Philippinen
Wirtschaft
Stand: Oktober 2009
Wirtschaftsstruktur
Die philippinische Wirtschaft weist die für viele Entwicklungsländer typische Zweiteilung auf: Moderne Elektronik-Industrie und boomender Dienstleistungssektor auf der einen Seite, Armut und Subsistenzlandwirtschaft andererseits.
Die Landwirtschaft beschäftigt zwar noch knapp zwei Fünftel aller Arbeitskräfte, ihr Anteil am Sozialprodukt beträgt jedoch nur noch etwa 16%. Aufgrund des hohen Anteils der Subsistenzlandwirtschaft ist die Produktivität des Agrarsektors niedrig. Die Industrie trägt ca. ein Drittel zur Entstehung des Sozialprodukts bei. Ein wichtiges Standbein ist dabei die Elektronik-Industrie. Das Assembling im Bereich Halbleiter und elektronische Bauteile machte in den vergangenen Jahren ca. zwei Drittel der philippinischen Exporte aus, erlebt derzeit aber erhebliche Einbußen aufgrund des weltweiten Nachfrageeinbruchs. Weitere Wachstumssektoren sind der Bausektor, die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie der gesamte Bereich der Infrastruktur. Auf mittlere Sicht könnte auch die Bedeutung des Bergbausektors zunehmen; die Philippinen verfügen über große Lagerstätten an Gold, Kupfer und Nickel.
Der Dienstleistungssektor hat sich in den vergangenen Jahren zur tragenden Säule der philippinischen Wirtschaft entwickelt und trägt heute etwa zur Hälfte zur Entstehung des Bruttosozialprodukts bei. Einer der stärksten Sektoren ist die Telekommunikation. Manila rühmt sich die „Welthauptstadt des SMS-Versands“ zu sein. Die Philippinen sind mittlerweile außerdem die weltweit zweitgrößte Outsourcing-Destination (Call Center, Business Process Outsourcing) nach Indien. Insgesamt dürften gegenwärtig über 370.000 Menschen in diesem Bereich beschäftigt sein. Trotz des globalen Abschwungs wird in den nächsten Jahren weiterhin mit zweistelligen Wachstumsraten gerechnet.
Ebenfalls im Aufwind befindet sich der Tourismus. Die Zahl der ins Land kommenden Touristen stieg in den letzten vier Jahren durchschnittlich um über 10% und hat im Jahr 2008 über 3,1 Mio. erreicht.
Der direkte Einfluss des Staats auf das Wirtschaftsleben ist begrenzt. Beschränkungen für ausländische Investoren (kein Eigentum an Grund und Boden; in vielen Bereichen nur Minderheitsanteil von bis zu 40% möglich) sowie intransparente Ausschreibungsverfahren bei öffentlichen Aufträgen belasten allerdings das Geschäftsklima für ausländische Investoren. Durch die weitgehend abgeschlossene Privatisierung des Energiesektors spielen staatliche Unternehmen auch in diesem Bereich kaum mehr eine Rolle. Die Steuerquote (Anteil der Steuern am BIP) liegt trotz einer Erhöhung der Mehrwertsteuer im Jahr 2006 immer noch lediglich bei etwa 14%. Diese im Vergleich zu den Nachbarländern niedrige Zahl ist vor allem auf eine geringe Effizienz bei der Steuererhebung zurückzuführen.
Wirtschaftslage
Immer wiederkehrende politische Turbulenzen und die Hypotheken hoher Staats- und Auslandsverschuldung haben das Land in der Entwicklung und im Vergleich zu den Nachbarn zurückgeworfen. In den letzten Jahren war das Land aber auf einen stabilen Wachstumspfad mit Wachstumsraten von durchschnittlich 6% eingeschwenkt. Das Jahr 2007 war - was die makroökonomischen Zahlen betrifft - das beste Jahr für die Philippinen seit mehr als drei Jahrzehnten.
Trotz der globalen Wirtschaftskrise haben die Philippinen auch 2008 eine respektable Wachstumsrate von 4,6% erreicht. Getragen wird das wirtschaftliche Wachstum zu einem erheblichen Teil vom Inlandskonsum, der durch die hohen Rücküberweisungen von Auslandsfilipinos angekurbelt wird. Dagegen ist die Investitionsquote im regionalen Vergleich - mit Werten zwischen 15 – 20% des BIP in den letzten Jahren - weiterhin niedrig. Das Investitionsklima hat sich in den letzten Jahren zwar insgesamt leicht verbessert und insbesondere die über 100 Sonderwirtschaftszonen (sog. PEZA-Zones) werden von Investoren gut beurteilt. Schlechte Regierungsführung, hohe Korruption und mangelnde Infrastruktur verhindern aber weiterhin, dass nennenswert mehr ausländische Direktinvestitionen ins Land kommen.
