Senegal
Wirtschaft
Stand: November 2009
Kurzcharakterisierung der Wirtschaft
Senegal zählt mit 12,8 Millionen Einwohnern zu den ökonomisch und politisch stabileren Ländern Westafrikas. Nachdem das Land in den Jahren 2003 bis 2007 jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich 4,7 Prozent erzielte, fiel die reale Steigerung des BIP im Jahr 2008 auf 2,5 Prozent. Für 2009 wird mit einem weiteren Rückkgang auf 0,5 Prozent gerechnet. Die Inflation liegt bei 6 Prozent. Senegal bleibt mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 978 US-Dollar ein Least Developed Country. Der Anteil der ärmsten Bevölkerung beläuft sich auf 17 Prozent. Die Einkommensverteilung ist ungleich, es gibt ein ausgeprägtes Stadt-Land-Gefälle, die Analphabetenrate ist hoch. Zentrale Politikfelder konzentrieren sich auf die Armutsbekämpfung. Eine entsprechende Strategie soll mit Geberunterstützung umgesetzt werden. Ergänzend möchte die Regierung mit einer Stratégie de Croissance Accélérée (SCA) die Wirtschaftsentwicklung fördern.
Die Volkswirtschaft ist durch starke Importabhängigkeit, schmale Exportbasis, kleinen Heimatmarkt und einen breiten informellen Sektor gekennzeichnet. Hinzu kommen Defizite in der Energieversorgung, der Verkehrsinfrastruktur sowie im Bildungs- und Ausbildungsbereich. Ineffiziente Verwaltung, überkommenes Bodenrecht sowie Korruption sind hemmende Faktoren.
Struktur der Wirtschaft, Wirtschaftsklima
Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit sind im Senegal gering, die Löhne niedrig. Der staatlich festgesetzte Mindestlohn liegt bei 0,32 Euro/ Std. Die Lohnnebenkosten betragen 22 Prozent (Sozialversicherung 8 Prozent, Rentenversicherung 14 Prozent). 24 Urlaubs- und 12 Feiertage sind vorgeschrieben. Zusätzliche Feiertage werden bei Bedarf kurzfristig angeordnet.
2008 und 2009 lähmten Zahlungsrückstände des Staates an den Privatsektor im geschätzten Umfang von 175 Mrd FCFA (ca 3 Prozent des BIP) die Wirtschaft. Im Jahr 2008 erwirtschaftete der Dienstleistungssektor 55,6 Prozent des BIP und setzt damit die aufsteigende Tendenz der letzten Jahr fort. Die Industrieproduktion fällt spürbar zurück und lag 2008 bei 19,8 Prozent des BIP. Wichtige Hürde für den Industriesektor ist die mangelhafte Stromversorgung. Der sukzessive Ausbau der Kapazitäten hinkt dem jährlich wachsenden Bedarf von 7 Prozent hinterher. Ein Problemfall ist die überfällige Modernisierung des staatlichen Stromproduzenten SENELEC. Dakar setzt daneben auf eine Diversifizierung der Energiequellen (Kohle, Gas). Erneuerbare Energien sollen zudem auf dem Land den Elektrifizierungsgrad von 17 Prozent (Stadt: 81 Prozent) erhöhen helfen. Der primäre Sektor legte gerinfügig zu und erreichte 2008 einen Anteil von 12,4 Prozent des BIP. 70 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt.
Im Weltbank-Bericht „Doing Business 2009“ belegte Senegal als InvestitionsziellandPlatz 149 von 181. Senegal findet sich im Bericht unter den 10 reformfreudigsten Ländern wieder, dies aufgrund von Erleichterungen bei Geschäftseröffnungen, Registrierungen und grenzüberschreitem Handel. Hinsichtlich Investorenschutz liegt Senegal auf einer Skala zwischen Null bis Zehn bei schwachen 3,0 Punkten. Der Bericht nennt als Gesamtsteuersatz auf die Gewinne 46 Prozent.
Private Unternehmen leiden unter der lockeren Zahlungsmoral des Staates und einer starren und arbeitnehmerfreundlichen Arbeitsmarktregelung. Korruption, Infrastrukturmängel und Schwierigkeiten bei der Kreditbeschaffung stellen Hindernisse dar. Im Rahmen der AGA-Exportkreditgarantien ist Senegal in die Entgeltkategorie 6 eingeordnet. Es bestehen keine Deckungsmöglichkeiten für Geschäfte mit Kreditlaufzeiten von über 12 Monaten mit staatlichen Bestellern. Anfang des Jahres 2008 wurde ein neuer Code de marchés in Kraft gesetzt, der die öffentliche Auftragsvergabe weitestgehend nach europäischen Standard regeln soll. Die internationale Gemeinschaft verfolgt mit Interesse dessen Umsetzung.
Die Agence de Promotion des investissements et des grands travaux(APIX) soll Privatinvestitionen fördern und ausländischen Investoren als Anlaufstelle dienen. Anfang 2008 hat APIX die Leitung der neuen Sonderwirtschaftszone vor den Toren Dakars übernommen. Das Vorhaben wird von Jafza International/ Sénégal mit bis zu 800 Mio. US-Dollar finanziert. Vorgesehen ist ein Industrie- und Dienstleistungspark auf 10.000 Hektar. Mit ersten Operationen wird frühestens ab 2010 gerechnet.
Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft
Die wichtigsten Exportländer Senegals sind Mali, Indien, Frankreich, Spanien, Italien und Gambia (Fisch, Erdölprodukten, Phosphat, Erdnüsse). Die EU ist Hauptexportregion. Die wichtigsten Importländer sind Frankreich, Nigeria, Brasilien, Thailand und die USA. Besonderer Einfuhrbedarf besteht bei Rohöl, technischer Ausrüstung aller Art und Nahrungsmitteln. China platziert sich mit dem Import von Verbrauchsgütern. Nach wie vor ist aber Frankreich erster Wirtschaftspartner. Auffallend ist eine verstärkte Aktivität arabischer Staaten. Der Iran hat seine Präsenz im Senegal erkennbar gesteigert.
Der Handelsaustausch zwischen Deutschland und Senegal ist gering. 2008 wurden Waren im Wert von rund 5,6 Mio Euro nach Deutschland eingeführt. Exportiert wurde für 108,5 Mio. Euro. Die wichtigsten Ausfuhrgüter nach Deutschland sind Fischprodukte und Gemüse. Senegal importiert aus Deutschland Maschinen, chemische Erzeugnisse und Kraftfahrzeuge. Seit 1966 besteht ein deutsch-senegalesisches Investitionsschutz- und -förderabkommen. Es gibt keine AHK-Vertretung vor Ort. Deutsche Firmen sind vor Ort in überschaubarer Zahl präsent. Die DEG hält neben kleineren PPP (Public Private Partnership)-Projekten einen Investitionsbestand von 4,2 Mio. Euro als Treuhandmittel bei ICS sowie seit Februar 2008 40 Mio. Euro bei der Zementfabrik Ciments du Sahel (CDS).
Aktuelle Wirtschaftsentwicklung, konjunkturelle Lage
Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hat in der senegalesischen Wirtschaft deutliche Spuren hinterlassen. Die Regierung hat Maßnahmen zur Unterstützung des Energiesektors und der Lebensmittelversorgung ergriffen, die sich aber als wenig nachhaltig erwiesen haben. Hinzu kam ein erhebliches Versagen in der Führung der öffentlichen Haushalte. Andererseits haben effektive Verbesserungen der Steuererhebungs- und Einnahmesysteme einen Ruin der öffentlichen Finanzen verhindern können. Die Leistungsbilanz für 2008 weist ein Defizit von 1,1 Mrd. Euro oder 12 Prozent des BIP auf. Die Handelsbilanz schließt mit einem Defizit von 1,91 Mrd. Euro. Exporte im Wert von 1,34 Mrd. Euro stehen Importe in Höhe von 3,25 Mrd. Euro gegenüber. Das Dienstleistungsbilanzdefizit beträgt 27 Mio. Euro, das Defizit aus dem Kapitaleinkommen 64 Mio. Euro.
Von 12 Mio. Einwohnern gelten 3,1 Mio. als aktive Bevölkerung (2007). Die Arbeitslosenquote dieser aktiven Gruppe beträgt 13 Prozent (0,4 Mio.). Von den übrigen 2,7 Mio. der aktiven Gruppe gehen nur 6,2 Prozent einer Arbeit im formellen Sektor nach. 60 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land. Davon arbeiten bis zu 70 Prozent in der Landwirtschaft.
Seit 2006 ist das jährliche Wachstum unzureichend, um die Armut in Sengal weiter abzubauen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.