Pakistan
Wirtschaft
Stand: November 2009
Kurzcharakterisierung
Die pakistanische Wirtschaft konnte bis 2007 hohe reale Wachstumsraten aufweisen. Dieser positive Trend kam 2008 zu einem schnellen Ende. Nach einem Wirtschaftswachstum von 7% im Haushaltsjahr 2006/2007 ist die pakistanische Wirtschaft im Haushaltsjahr 2007/2008 lediglich um 5,7% gewachsen. Für das Jahr 2008/2009 prognostiziert der Internationale Währungsfonds lediglich ein Wachstum von 2,5%.
Die pakistanischen Devisenreserven sanken im Jahr 2008 rapide ab. Im Herbst 2008 schloss PAK mit dem IWF eine Übereinkunft über ein Stand-by-Agreement i.d.H. von 7.6 Mrd. USD. Eine Zahlungsbilanzkrise konnte so verhindert werden, nachdem angesichts eines stark wachsenden Handelsbilanzdefizits Pakistan kurz davor stand, seine Importe nicht mehr bezahlen zu können.
Grundlage des IWF Abkommens ist ein Reformprogramm der Regierung, mit dem in erster Linie die gesamtwirtschaftliche Stabilität des Landes wiedergewonnen werden soll. Es beinhaltet folgende Kernelemente:
Reduzierung des Haushaltsdefizits von 7,7% auf 4,3% des Bruttoinlandsprodukts durch Abbau von Subventionen im Energiesektor;
Einstellung der Finanzierung des Haushaltsdefizits über Anleihen bei der Zentralbank;
Geldpolitische Straffung durch Zinserhöhungen;
Flexibilisierung des Wechselkurses;
Privatisierung von Staatsunternehmen.
Bisher verläuft der Stabilisierungsprozess Pakistans nach Einschätzung des IWF zufriedenstellend, ist aber auch angesichts der politischen Lage mit Risiken behaftet. Im August 2009 wurde das Stand-by-Agreement um weitere 3 Mrd. US-Dollar aufgestockt. Die Perspektiven für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung haben sich in den letzten Monaten auch dank der externen Hilfe und steigender Rücküberweisungen von im Ausland arbeitenden Pakistanern ("remittances"), verbessert. Das Handelsbilanzdefizit hat sich gegenüber 2008 deutlich verringert. Pakistans Privatisierungsprogramm schreitet, wenn auch mit gelegentlichen Hindernissen, im Banken-, Telekommunikationsbereich sowie bei Öl und Gas voran. Die internationale Rating Agentur Standard's&Poor stufte Pakistan im Kreditrating inzwischen eine Stufe besser auf jetzt B-.
Struktur der Wirtschaft
Die weitgehend feudalistisch strukturierte Landwirtschaft Pakistans ist mit rund 22% Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt immer noch ein wichtiger Sektor der pakistanischen Volkswirtschaft. In ihm sind 45% der arbeitsfähigen Menschen beschäftigt; insgesamt 60% der ländlichen Bevölkerung hängen direkt oder indirekt vom landwirtschaftlichen Sektor ab. Im Punjab verfügt Pakistan über das global größte zusammenhängende landwirtschaftliche Bewässerungsgebiet.
Der Industriesektor trägt zu etwa 25% des Bruttoinlandsprodukts bei. Der bei weitem wichtigste Exportsektor ist die Textilbranche, die etwa 56% aller pakistanischen Exporte ausmacht. Der Dienstleistungsbereich hat sich zu einem wichtigen Wachstumssektor entwickelt, er trägt inzwischen zu ca. 50% des Bruttoinlandsproduktes bei. Wichtigste Bereiche sind hier v.a. Banken, Versicherungen und Kommunikation.
