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Landesflagge Polen
Wirtschaft und Umweltpolitik

Stand: März 2010

Wirtschaftsstruktur

Seit Beginn der Transformation 1990 hat Polens Wirtschaft eine eindrucksvolle Entwicklung durchlaufen und 2008 unter allen Nationalökonomien in der EU einen beachtlichen siebten Rang belegt. Die Wirtschaftsstruktur reflektiert Polens tief greifende Fortschritte und nähert sich der Wirtschaftsstruktur der alten EU-15-Mitgliedsstaaten an. Die Bruttowertschöpfung erfolgt inzwischen fast auf 56 Prozent im Dienstleistungssektor und nur noch zu 21 Prozent in der Industrie; über sechs Prozent entstehen in der Bauwirtschaft und knapp vier Prozent in der Landwirtschaft. Fast 70 Prozent der Bruttowertschöpfung erfolgt im Privatsektor, der fast 75 Prozent der Arbeitskräfte beschäftigt.

Wirtschaftswachstum

Infolge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich 2008 die Wachstums-dynamik, die 2007 noch einen Rekordwert von 6,7 Prozent erreicht hatte, auf 4,8 Prozent des BIP abgeschwächt. 2009 hat Polen die globale Krise relativ gut bewältigt und als einziger EU- Mitgliedstaat ein positives Wachstum (im Jahresdurchschnitt 1,7 Prozent; im 4. Quartal 3 Prozent) erzielt. Nach Überwindung der weltweiten Rezession wird die polnische Wirtschaft 2010 um etwa 2,5 Prozent wachsen.

Zur Stabilisierung des Finanzsektors und der Wirtschaft hat die Regierung Tusk und die Polnische Notenbank ein umfassendes „Anti-Krisenprogramm“ verabschiedet, zu deren Schwerpunkt Steuerleichterungen, staatliche Garantien und Bürgschaften, Senkung der Leitzinsen, Vorziehen von EU- Investitionen, Flexibilisierung des Arbeitsrechts, Förderung der Kurzarbeit und Hilfen für einige Industriesektoren gehören.

Arbeitslosigkeit

Während 2008 von einem beachtlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit geprägt war und diese im November mit 8,8 Prozent einen historischen Tiefstand erreicht hatte, ist die Arbeitslosigkeit bis Dezember 2009 wieder auf 11,9 Prozent gestiegen.. Die realen Lohnsteigerungen haben sich im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verringert.

Inflation

Die Inflationsrate (HVPI), die aufgrund des starken Zuwachses an Beschäftigung, der hohen Lohnsteigerungen und der hohen Energiepreise 2008 auf 4,2 Prozent gestiegen war, hat sich 2009 wegen der Verlangsamung des Wachstums sowie der Trendwende bei der globalen Preisentwicklung auf 4,0 Prozent im Jahresdurchschnitt verringert.

Haushalt

Infolge von Steuerleichterungen, der Verringerung der Sozialabgaben und der Verschlechterung der Wirtschaftslage hat sich das öffentliche Haushaltsdefizit 2008 wieder auf 3,6 Prozent und die staatliche Gesamtverschuldung auf 47,2 Prozent erhöht. Da sich infolge der globalen Krise die Staatseinnahmen deutlich verringert und Staatsausgaben erheblich erhöht haben, hat sich 2009 das öffentliche Haushaltsdefizit auf 7,2 Prozent des BIP und die staatliche Gesamtverschuldung auf 50,7 Prozent erhöht. Im Juli 2009 hat die EU gegen Polen ein Verfahren wegen übermäßigen Haushaltsdefizits eröffnet und der Regierung bis Ende 2012 den Abbau des Haushaltsdefizits unter 3 Prozent auferlegt.

Auslandsinvestitionen

Der Standort Polen übt bei ausländischen Investoren weiterhin Anziehungskraft aus. Zu seinen Stärken gehört die Mitgliedschaft Polens zur EU und der damit verbundene Zugang zu hohen EU-Fördermitteln(2009 6 Milliarden Euro netto, seit EU-Beitritt 2004 insgesamt 20 Milliarden Euro netto); der große Binnenmarkt mit 38,1 Millionen Einwohner, die geographische Nähe Polens zu Deutschland und anderen wichtigen Exportmärkten, die im internationalen Vergleich attraktiven Unternehmenssteuern, die relativ stabile Wirtschaft mit mittelfristig günstigen Wachstumsperspektiven sowie die gut ausgebildeten Hochschulabsolventen und qualifizierten Arbeitskräfte.

2007 hatten die ausländischen Direktinvestitionen (ADI) 16,6 Milliarden Euro (15,3 Milliarden Euro ohne Transitkapital) betragen, davon stammten 80,6 Prozent aus der EU (17,0 Prozent - 3 Milliarden Euro- aus Deutschland). Aufgrund der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich die ADI 2008 auf 11 Milliarden Euro (D 1,6 Milliarden Euro) verringert und 2009 weiter auf 8,4 Milliarden Euro reduziert.

