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Landesflagge Rumänien
Wirtschaft

Stand: September 2009

Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Nach mehreren Jahren eines beeindruckenden BIP-Wachstums (zuletzt im Jahr 2008 7,1 Prozent) wurde Rumänien von der Wirtschafts- und Finanzkrise unmittelbar getroffen.. Im ersten Quartal 2009 sank das BIP im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,2 Prozent. Für das gesamte Jahr 2009 wird das Negativwachstum der Wirtschaft voraussichtlich bei rund 8,5 Prozent liegen.

Während in den Vorjahren die starke, zum großen Teil kreditfinanzierte Binnennachfrage trotz einer gleichzeitigen Steigerung des Exportvolumens zu einem beträchtlichen Leistungsbilanzdefizit (2008: rund 16,84 Mrd. Euro, Quelle: rumänische Nationalbank) geführt hatte, wird sich dieses aufgrund des Rückganges des Importvolumens in 2009 deutlich verringern.

Die Inflationsrate lag 2008 laut der rumänischen Nationalbank bei 6,3 Prozent. Für 2009 strebt die rumänische Nationalbank eine Inflationsrate von 4,3 Prozent an, bevor 2010 das Inflationsziel von 3,6 Prozent erreicht werden soll. Anderen Quellen (u.a. Deutsche Bundesbank) zufolge lag die Inflationsrate 2008 bei ca. 7,8 Prozent. Für 2009 wird eine Rate von 5,5 Prozent und für 2010 ein Rückgang der Inflationsrate auf 3,6 Prozent vorhergesagt. Das Haushaltsdefizit betrug im Jahr 2008 ca. 4,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Eine Ausweitung auf bis zu 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2009 scheint realistisch.

Zur Stützung seiner Wirtschaft hat Rumänien im Mai 2009 ein umfangreiches Finanzierungspaket von IWF, EU, Weltbank und EBWE erhalten. Der IWF stellt Rumänien 12,95 Mrd Euro durch einen zweijährigen Stand-By Kredit bereit. Die Europäische Union stellt parallel 5 Mrd. Euro zur Verfügung. Komplettiert wird das Finanzierungspaket durch jeweils eine Milliarde Euro bereitgestellt durch die Weltbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE). Mit diesen 19,95 Mrd. Euro erhält Rumänien kurzfristig Liquidität in Höhe der gesamten zugesagten EU Mitteln aus Struktur- und Kohäsionsfonds im Zeitraum 2007 – 2013. Die Kreditzusage ist an ein umfangreiches Maßnahmenpaket geknüpft und enthält Verpflichtungen zur Begrenzung des Haushaltsdefizits, der Inflation sowie zur Verringerung des Finanzierungsbedarfs der öffentlichen Haushalte.

Nach erfolgreichen Privatisierungen beliefen sich die Auslandsinvestitionen (ADI) im Jahr 2008 laut rumänischer Nationalbank auf 9,024 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 24,4 Prozent gegenüber 2007. Rumänien belegt damit hinsichtlich des Volumens ausländischer Direktinvestitionen hinter Polen den zweiten Platz unter den neuen EU Mitgliedsstaaten. Im EU27-Vergleich belegt Rumänien den zehnten Platz. Krisenbedingt hat sich das Investitionsklima jedoch deutlich abgekühlt. In den ersten 7 Monaten 2009 verzeichnete die rumänische Nationalbank einen Rückgang der Investitionen um 47,9 Prozent auf 3,097 Mrd. Euro, welche den ebenfalls stark reduzierten Fehlbetrag der Leistungsbilanz (01.09.-07.09.: 2,72 Mrd. Euro) jedoch ganz decken.

Rumänien strebt für 2014 die Einführung des Euro an, was von vielen Beobachtern als optimistisch angesehen wird. 2012 will Rumänien die Vorstufe zur Euro-Einführung erreichen und dem Europäischen Wechselkursmechanismus ERM-II beitreten.

Reformbemühungen

Trotz der insgesamt positiven volkswirtschaftlichen Gesamtentwicklung Rumäniens in den letzten Jahren besteht in der Wirtschaft weiterhin großer Reformbedarf. Bürokratie, immer noch nicht ausreichende Rechtssicherheit, die schlechte Infrastruktur sowie Korruption sind die Hauptprobleme der rumänischen Wirtschaft.

