990)
Anfälligkeit der landwirtschaftlichen Produktion für Dürreperioden
Zerstörung des kommerziellen landwirtschaftlichen Sektors durch eine überhastete und verfehlte Landreform ohne Schaffung leistungsfähiger alternativer Strukturen
Infolgedessen drastischer Einbruch der Exporterlöse und Zusammenbruch der ländlichen Industrie- und Dienstleistungsbetriebe
stark fluktuierende Weltmarktpreise für Rohtabak und Mineralien, die Hauptexportprodukte Simbabwes
ein seit langem existierendes, in den letzten Jahren jedoch stark gestiegenes Haushaltsdefizit (2006 real über 80 Prozent) mit Folgen für Zinsniveau und Preisentwicklung (Inflation lag im Oktober 2008 nach offiziellen Angaben bei 231 Mio. Prozent); hohe Arbeitslosigkeit (80 – 90 Prozent) und zunehmende Armut (über 80 Prozent)
fehlende Bereitschaft der Regierung zu einer von Internationalem Währungsfonds, Weltbank und Gebern gestützten wirtschaftlichen Strukturreform mit den Kernelementen Preisstabilisierung, Reduzierung des öffentlichen Dienstes, Subventionsabbau, Liberalisierung des Wechselkursregimes, Stärkung der Eigentümerrechte. Die neue Regierung zeigt in einigen dieser Bereichen nunmehr deutlich größeren Reformwillen.
Zu diesen längerfristigen Faktoren kommen als kurzfristige Ursachen hinzu:
massiver Vertrauensverlust im In- und Ausland als Folge der Farmenteignungen und -besetzungen - auch unter Verletzung von Investitionsschutzabkommen - und politisch motivierter Gewalt; Ankündigung der früheren Regierung, Enteignungen auch im Bergbausektor vorzunehmen;
ein im November 2008 zugunsten von 78 weißen Farmern ergangenes Urteil des SADC- Gerichtshofs in Windhuk wurde von der Regierung als unmaßgeblich zurückgewiesen, obwohl Simbabwe Signatarstaat des Statuts des Gerichtshofs ist und sich seiner Rechtsprechung unterwerfen müsste;
Devisenknappheit: seit 1999 hielt die Zentralbank den Wechselkurs auf einem künstlich hohen Niveau mit negativen Folgen für Devisenreserven und Export; Versorgungsprobleme bei Medikamenten, Zerfall der öffentlichen und privaten Infrastruktur, Treibstoffknappheit und Krise des Verkehrssektors sind u.a. Folge der Devisenknappheit;
zunehmende Versorgungsengpässe bei Grundnahrungsmitteln: 2006 war bis zu einem Drittel der simbabwischen Bevölkerung abhängig von Nahrungsmittelhilfe; 2008 bereits die Hälfte
Treibstoffknappheit und häufige Stromausfälle beeinträchtigen die Produktion;
das Anfang Oktober 2007 von beiden Häusern des Parlaments beschlossene ‚Indigenisierungsgesetz’ sieht eine Mehrheitsbeteiligung von ‚indigenen’ Simbabwern in allen Unternehmen verpflichtend vor. Zwar ist das Gesetz bislang nicht in Kraft getreten, doch wirkt es abschreckend auf Investoren.
Zugehörigkeit zu regionalen Wirtschaftszusammenschlüssen
Simbabwe gehört dem regionalen Wirtschaftszusammenschluss COMESA (Common Market of Eastern and Southern Africa) und der SADC (Southern African Development Community) an. Von der Implementierung des SADC-Freihandelsabkommens (ab 01.09.2000) und des COMESA- Abkommens (31.10.2000) verspricht sich Simbabwe Verbesserungen im regionalen Handelsaustausch, dessen Bedeutung in den letzten Jahren zugenommen hat, von dem das Land wegen der allgemeinen Krise jedoch nicht profitieren konnte.
Umweltpolitik
Simbabwe hat die drei Rio-Konventionen (Klima, Wüste und Biodiversität) ratifiziert, bislang jedoch noch nicht das Kyoto-Protokoll. Simbabwe setzt die Arbeiten an einer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie fort. Der im Dezember 2004 vorgelegte nationale Bericht zur Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) der Vereinten Nationen benennt Prioritäten und Hemmnisse bei der Umsetzung von Ziel 7 („ensure environmental sustainability“), entwickelt jedoch keine nationale Umweltstrategie. Ebenso steht die Entwicklung eines nationalen Umweltplans, wie ihn der „Environmental Management Act“ (2002) vorsieht, noch aus.
Vorherrschende Umweltprobleme wie Bodenerosion infolge von Abholzung oder Verschmutzung von Trinkwasser sind in Simbabwe in erster Linie armutsbedingt. Daneben wird die Freisetzung von Quecksilber beim Goldabbau immer mehr zu einem umwelt- wie gesundheitspolitischen Problem. Die Kapazität zur Lösung von Umweltproblemen ist sehr begrenzt, ebenso fehlt es an statistischen Daten zur Erfassung der Umweltsituation. Unter den Vorzeichen einer sich fortsetzenden Treibstoffkrise setzt Simbabwe im Bereich der erneuerbaren Energien auf die Gewinnung von Biodiesel aus der Jatropha-Pflanze.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.