Energiepolitik
Zur Zeit haben nur ca. zwei Drittel der pakistanischen Bevölkerung grundsätzlichen Zugang zu Elektrizität, der Großteil von ihnen lebt in den größeren Städten des Landes. Pakistan verfügt über Kapazitäten zur Stromerzeugung von knapp 19.500 MW, wovon 12.500 MW (64,1%) auf fossile Brennstoffe, 6.500 MW (33,3%) auf Wasserenergie, 460 MW (2,4%) auf Kernkraft und 40 MW (0,2%) auf Erneuerbare Energien entfallen. Damit fehlen Pakistan Kapazitäten in Höhe von ca. 3.000 bis 3.500 MW. Als Folge kam es im Sommer 2009 zu oft stundenlangen Stromabschaltungen, auf die die Bevölkerung mit Protestkundgebungen reagierte. Erforderlich sind weitere Reformen des Energiesektores, um die finanziellen Mittel für die erforderlichen Investitionen zu mobilisieren. Um die Abhängigkeit von importiertem Öl zu mindern, beabsichtigt Pakistan, seinen Energiemix langfristig durch Klein- und Kleinstwasserkraftanlagen sowie Solar- und Windenergie ergänzen.
Wirtschaftsklima
Angesichts der politischen Instabilität, der angespannten Sicherheitslage und der Energiekrise hatte sich das Wirtschaftsklima 2008 deutlich abgekühlt. Die pakistanische Währung hat seit 2006 ca. 30% ihres Wertes gegenüber dem US-Dollar eingebüßt. Die Inflationsrate lag zeitweise bei 30%. Inzwischen sind erste Anzeichen der Erholung und Konsolidierung erkennbar. Besorgniserregend sind allerdings die seit Sommer 2009 teilweise stark ansteigenden Preise für Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Zucker, die die pakistanischen Verbraucher zusammen mit steigenden Preisen für Energie erheblich belasten.
Im Korruptionsindex von Transparency International lag Pakistan 2008 auf Rang 134 und rutschte 2009 auf Rang 139 ab (von 180 Staaten).Trotz der Schwierigkeiten bleibt Pakistan angesichts des hohen Investitionsbedarfes in vielen Bereichen, v.a. aber in Energie, Landwirtschaft, Infrastruktur und Hochtechnologie, sowie der Kaufkraft einer wachsenden Mittelschicht ein interessanter Markt für ausländische Firmen.
Außenhandel
Im Fiskaljahr 2007/2008 ist das pakistanische Außenhandeslvolumen gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen. Der Export ist um rund 18% auf 20,5 Mrd. US Dollar gestiegen, die Importe sind jedoch noch stärker gewachsen. Mit einem Anstieg um 31% beliefen sie sich auf 35,5 Mrd. US Dollar. (Angaben der State Bank of Pakistan). Die deutschen Exporte nach Pakistan sanken 2008 gegenüber 2007 von 912,2 Mio. Euro auf 840,8 Mio. Euro. Die Importe aus Pakistan stiegen von 646,8 Mio. Euro auf 685,8 Mio. Euro.Trotz beachtlicher Leistungen in der Diversifizierung der industriellen Produkte hängt Pakistan bei seinem Export weiter von wenigen Produkten - Baumwolle, Leder, Reis, synthetischen Textilien und Sportartikeln - und wenigen Ländern ab. Etwa die Hälfte aller Ausfuhren gehen in sieben Länder - USA, Deutschland, Japan, Großbritannien, China, Vereinigte Arabische Emirate (Dubai) und Saudi-Arabien. Ähnliches gilt für den Import. Auch hier herrscht Konzentration auf wenige Produkte, nämlich Petroleum und Petroleumprodukte, Maschinen, Chemikalien, Düngemittel und Metalle.
Internationale Zusammenarbeit und Finanzbeziehungen
Pakistan hat in der Welthandelsorganisation ein hohes Profil und ist Mitglied in der Südasiatischen Gemeinschaft für regionale Zusammenarbeit und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Im Sommer 2007 trat ein Freihandelsabkommen mit China in Kraft.
Pakistan hat sich den internationalen Kapitalmärkten zugewandt und mehrere erfolgreiche Emissionen, auch im islamischen Bankenbereich, durchgeführt. Als Folge der anhaltenden Finanzkrise Pakistans ist dieser Zugang jedoch seit Sommer 2008 aufgrund der hohen Risikoaufschläge de facto wieder verschlossen.
Von den anderen internationalen Finanzinstituten (Weltbank, Asiatische Entwicklungsbank) erfährt Pakistan – wie auch von wichtigen Gebern wie USA, Japan und Großbritannien – großzügige Unterstützung für Infrastruktur- und armutsbezogene Programme.
Im internationalen Vergleich fällt Pakistan in die Kategorie der Länder mit niedrigem Einkommen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.