Polen
Kultur- und Bildungspolitik
Stand: März 2010
Kulturelles Leben
Die gemeinsame Kultur hat die polnische Nation in den Zeiten der Nicht-Existenz eines polnischen Staates in Folge der „polnischen Teilungen“ (von 1772 bis 1918) zusammengehalten, da sie identitätsstiftend wirkte. Auch heute haben Bildung und Künste in Polen einen hohen Stellenwert.
Polen verfügt über ein dichtes Netz kultureller Infrastruktur. Es gibt in diesem Bereich allerdings größere Unterschiede zwischen Stadt und Land.
Das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe sowie das Ministerium für Nationale Bildung sind die zentralen staatlichen Akteure im Kultur- und Schulbildungsbereich. Wesentliche Strukturen des polnischen Kultur- und Bildungslebens werden von ihnen finanziert und gesteuert. Für Kulturpolitik zuständig sind außerdem die Kultur- und Medienausschüsse der beiden Kammern des Parlaments, Sejm und Senat.
Die Selbstverwaltungskörperschaften auf regionaler und kommunaler Ebene verfügen seit der Verwaltungsreform 1999 über eigene finanzielle Mittel, die sie selbständig und - teilweise auch mit Partnerregionen im Ausland - zur Stärkung der eigenen Identität einsetzen.
Daneben entwickelt sich langsam eine private Kulturförderung. Eine Reihe größerer Unternehmen betreiben eigene kulturelle Aktivitäten. Außerdem gibt es kulturell aktive private Stiftungen.
Schriftsteller, Filmschaffende und bildende Künstler – z.B. die Literatur-Nobelpreisträger Wislawa Szymborska und Czeslaw Milosz (2004 verstorben), Regisseure wie Roman Polanski und Andrzej Wajda oder die Bildhauerin Magdalena Abakanowicz - genießen weltweites Ansehen.
Kulturaustausch findet heute zunehmend durch direkte Kontakte der Kulturschaffenden statt. Das Auswärtige Amt fördert in erster Linie solche Projekte, die partnerschaftlich erarbeitet wurden und in die Zukunft weisen. Begegnungen von jungen Menschen stehen dabei an vorderster Stelle.
Bildungspolitik
Im Gegensatz zu Deutschland ist das Bildungswesen in Polen weitgehend zentral organisiert.
Sprachliche und kulturelle Minderheiten haben in Polen die Möglichkeit, auf allen Stufen Unterricht in ihrer Sprache zu erhalten. Der Lehrplan berücksichtigt zusätzlich bestimmte kulturelle Aspekte.
Auch privaten Trägern steht es grundsätzlich offen, Bildungseinrichtungen auf allen Stufen zu eröffnen. Sofern sie die staatlichen Auflagen bezüglich des Lehrplans, der Prüfungsrichtlinien und der Qualifikation der Lehrer erfüllen, können sie auch staatliche Förderung erhalten.
In Polen gibt es insgesamt 25 sogenannte bilinguale Schulen für die Sprachenkombination Polnisch/ Deutsch. In diesen Schulen werden neben der deutschen Sprache auch mindestens zwei Sachfächer auf Deutsch unterrichtet.
Schulsystem
Mit den Bildungsreformen seit 1999 wurde die achtstufige Grundschule abgeschafft. Nach der obligatorischen Vorschul-Klasse folgt heute eine sechsjährige Grundschule und ein dreijähriges Gymnasium. Der Besuch von Grundschule und Gymnasium ist für alle polnischen Schüler verpflichtend. Seit 2009 wird die erste Fremdsprache ab Klasse 1, die zweite Fremdsprache als Wahlpflichtfach ab Klasse 7 unterrichtet.
Nach dem Gymnasium haben Schüler vier Möglichkeiten der weiteren Ausbildung, von denen drei direkt zur Hochschulreife (Matura) führen: das allgemeinbildende Lyzeum, das spezialisierte Lyzeum und das Technikum. Der Besuch eines Lyzeums dauert drei Jahre, das Technikum wird erst nach vier Jahren abgeschlossen, wobei es neben der Matura auch eine technische Berufsausbildung vermittelt. Die vierte Wahlmöglichkeit nach Beendigung des Gymnasiums ist der Besuch einer Berufsschule, die je nach gewählter Richtung zwei bis drei Jahre dauern kann.
Hochschulen und Forschungseinrichtungen
Die staatlichen Hochschulen in Polen haben 1990 vom Staat weitreichende Autonomie erhalten. Durch die verfassungsmäßig garantierte Freiheit von Forschung und Lehre kann der Staat keiner Hochschule Inhalte oder Methoden vorschreiben, was viel Raum für Differenzierung bietet. Es gibt verschiedene Arten von staatlichen Hochschulen: Universitäten, Technische Universitäten, Landwirtschaftliche Hochschulen, Pädagogische Hochschulen, Wirtschaftshochschulen, Kunst-, Musik- und Theaterhochschulen, Medizinische und Theologische Akademien, Seefahrtshochschulen, Sporthochschulen sowie staatliche Fachhochschulen.
Staatliche Hochschulen finanzieren sich durch Zuweisungen aus dem Staatsbudget, Studiengebühren und sonstige Einnahmen (Spenden, Einwerbung von Drittmitteln). Derzeit gibt es 131 staatliche Hochschulen in Polen. Dazu kommen 73 Einrichtungen der Polnischen Akademie der Wissenschaften und rund 200 selbständige Forschungseinrichtungen.
Im Bereich der Hochschulen entwickelt sich der private Bildungssektor äußerst dynamisch: 325 nichtstaatliche Hochschulen sind in Polen anerkannt und registriert.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.