Außenhandel

Der polnische Außenhandel entwickelte sich in den letzten Jahren sowohl auf der Import- als auch der Exportseite dynamisch. Das Schwergewicht des Außenhandels hat sich 2008 zunehmend auf die EU-Länder verlagert (77,5 Prozent der Exporte und 61,4 Prozent der Importe), wobei Deutschland als mit Abstand größter Handelspartner Polens eine herausragende Stellung einnimmt (25 Prozent der polnischen Gesamtausfuhr und etwa 23 Prozent der Gesamteinfuhr). Infolge der internationalen Krise haben sich 2009 die polnischen Exporte um 17,1 Prozent und die Importe sogar um 26,3 Prozent reduziert. 2009 verzeichnete die polnische Handelsbilanz ein Defizit von 8,7 Milliarden Euro.

Wichtige Branchen

Wichtige polnische Wirtschaftszweige mit langer Tradition sind die Lebensmittelindustrie, die Energieversorgung, der Bergbau und die Hüttenindustrie, gefolgt von Maschinenbau, Elektrotechnik/Elektronik, Fahrzeugbau sowie der Textil- und Bekleidungsindustrie. 2008 entwickelte sich weiterhin der Dienstleistungssektor besonders dynamisch (5,6 Prozent Zuwachs gegenüber dem Vorjahr).

Umweltpolitik

Naturschutz
Polen besitzt eine große Anzahl ursprünglicher Naturregionen. Etwa ein Drittel der Landesfläche besteht aus Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten. Seltene und bedrohte Tierarten wie Weißstorch, Bison und Wolf finden hier ihren Lebensraum. Die wichtigsten Gebiete wurden in etwa 1.400 Reservaten, 129 Naturparks und 23 Nationalparks unter Schutz gestellt. Die Nationalparks nehmen mit 317.234 Hektar etwa ein Prozent der Landesfläche ein. Neun der Nationalparks erklärte die UNESCO zu Biosphären-Reservaten. Der älteste ist der Bialowieski-Nationalpark, der seit 1921 besteht.

Luft- und Wasserverschmutzung
Die Umweltverschmutzung im kommunistischen Polen war gravierend. Mit Verbesserungen wurde nach 1989 begonnen. Wesentliche Effekte wurden durch Schließung alter und unrentabler Industrien erzielt. In den letzten Jahren hat es aber auch erhebliche Fortschritte bei der Senkung des Ausstoßes von Schwefeldioxid, Stickoxiden und Staub gegeben. Die Wasserqualität der Fließgewässer und Seen wird heute primär durch Aufrüstung oder Neubau von Kläranlagen verbessert. Schwerpunkte des polnischen Umweltschutzes sind die Luft- und Wasserreinhaltung, die Abfallwirtschaft sowie die Förderung erneuerbarer Energien. Die Zielstellung des Kyoto-Protokolls, bis 2012 den Kohlendioxid-Ausstoß gegenüber 1988 um sechs Prozent zu senken, hat Polen aufgrund des Strukturwandels in der Industrie bereits mit über 30 Prozent weit überboten. Polen konnte deshalb Ende des Jahres 2009 Emmissionszertifkate veräußern. 

Bilaterale Kooperation
Deutschland und Polen arbeiten im Bereich des Umweltschutzes eng und vielfältig zusammen. Der 1991 gegründete Deutsch-Polnische Umweltrat tritt auf Ministerebene und unter Beteiligung aller relevanten Institutionen beider Länder in der Regel jährlich zusammen und hat zuletzt im Juli 2009 in Dresden getagt. Er erarbeitet Leitlinien und Schwerpunkte für die Kooperation im Umweltbereich, stimmt Strategien aufeinander ab und fördert die Zusammenarbeit im grenznahen Raum.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Generalkonsulat Breslau
Daniel Lissner
Tel.: (0048) 71/377 27 30
Fax: (0048) 71/342 4114 eMail
www.breslau.diplo.de
Generalkonsulat Danzig
Gerhard Weicht
Tel.: (0048) 58/340 65 40/50
Fax: (0048) 58/340 65 60 eMail
www.danzig.diplo.de
Generalkonsulat Krakau
Maria Altmann
Tel.: (0048) 12/424 3000
Fax: (0048) 12/424 3010 wi-10@krak.auswaertiges-amt.de
eMail
www.krakau.diplo.de
Botschaft Warschau
Kerstin Kick

Tel.: (0048) 22/58 41 913
Fax: (0048) 22/58 41 919 eMail
www.ambasadaniemiec.pl

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