Die am 29.12.2004 ins Amt gekommene Regierung unter Premierminister Tariceanu hat am ersten Tag einen einheitlichen Steuersatz von 16 Prozent auf Einkommen und Unternehmensgewinne eingeführt. Die Maßnahme war Teil eines Wirtschaftsprogramms, das u.a. durch Steuersenkungen, Bekämpfung von Schattenwirtschaft, Steuerhinterziehung und Korruption das Wirtschafts- und Investitionsklima in Rumänien verbessern und Arbeitsplätze schaffen sollte. Reformbemühungen, wie sie die Tariceanu-Regierung im Hinblick auf den zum 1. Januar 2007 erfolgten Beitritt zur Europäischen Union unternommen hatte, sind im Anschluss an den Beitritt ins Stocken geraten. Der am 22. Dezember 2008 ins Amt gekommene Premierminister Boc und seine Regierung müssen die Reformen nun unter ungleich schwierigeren weltkonjunkturellen Bedingungen fortsetzen.

Wichtigste Wirtschaftszweige

In den traditionell dominierenden Industriezweigen Maschinenbau, Metallurgie, Chemie, Ölindustrie und Petrochemie vollzieht sich seit einigen Jahren ein Strukturwandel. Rumäniens Industrie befindet sich inzwischen eindeutig auf dem Weg zu technisch anspruchsvolleren Produkten. Der hinsichtlich der Zahl der Beschäftigten bedeutendste Sektor, die Textil- und Bekleidungsindustrie, die rund ein Viertel der rumänischen Exporte generiert, ist angesichts zunehmender Konkurrenz auf den internationalen Märkten (China, Indien) dabei, sich aus dem Billiglohnsegment zu lösen und in anspruchsvollere Textilsektoren vorzudringen. 

Im Bereich des Maschinenbaus sind die Bereiche Ausrüstungen und Anlagen, Schiffsbau und Kraftfahrzeuge wettbewerbsfähig und zukunftsträchtig. Vor allem die Kfz- und Kfz-Zulieferindustrie gilt inzwischen als Schwerpunkt für die Entwicklung der modernen, stark exportorientierten Industrielandschaft. Trotz der weltweiten Absatzkrise im Automobilmarkt und der auch in Rumänien zurückgehenden Binnennachfrage stieg die KfZ-Produktion in der ersten Jahreshälfte 2009 um 3,6 Prozent an, weil die Exporte – nicht zuletzt wegen der deutschen Abwrackprämie – um 63 Prozent anstiegen.

Besonders erfolgreich entwickelt sich aufgrund der Verfügbarkeit hochqualifizierter rumänischer Fachkräfte der Bereich IT-Technologien und Software. 

Wichtiger werden dürften in Zukunft die Bereiche Umwelt (Beseitigung von Altlasten und Bau von Anlagen zur Generierung erneuerbarer Energien) und Energie. Im Infrastrukturbereich stößt ein weiterhin bestehender Investitionsbedarf derzeit auf eine angespannte Lage der öffentlichen Haushalte. Die Bauwirtschaft kann mit einem krisenbedingten Nachfrageeinbruch nicht an den bisherigen Wirtschaftsboom anschließen.

Auskünfte über den jeweiligen Stand der Außenhandelsvorschriften sowie Messeaktivitäten u.ä. erteilt die Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer in Bukarest unter drahk@ahkrumaenien.ro.

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

  • Freihandelsabkommen mit der EFTA (Unterzeichnung 10.12.1992)**

  • Assoziierungsabkommen mit der EU (In Kraft getreten am 01.02.1995; EU-Mitgliedschaft seit 01.01.2007)

  • Bosporuskommuniqué zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit von 11 Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres (Unterzeichnung 25.06.1992)

  • Black Sea Bank for Trade and Development (seit Dezember 1994)

  • Mitglied von (Welthandelsorganisation), Weltbank, (Internationaler Währungsfonds)

  • Protokoll der 16 (internationales System von Zollpräferenzen zwischen derzeit 13 Staaten)

  • Beobachterstatus im Landwirtschaftsausschuss der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (seit 28.06.2001).

* Bei den Jahreszahlen 2008 handelt es sich teilweise um Schätzungen und Hochrechnungen. Eine ausführliche Quellenangabe findet sich auf dem Wirtschaftsdatenblatt.

**Handelsabkommen ist außer Kraft gesetzt worden durch Assozierungsabkommen mit der EU, dieses gilt trotz Beitrittsvertrag fort



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Bukarest
Sonja Kreibich
Tel.: (0040) 21-202 98 30
Fax: (0040) 21-230 34 59 eMail
www.bukarest.diplo.de
Generalkonsulat Hermannstadt

GK Thomas Gerlach

Tel.: (0040) 69/212241
Fax: (0040) 69/214180 eMail
www.hermannstadt.diplo.de

Außenstelle Temeswar
Konsul Rolf Maruhn
Tel.: (0040) 256/309800
Fax: (0040) 256/49 0487 eMail
www.temeswar.diplo.de

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