Schweden
Beziehungen zu Deutschland
Stand: Oktober 2009
Politische Beziehungen
In der schwedischen Außenpolitik nimmt Deutschland, vor allem wegen seines europapolitischen und wirtschaftlichen Gewichts, einen bedeutenden Platz ein.
Die deutsch-schwedische Zusammenarbeit zeigt sich in intensiven Kontakten auf allen Ebenen und in vielen Bereichen. Die bilateralen Beziehungen sind weitgehend problemlos. Bundeskanzlerin Merkel besuchte Schweden im August 2008 - ein Besuch, der in Schweden mit großer medialer Aufmerksamkeit begleitet wurde. Ministerpräsident Reinfeldt hatte zuvor im Januar 2007 die Bundeskanzlerin in Berlin besucht.
Bundesaußenminister Steinmeier folgte im August 2008 einer Einladung des schwedischen Außenministers Bildt nach Stockholm.
2009 fanden bilaterale Besuche der Bundesminister von der Leyen (Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche) und Jung (Verteidigung) in Schweden statt.
Im Vorfeld und im Rahmen der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2009 besuchten sehr viele deutsche Delegationen auf allen Ebenen Schweden: Bundesminister, Bundestag, Bundesrat, Landesregierungen, Landesparlamente, Bundes- und Landesverwaltungen.
Wirtschaftsbeziehungen
Deutschland ist das bei weitem größte Herkunftsland schwedischer Importe. Seine Stellung als größter Abnehmer schwedischer Exporte verlor Deutschland im laufenden Jahr (2009) an Norwegen. Insgesamt gingen 2008 10,1 Prozent aller schwedischen Exporte nach Deutschland. Unter den Ursprungsländern schwedischer Importe steht Deutschland mit einem Anteil von knapp einem Fünftel (2008: 17,6 Prozent) mit großem Abstand an erster Stelle.
Die Zahl deutscher Unternehmensengagements in Schweden (Tochterfirmen, Beteiligungen, Filialen oder Repräsentanzen) liegt bei etwa 870, mit insgesamt rund 50.200 Beschäftigten und einem geschätzten Jahresumsatz von etwa 30 Mrd. Euro. Regionale Schwerpunkte sind Stockholm, Göteborg und Malmö/Helsingborg. Dem stehen 700 schwedische Engagements in Deutschland mit rund 140.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 45 Mrd. Euro gegenüber. Regionale Schwerpunkte sind Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und Berlin. Die schwedischen Unternehmen in Deutschland sind oft im Einzelhandel engagiert (Ikea, Hennes und Mauritz), aber auch im Energiebereich (Vattenfall).
Kulturbeziehungen
Bis zum Zweiten Weltkrieg war Schweden kulturell auf den deutschen Sprach- und Kulturraum ausgerichtet, danach erfolgte eine rasche Umorientierung auf den angelsächsischen Bereich. Deutsch wurde durch Englisch als erste Fremdsprache abgelöst. Als zweite Fremdsprache steht Deutsch in Konkurrenz zu anderen Sprachen wie Spanisch. Die Zahl der Schüler, die den Deutschunterricht bis zur Abiturklasse fortsetzen, hat sich in den letzten 15 Jahren von 40 auf rund 20 Prozent halbiert.
Die Deutsche Schule Stockholm (DSS) ist eine Begegnungsschule, die zum Abitur führt. Von den etwa 590 Schülern sind über zwei Drittel Schweden. Im Jahr 2006 wurde die DSS unter die 10 besten Gymnasialschulen der Stockholmer Region gewählt. 1992 wurde in Göteborg ebenfalls eine Deutsche Schule gegründet. Diese Grundschule der Stufen 1 bis 9 unterrichtet nach schwedischem Lehrplan; der Deutschunterricht ist einer ihrer Schwerpunkte.
Hauptträger der deutschen Kulturpolitik in Schweden ist das Goethe-Institut mit Sitz in Stockholm und einem Regionalbüro in Göteborg. Das Goethe-Institut konzentriert sich in seiner Spracharbeit besonders auf die Lehrerfortbildung.
Einen positiven Beitrag zur Vermittlung deutscher Kultur in Schweden leisten die deutschen Auslandsgemeinden sowie die zahlreichen deutsch-schwedischen Vereine, vor allem in den Städten Stockholm, Göteborg und Malmö.
Die Verbreitung deutscher Filmproduktionen im schwedischen Kino und Fernsehen hat in den vergangenen Jahren etwas zugenommen. In letzter Zeit haben sich immer wieder deutsche Filme zu Publikumserfolgen entwickelt. Ein Großteil davon behandelte geschichtliche Themen, wie beispielsweise „Der Untergang“‚ „Sophie Scholl“ und „Das Leben der Anderen“, der 2007 den höchsten schwedischen Filmpreis „Guldbagge“ in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ gewann. „Der Baader Meinhof-Komplex“ lief Ende 2008 in schwedischen Kinos und war ein Publikumserfolg.
Anfang Dezember findet regelmäßig das deutsche Filmfestival „German Films Go North“ in Stockholm statt.
Neben den deutschen Klassikern werden auf schwedischen Bühnen auch modernere Stücke, wie Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ inszeniert. Deutsche Ensembles kommen regelmäßig für Auftritte nach Schweden. Im Mai 2009 fand im Rahmen des Bergman-Festivals unter Anderem ein Gastspiel des Hamburger Thalia Theaters am renommierten Stockholmer ‚Dramaten’ statt.
Auch im literarischen Bereich besteht vor allem Nachfrage nach deutschen Klassikern. In letzter Zeit ist aber auch zeitgenössische Literatur im Trend. Die großen Tageszeitungen besprechen inzwischen regelmäßig jüngere deutsche Literatur. Der Literaturnobelpreis 2009 für Herta Müller wurde in der schwedischen Öffentlichkeit fast ausschließlich positiv gewürdigt und hat zu einer verstärkten Nachfrage ihrer Werke geführt. 2008 wurde zudem Daniel Kehlmann für „Die Vermessung der Welt“ der Per-Olov-Enquist-Preis verliehen; nach Juli Zeh (2005) ist er damit der zweite deutsche Preisträger.
Die Göteborger Buchmesse konnte ihren internationalen Stellenwert mit ca. 100.000 Besuchern auch 2009 behaupten. Deutschland, Österreich und die Schweiz arbeiten regelmäßig zusammen, um auf der Buchmesse „deutschsprachige Literatur“ zu präsentieren.
Auch personell findet ein reger Austausch zwischen Deutschland und Schweden statt. So nahm beispielsweise der Dramaten-Regisseur Staffan Valdemar Holm kürzlich eine Stelle am Düsseldorfer Schauspielhaus an und der schwedische Dirigent Stefan Solyom wird neuer Generalmusikdirektor und Chefdirigent des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar.
Zur Förderung der bilateralen Kulturbeziehungen hat Schweden das Projekt der Schwedenstraße in den ehemals schwedischen Gebieten Deutschlands (vor allem Mecklenburg-Vorpommern) durchgeführt. Weitere Informationen finden Sie hier:
Artikel zum Leben in Deutschland, und insbesondere in Berlin, erscheinen regelmäßig in der schwedischen Presse. Gerade im Kulturbereich finden sich fast täglich Beiträge mit Deutschlandbezug. Die Fußball-WM 2006 hat für eine spürbare Zunahme des Interesses gesorgt. Im Jubiläumsjahr „20 Jahre Mauerfall“ und „60 Jahre Grundgesetz“ ist zudem ein verstärktes Interesse an diesen Themen sichtbar.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.