Pakistan
Kultur- und Bildungspolitik
Stand: November 2009
Bildung
Trotz erhöhter staatlicher Unterstützung des Bildungssektors in den letzten Jahren kann die staatliche Bildungspolitik mit der demographischen Entwicklung nicht Schritt halten. Die Einschulungs- und Alphabetisierungsrate Pakistans zählt weiterhin zu den niedrigsten der Welt. Offiziell besuchen circa 68 Prozent der schulpflichtigen Kinder eine Grundschule, von denen weniger als die Hälfte den Schulabschluss nach der 6. Klasse erreicht.
Bei der Alphabetisierungsrate (Personen ab 15 Jahre) rangiert Pakistan mit 49,9 Prozent in der Kategorie "Bildung und Schulbesuch" auf Platz 136 von 177 evaluierten Ländern (Human Development Report / Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/8). Der Staatshaushalt sah in den letzten Jahren für Erziehung und Bildung nur ca. 2% des BIP vor. Das schwache staatliche Schulwesen wird in Pakistan in weiten Teilen durch private Anbieter unterschiedlicher Qualität ergänzt. Privatschulen, die sich an die Mittelschicht oder Oberschicht richten, unterrichten meist auf Englisch und bieten neben dem pakistanischen Schulabschluss meist auch die britische Abschlüsse an. Die Gebühren der Privatschulen sind jedoch für den Großteil der Bevölkerung nicht erschwinglich. Private Schulen in Trägerschaft christlicher Kirchen haben sich in Pakistan nach der Verstaatlichung in den 70er Jahren und Wiederzulassung von Privatschulen Ende der 80er Jahre inzwischen wieder etablieren können. Daneben existieren in geringem Umfang auch Privatschulen, die von wohltätigen oder entwicklungsorientierten Organisationen finanziert werden.
So hat insbesondere das Aga Khan Development Network in Gilgit-Baltistan viel für den Schulaufbau und die Lehrerausbildung getan. Weitgehend unreguliert und daher parallel zum regulären Schulwesen gibt es ein breites Angebot an Religionsschulen (Madrassas), die besonders für Kinder aus den ärmeren Bevölkerungsschichten attraktiv sind, da sie zusätzlich zur kostenfreien Ausbildung meist auch Unterbringung und Verpflegung bieten. Häufig beschränken sich die Madrassas neben der Vermittlung des Lesens und Schreibens jedoch auf religiöse Inhalte. Pakistan beabsichtigt seit längerem, für Madrassas verbindliche Lehrpläne einzuführen, die ein Minimum an Grundbildung vermitteln sollen. Manche Madrassas haben durch ihre Rolle bei der radikal-islamischen Indoktrinierung oder Rekrutierung von Extremisten aus den Reihen der Schüler traurige Berühmtheit erlangt.
Die bildungspolitischen Fördermaßnahmen, die sich bislang auf die Konsolidierung des Schulwesens, Alphabetisierungskampagnen und die Verbesserung der Lehrerausbildung konzentrierten, sind um Maßnahmen zur Verbesserung der Hochschulen ergänzt worden. Seit Anfang 2003 stellt die pakistanische Higher Education Commission (HEC) eine zunehmende Anzahl von Regierungsstipendienprogrammen bereit, um vermehrt Nachwuchswissenschaftlern eine Promotion im Ausland zu ermöglichen. Mittelfristig soll dadurch der Anteil der pakistanischen Hochschuldozenten mit Promotion gesteigert werden. Aufgrund der Finanzkrise Pakistans ist die Auswahl neuer Stipendiaten allerdings im Herbst 2008 suspendiert worden.
Kultur und Religion
Konservative religiöse Kräfte stellen einen einflussreichen Faktor innerhalb der pakistanischen Gesellschaft dar. Für pakistanische Kulturschaffende erweist sich die Präsentation zeitgemäßer, moderner Kulturprogramme oftmals als eine Gratwanderung zwischen künstlerischem Ausdruck und Rücksichtnahme auf konservative Kräfte. Hier gibt es aber regionale, oft auch der politischen Lage geschuldete Unterschiede. So besteht in den Großstädten Karachi und Lahore wie auch in der Hauptstadt Islamabad ein durchaus ansehnliches Kulturangebot.
Die kulturellen Großveranstaltungen des Landes (das "Kara-Film Festival" in Karachi, das "World Performing Arts Festival" in Lahore und die größte Buchmesse des Landes ebenfalls in Lahore) haben in den vergangenen Jahren ein erhebliches qualitatives und quantitatives Wachstum erfahren und sind international anerkannt. Deutsche Filme und Künstlergruppen nehmen regelmäßig an den Festivals teil.
Etwa 96 Prozent der pakistanischen Bevölkerung bezeichneten sich in der Volkszählung 1998 als Muslime. Davon sind 90 Prozent Sunniten und 10 Prozent Schiiten (nach schiitischen Angaben allerdings 20 Prozent). Zudem leben in Pakistan geschätzte 2,8 Mio. Christen und über 3 Mio. Hindus. 750.000 Menschen bekennen sich zum Ismaili-Glauben, einer Richtung innerhalb des schiitischen Islams. Daneben gibt es bis zu einer Million Ahmadis im Land, die sich selber als Muslime verstehen, vom pakistanischen Staat aber per Gesetz als nicht-islamische Minderheit angesehen werden. Außerdem sind Sikhs, und Baha’i mit jeweils ca. 20.000 – 30.000 Anhängern, Parsis mit etwa 4000 Anhängern und einige Tausend Buddhisten vertreten. Die Verfassung Pakistans garantiert zwar die Religionsfreiheit, zahlreiche gesetzliche Bestimmungen schränken diese jedoch ein.
Islamische Religiösität ist in Pakistan traditionell stark von mystischen Strömungen (Sufismus) geprägt. Der Schreinkult und die Verehrung von sogenannten "Pirs" sind landesweit, vor allem aber in Punjab und Sindh, durch alle Bevölkerungsschichten unter Sunniten und Schiiten weit verbreitet. Diese Art der volkstümlichen Frömmigkeit wird allerdings von Gruppen, die einen strengen, wahhabitisch beeinflussten Islam propagieren, zunehmend bedrängt.
Hinweis
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