Obwohl die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Wirtschaft des Landes seit Beginn des Jahres 2009 immer deutlicher werden, dürfte die Philippinen insgesamt zu den Ländern gehören, die unterproportional von der Krise erfasst wurden. Schwer getroffen ist vor allem die Exportindustrie und hier vor allem die Hersteller von Elektronikprodukten. Die unmittelbaren Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf den Bankensektor halten sich hingegen in Grenzen und auch die Gastarbeiterüberweisungen sind bisher noch stabil. Die philippinische Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal 2009 mit einem Wachstum von 1,5% besser entwickelt als erwartet. Internationale Finanzinstitutionen gehen mittlerweile von einem Wachstum von etwa 1% für 2009 aus; für 2010 wird mit etwa 3-4% gerechnet.
Einkommensverteilung
Die Ungleichheit bei der Einkommensverteilung ist hoch. Und leider ist es der philippinischen Regierung trotz des starken Wirtschaftswachstums nicht gelungen, die Armut im Lande zu reduzieren. Nach Angaben der Weltbank ist sie im Gegenteil sogar von 30% im Jahr 2003 auf 33% im Jahr 2006 angestiegen, und dies gegen den Trend der Südostasien-Region, in der die Armut allgemein rückläufig ist. Ein wesentlicher Grund ist das hohe Bevölkerungswachstum von etwa 2% (ca. 2 Mio. pro Jahr). Aktuellere Zahlen zur Armutsentswicklung liegen nicht vor.
Die Armut ist in den Philippinen regional unterschiedlich verteilt, insbesondere in ländlichen Gebieten ist sie wesentlich höher als in den Städten. Die ärmste Provinz liegt im muslimischen Teil der Philippinen (Autonome Region im muslimischen Mindanao, ARMM). Die Armut dieser Region ist einer der Gründe dafür, dass die Friedensverhandlungen zwischen Regierung und muslimischen Aufständischen noch nicht zum Erfolg geführt haben.
Auch die Arbeitslosigkeit bleibt ein drängendes und - angesichts des starken Bevölkerungswachstums - ein zunehmendes Problem. Die Arbeitslosenrate ist 2008 zwar weitgehend stabil geblieben (7,4%; geschätzt). Zu den offiziell Arbeitslosen kommen ca. 21% Unterbeschäftigung (Erwerbspersonen, die eine Vollzeitstelle suchen, aber nur teilzeitig beschäftigt sind). Außerdem verlassen mittlerweile über 1 Mio. Menschen jährlich das Land, um im Ausland Arbeit zu suchen – mit zunehmender Tendenz. Die Regierung fördert gezielt die Entsendung von Gastarbeitern ins Ausland, auch um den heimischen Arbeitsmarkt zu entlasten und Devisen zu erwirtschaften. Dies führt allerdings zu einer immer ausgeprägteren Konzentration unterqualifizierter Arbeitnehmer im Inland, die sich immer stärker in einem Mangel an Facharbeitern im Lande niederschlägt.
Umwelt
Das philippinische Archipel mit über 7000 Inseln ist eines der artenreichsten Ökosysteme der Welt. Bevölkerungswachstum, Siedlungsdruck und Raubbau an den natürlichen Ressourcen führen allerdings zu einer Verschlechterung des Zustands der philippinischen Umwelt. Die Regierung hat darauf mit einer Reihe relativ moderner und ambitionierter Umweltgesetze zum Schutz des Regenwalds, der maritimen Ressourcen, der Reinhaltung von Luft, Wasser und der Abfallbehandlung reagiert. Allerdings lässt die Durchsetzung der Regeln oft zu wünschen übrig.
Eine führende Rolle in Südostasien streben die Philippinen bei der Nutzung erneuerbarer Energien, im Klimaschutz und bei der Erhaltung der Biodiversität, v.a. der marinen Biodiversität, an. Schon heute sind sie der zweitgrößte Produzent geothermischer Energie nach den USA. Durch die Verabschiedung der Renewable Energy Bill im Oktober 2008 erhofft sich die Regierung den Zubau von 2500 MW auf Basis erneuerbarer Energien.
Deutschland engagiert sich mit Mitteln der technischen und finanziellen Zusammenarbeit vor allem beim Schutz natürlicher Ressourcen, beim Aufbau kommunaler Infrastruktur (Wasser, Abfall), beim industriellen Umweltschutz, beim Schutz von Klima und Biodiversität sowie bei der Entwicklung erneuerbarer Energien.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.