Österreich
Wirtschaft
Stand: September 2009
Wachstum
In Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Rezession inzwischen auch Österreich voll getroffen. Zwar reagierte Österreich rasch im Oktober mit einem 100 Mrd. Euro Bankenhilfepaket und zwei Konjunkturpaketen von rd. 2 Mrd. Euro; die Hilfe (die bisher erst von drei großen Banken, nicht von Regionalbanken in Anspruch genommen wurde) konnte aber nicht verhindern, dass das Wirtschaftswachstum vom IV. Quartal 2008 zum I. Quartal 2009 um 2,7% sank und auch im II. Quartal erneut um 0,5% ggü. dem I. Quartal zurückging. Auf Jahresbasis betrug der BIP Rückgang im I. und II. Quartal 4,6 bzw. 4,7%.
Für 2008 ergab sich eine reale Wirtschaftswachstumsrate von 1,8% (2007: 3,1%, 2006: 3,2%). Während Österreich noch 2007 problemlos die Maastricht-Kriterien erfüllte, wirkte sich die Finanz- und Wirtschaftskrise mit den dadurch erforderlichen Hilfsmaßnahmen auch für Österreich erschwerend aus. Regierung und Nationalbank gehen von einem öffentlichen Defizit von 0,4% des BIP für das Jahr 2008 aus.
Hauptsächlich aufgrund bereits aufgenommener Kredite für das Bankenhilfspaket (Größenordnung 2,5% des BIP) sowie Zusatzausgaben (9 Mrd. Euro) stieg die Staatsverschuldung in 2008 wieder auf 62,5% des BIP an (Tendenz weiter steigend).
Die Rendite für langfristiger staatlicher Schuldverschreibungen lagen in Österreich im August um 41 Basispunkte über denen für deutsche. Dies führte in Folge zu einer Diskussion über das Österreich-Rating der Rating-Agenturen. Das „Triple A“ der Ratingagentur S&P wurde jedoch bestätigt.
Preise
Die Inflationsrate wird von der Nationalbank mit 3,2% für 2008 ausgewiesen; der langfristige Zinssatz für Staatsschuldverschreibungen lag im August bei 3,74% (Deutschland: 3,33%).
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
3.,528 Mio. unselbständig Beschäftigte erfasste die Statistik im Jahresdurchschnitt 2008. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Beschäftigungszuwachs von 2,3%. Für 2009 wird hingegen mit einem deutlichen Rückgang der Beschäftigung gerechnet.
Im Jahresdurchschnitt 2008 waren 212.253 Personen arbeitslos. Damit lag die Quote der registrierten Arbeitslosigkeit bei 5,8%. Diese Quote wird im Laufe des Jahres 2009 vermutlich auf rund 6,6% ansteigen. Sie lag im 2. Quartal 2009 bei 6,7%.
Wettbewerbsfähigkeit
Die österreichische preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland ist seit dem EU-Beitritt 1995 durch niedrige Lohnerhöhungen, stetige Produktivitätszuwächse und die Einführung des Euro gewachsen. Die Lohnstückkosten in der Sachgütererzeugung sind in den Jahren 2002 bis 2007 um jährlich 1,3% zurückgegangen. Restriktive Arbeitsgesetze und der rasante Anstieg der Staatsschulden lassen allerdings zuletzt Österreich auf der Liste der wettbewerbsfähigsten Länder zurückfallen. An der Spitze steht die Schweiz vor den USA. Im jüngsten „Global Competitiveness Report“ des Weltwirtschaftsforums (WEF) verliert Österreich drei Plätze und landet auf dem 17. Rang. Hauptursachen für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit sind laut WEF die restriktive Regulierung des Arbeitsmarktes, Steuersätze und -gesetze, die „ineffiziente Bürokratie“ und eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten.
Außenwirtschaft
Die exportorientierte Industrie Österreichs konnte ihre Exporte 2008 nur noch um 2,5% steigern (nach plus 10,5% in 2007). Nach leichtem Plus im Vorjahr schloss die Handelsbilanz 2008 mit einem Saldo von minus 2,04 Mrd. Euro ab.
Einkommensverteilung
Die Realeinkommen gehen durch die Inflation merklich zurück. Trotz der höheren Lohnabschlüsse der Herbstlohnrunde 2008 (Pro-Kopf-Löhne brutto durchschnittlich 3,25%) gehen die Nettoreallöhne 2008 aufgrund der unerwartet hohen Inflation um 0,1% zurück. Für die unteren Einkommensgruppen sinken die Realeinkommen noch deutlicher, weil Energie und Nahrungsmittel einen überdurchschnittlichen Teil der Konsumausgaben ausmachen. Brutto-Realeinkommen pro Kopf 2007: plus 0,6%; 2008: minus 0,2%; Netto: 2007: plus 0,1%; 2008: minus 0,7%).
Der Index der Bruttolöhne und -gehälter in der Industrie auf der Basis 2005 erreichte im Jahresdurchschnitt 2008 113,3 Punkte und stieg damit gegenüber dem Jahr 2007 um 4,1%. Im Bau verzeichnete der Index für das Jahr 2008 112,3 Punkte, was einer Veränderung von +3,8% gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Öffentliche Haushalte
Während Österreich noch 2007 problemlos die Maastricht-Kriterien erfüllte, wirkte sich die Finanz- und Wirtschaftskrise mit den dadurch erforderlichen Hilfsmaßnahmen auch für Österreich erschwerend aus. Die Statistik weist ein öffentliches Defizit von 0,4% des BIP für das Jahr 2008 aus und für 2009 wird das Defizit vom Staatsschuldenausschuss (STA) auf 4,2% des BIP geschätzt . