Simbabwe
Kultur- und Bildungspolitik
Stand: Juli 2009
Kulturpolitik
Kulturell ist Simbabwe noch immer stark von der früheren Kolonialmacht Großbritannien (Sprache, Schulwesen, Traditionen) geprägt. Ein Erbe, das die Regierung einerseits bewusst an- und übernommen hatte (auch um jungen Simbabwern den Weg an westliche, vor allem britische Universitäten zu ebnen), das sie andererseits aber als "kolonialistisches" Relikt abzulehnen begann und mittlerweile sogar bekämpft. An seine Stelle soll in bewusster Abkehr vom Westen eine aus lokalen Traditionen und panafrikanischen Vorstellungen gespeiste simbabwische kulturelle Identität treten. Einen wichtigen Einschnitt bedeutet insofern die Abschaffung der in Großbritannien und international anerkannten Schulabschlüsse im Schuljahr 2003. Der immer kleiner werdende Rest (geschätzt noch ca. 20.000) der weißen Bevölkerung orientiert sich dennoch weiterhin an westlicher, vor allem angelsächsischer Kultur, während die schwarze Bevölkerungsmehrheit außerhalb der großen Städte stark in ihren lokalen Traditionen verwurzelt bleibt. Auch aus diesen Gründen gelang es bisher nicht, eine eigene gemeinsame kulturelle Identität zwischen schwarzem und weißem Bevölkerungsteil zu bilden. Daraus ergeben sich Anknüpfungspunkte für die von der Regierung aus machtpolitischem Kalkül betriebene Ausgrenzung des weißen Bevölkerungsteils als "europäisch" oder "britisch". Die insbesondere zu Wahlkampfzeiten immer wieder betriebene offen rassistische Propaganda hat bislang jedoch in der Bevölkerung nicht verfangen.
Die Steinbildhauerei (Shona-Skulpturen) ist zum Symbol für Kunst aus Simbabwe geworden und findet auch im Ausland ihren Markt. Private Publikationen beleben den Buch- und Medienmarkt, wie besonders auf der jährlichen internationalen Buchmesse in Harare beobachtet werden kann. Das Interesse an ausländischer, auch deutscher Kultur ist in Simbabwe beträchtlich. Veranstaltungen finden immer ein interessiertes Publikum, insbesondere in der gut ausgebildeten schwarzen Mittelschicht, sofern sie noch im Lande ist.
Bildungssystem
Das zur Kolonialzeit weitgehend von den Kirchen getragene Bildungssystem wurde von der Regierung seit der Unabhängigkeit weit ausgebaut, leidet jedoch an starker Unterfinanzierung aufgrund der wirtschaftlichen Krise. Die Analphabetenquote beträgt rund 30 Prozent. Hungersnot und AIDS-Pandemie führten in ländlichen Gebieten in den letzten Jahren zu einem deutlichen Rückgang des Schulbesuchs. Die schwere wirtschaftliche Krise hat allgemein einen Anstieg der Kinderarbeit zu Lasten des Schulbesuchs zur Folge.
Die Universität Harare mit ca. 10.000 Studenten ist chronisch überlastet und nahezu mittellos; weitere Hochschulen befinden sich in Mutare und Bulawayo. Die Studenten sind stark politisiert, die Hochschulen sind Hochburgen der gesellschaftlichen und politischen Opposition. Die Lehrtätigkeit wurde durch ständig wiederkehrende Streiks von Professoren und Dozenten für höhere Löhne erheblich in Mitleidenschaft gezogen.
Nach jahrelanger Vernachlässigung bewegt sich das gesamte simbabwische Bildungssystem mittlerweile ständig am Rande des völligen Kollaps. 2008 muss für eine gesamte Schülergeneration als verlorenes Jahr gelten, die Universitäten stehen mittlerweile wegen chronischer Unterfinanzierung am Rande der Schließung. Seit Bildung der Übergangsregierung gibt es jedoch erste Stabilisierungstendenzen, auch dank westlicher Hilfe bei den Gehaltszahlungen für das Lehrpersonal.
Medien
Die Medien sind weitgehend staatlich gelenkt und verbreiten ZANU-PF-Propaganda. Bei den elektronischen Medien (Radio, Fernsehen), die am meisten verbreitet sind, verfügt ZANU-PF weiterhin über ein Monopol. Die von ihr kontrollierten Tageszeitungen "The Herald" (Harare) und "The Chronicle" (Bulawayo) sowie der regierungsnahe "Daily Mirror" beherrschen seit September 2003 den Markt, nachdem das bis dato auflagenstärkste Blatt, die unabhängige und regierungskritische Tageszeitung "The Daily News" mit pseudolegalen Mitteln vom Markt genommen wurde. Als unabhängige Publikationen verbleiben allein drei unterschiedlich weit verbreitete Wochenzeitungen (The Independent, Financial Gazette, The Standard). Ausländische Printmedien (in erster Linie aus ZAF und GB) sind mit gewisser Verspätung zumindest in der Hauptstadt Harare erhältlich. In den Städten findet diese kritische Wochenendpresse in der urbanen Mittelschicht weiterhin ihre Leserschaft. Auf dem Lande verfügen die regierungseigenen Medien hingegen de facto über ein Informationsmonopol, das der MDC bislang nicht brechen konnte. Die Wiederherstellung der Medienfreiheit durch Gesetzesänderung ist eines der erklärten Ziele von PM Tsvangirai.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.