Rumänien
Beziehungen zu Deutschland
Stand: März 2010
Politische Beziehungen
Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien sind sehr gut. Sie finden ihre Grundlage im Freundschaftsvertrag von 1992. Bei der Vorbereitung auf den Beitritt zur EU und der Integration Rumäniens in die EU hat Deutschland umfangreiche Unterstützung geleistet. Zunehmend arbeiten beide Länder auch im Rahmen regionaler Initiativen wie der Donaukooperation zusammen.
Zwischen beiden Ländern besteht ein kontinuierlicher politischer Besuchsaustausch. Herausragend sind dabei die Besuche von Staatspräsident Traian Basescu in Berlin 2005, 2006 und 2007 (anlässlich der Feier zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der EU-Verträge) und der Rumänien-Besuch von Bundespräsident Köhler im Juli 2007. Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte Rumänien anlässlich des NATO-Gipfels im April 2008. Der damalige Bundesaußenminister Steinmeier besuchte Rumänien anlässlich der EU-Beitrittsfeiern zur Jahreswende 2006/2007, während der bis Oktober 2009 amtierende rumänische Außenminister Diaconescu im Frühjahr 2009 Berlin einen Besuch abstattete. Darüber hinaus haben zahlreiche Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer Rumänien in den letzten Jahren besucht.
Deutsche Minderheit
Der deutschen Minderheit in Rumänien gehören laut Volkszählung 2002 noch gut 60.000 Personen an, doch sinkt die Zahl aufgrund der demographischen Struktur. Die deutsche Minderheit ist im "Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien" (DFDR) mit Sitz in Hermannstadt organisiert; Vorsitzender ist der Bürgermeister Klaus Johannis. Die Minderheit stellt auch nach den Kommunalwahlen im Juni 2008 überproportional viele Kommunal- und Kreistagsabgeordnete im Banat und Siebenbürgen sowie zehn Bürgermeister. Im Regierungsdepartment für interethnische Beziehungen stellt die Minderheit einen für sie zuständigen Unterstaatssekretär. Als Abgeordneter der Minderheit im Nationalparlament wurde im November 2008 Ovidiu Gant wieder gewählt.
Die bisher noch sehr guten Deutschkenntnisse in der Minderheit sind zunehmend durch die sich verschlechternde Versorgung mit Deutschunterricht bedroht. Gut qualifizierte junge Lehrkräfte mit Fremdsprachkenntnissen haben in Wirtschaft und Ausland erheblich attraktivere Perspektiven. Auswärtiges Amt und Bundesministerium des Innern wenden derzeit für Maßnahmen zur Unterstützung der deutschen Minderheit jährlich rund 2,4 Millionen Euro auf.
Wirtschaftsbeziehungen
Die bilateralen Handelsbeziehungen haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten dynamisch entwickelt. Deutschland ist vor Italien wichtigster Handelspartner Rumäniens. Im Jahr 2009 wurden bis Ende November etwa 17,3 Prozent des rumänischen Außenhandels mit Deutschland abgewickelt. Im gleichen Zeitraum wurden Güter im Wert von insgesamt 11,29 Milliarden Euro gehandelt. Deutschland exportierte in diesem Zeitraum Waren im Wert von rund 6,17 Milliarden Euro nach Rumänien. Die rumänischen Exporte nach Deutschland hatten einen Wert von rund 5,12 Milliarden Euro. Die wichtigsten Import- und Exportgüter waren jeweils Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile sowie elektrische Geräte.
Die deutschen Direktinvestitionen beliefen sich am 31. Dezember 2009 auf 2,83 Milliarden Euro, was rund 11,21 Prozent des gesamten ausländischen gezeichneten Investitionskapitals entspricht. Bei den Investitionen in Rumänien nimmt Deutschland den dritten Rang hinter den Niederlanden und Österreich ein. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass eine Reihe deutscher Unternehmen ihre Investitionen über Tochterunternehmen in anderen Staaten tätigt, die somit in den rumänischen Statistiken nicht als deutsche Investitionen ausgewiesen werden. Ende Dezember 2009 betrug die Zahl der in Rumänien registrierten Firmen mit deutscher Beteiligung 17.110. Die Struktur der deutschen Investitionen ist überwiegend kleingewerblich geprägt. Über 90 Prozent belaufen sich auf weniger als 50.000 US-Dollar.
Der Deutsch-Rumänische Kooperationsrat mit seinen branchenspezifischen Arbeitsgruppen ist das offizielle Forum für den Dialog in Wirtschaftsfragen zwischen Deutschland und Rumänien. Die nächste Sitzung des Kooperationsrates wird voraussichtlich noch in der ersten Jahreshälfte 2010 stattfinden.
Die am 5. September 2002 eröffnete Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer in Bukarest fördert die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen und vertritt alle wichtigen Messegesellschaften vor Ort. Deutsche Wirtschaftsclubs in Bukarest, Hermannstadt/Sibiu, Kronstadt/Brasov, Temeswar/Timisoara, Arad und Klausenburg/Cluj-Napoca sind darüber hinaus Foren für die Vertreter der deutschen Privatwirtschaft in Rumänien. Im Jahr 2008 eröffnete Germany Trade and Invest (früher Bundesagentur für Außenwirtschaft, bfai) ein Korrespondentenbüro in Rumänien. Damit wurde die Bedeutung des rumänischen Marktes für die deutsche Wirtschaft noch einmal unterstrichen.
Kulturelle Beziehungen
Schwerpunkt der Kulturbeziehungen sind die Bereiche Wissenschaft und Hochschulen sowie Förderung der deutschen Sprache. 1995 wurde mit Rumänien ein Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit geschlossen, 1996 ein Abkommen über schulische Zusammenarbeit. Rumänien fühlt sich traditionell eng mit dem deutschen Kulturraum verbunden. Durch die deutsche Minderheit besteht eine gemeinsame Kulturtradition, die das Interesse an deutscher Sprache und Kultur in Rumänien wach hält.
In Rumänien engagieren sich das Goethe-Institut, das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (mit 35 entsandten Lehrern) sowie die deutschen politischen Stiftungen. Die Arbeit des Goethe-Instituts wird durch die deutschen Kulturzentren in Iaşi, Klausenburg, Hermannstadt, Kronstadt und Temeswar ergänzt. Die Robert Bosch Stiftung entsendet noch bis Mitte 2010 Kulturmanager an drei dieser Zentren sowie noch zwei Lektoren. Die Zahl der Universitäts- und Schulpartnerschaften nimmt stetig zu. Seit 1999 ist Rumänien mit dem Kulturinstitut "Titu Maiorescu" in Berlin vertreten. Es vermittelt rumänische Kultur durch Ausstellungen, Konzerte und Vortragsveranstaltungen.
Beispiele für Projekte der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik in Rumänien sind themenbezogene Alumni-Treffen, Literaturwettbewerbe sowie eine deutsche Kulturwoche aus Anlass des 20. Jahrestags des Mauerfalls im November 2009. Die großen Erfolge der jungen rumänischen Filmszene, die nicht zuletzt auf den Berlinalen 2009 und 2010 gewürdigt wurden, werden ein immer wichtigerer Anknüpfungspunkt für die bilateralen Kulturbeziehungen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.