Saudi-Arabien
Kultur- und Bildungspolitik, Medien
Stand: März 2010
Kulturpolitik
Kulturelle Aktivitäten im westlichen Sinnen sind in Saudi-Arabien auf Grund der konservativen Auslegung islamischer Grundsätze nur sehr beschränkt möglich. An Veranstaltungen dürfen Männer und Frauen grundsätzlich nicht gemeinsam teilnehmen. Kinos und Konzerte sind weitgehend verboten. Kulturveranstaltungen mit westlicher Beteiligung wie etwa Buchlesungen, Filmvorführungen oder Ausstellungen unterliegen behördlicher Genehmigung und Zensur. Das 2003 gegründete Kulturministerium und private Akteure bemühen sich aber, nicht zuletzt durch Kooperation mit dem Ausland, eine weitere Öffnung in diesen Bereichen gegen besonders konservative Teile der Gesellschaft durchzusetzen. Moderne Techniken wie das Satellitenfernsehen, Internet, aber auch die regelmäßigen Fahrten ins westliche Ausland oder in die benachbarten arabischen Staaten ermöglichen weiten Teilen der Bevölkerung den Zugang zur internationalen Kultur.
Bildungspolitik
Das Bildungssystem ist islamisch geprägt und entspricht in vielen Bereichen nicht modernen bildungspolitischen Standards. Daher steht die Bildungspolitik im Zentrum der politischen Aufmerksamkeit. Fast ein Viertel des staatlichen Budgets wird in neue Schulen und ihre Ausstattungen gesteckt. Allein schon die hohe Geburtenrate stellt das saudische Bildungssystem vor enorme Herausforderungen. Zudem wird in der saudischen Öffentlichkeit lebhaft über eine Verbesserung der Bildungsstandards diskutiert. Viele kritisieren Frontalunterricht und Auswendiglernen, während Kreativität und soziale Fähigkeiten kaum vermittelt würden. Die islamischen Fächer nehmen einen beträchtlichen Teil des Lehrstoffes ein. Im Rahmen der internen Debatte um die Wurzeln des islamischen Extremismus werden weiterhin kritische Fragen an das Bildungssystem gestellt. Als nützlichen Baustein einer auf Toleranz und moderne Inhalte ausgerichteten Lehre sieht man dabei auch das Studium im Ausland an, für das jedes Jahr Tausende Regierungsstipendien vergeben werden. Die Ausbildung von Männern und Frauen ist an Schulen und Universitäten in Saudi-Arabien streng getrennt. Erst seit 2009 wird in den Grundschulen in Pilotprojekten die Koedukation in den Klassen 1-2 praktiziert. Die im September 2009 gegründete „King Abdallah Universität für Wissenschaft und Technik“ ist ebenfalls koedukativ konzipiert. In manchen Studienfächern sind inzwischen über die Hälfte der Studierenden Frauen.
Medienlandschaft
Die technologische Entwicklung hat den saudischen Medienkonsumenten in kurzer Zeit eine Fülle von Informationsmöglichkeiten eröffnet. Internet und E-Mail bieten vor allem den saudischen Frauen einen Ausgleich für gesellschaftlich bedingten Mangel an Kommunikation und Mobilität. Allerdings besteht strenge Zensur hinsichtlich einiger politischer Inhalte, vor allem aber in Bezug auf "unislamische" Webseiten, was insbesondere den Zugang zu erotischem Material betrifft.
Die Printmedien sind - im Rahmen der einzuhaltenden roten Linien - zunehmend offen und kritisch. Missstände werden benannt und konservative Traditionen kritisiert. Allerdings greift das Informationsministerium immer noch ein, unter anderem, wenn die Politik der Regierung aus deren Sicht zu direkt angegriffen wird. Die größten lokalen Tageszeitungen sind "Al-Dschazira", "Al-Riyadh" und "Okaz". Die englischsprachige "Arab News" findet auch außerhalb Saudi-Arabiens Verbreitung. Die überregionalen arabischen Tageszeitungen „Asharq Al-Awsat“, „Al-Watan“ und „Al-Hayat“ haben Büros in Riad und erscheinen in Saudi-Arabien als Lokalausgabe.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.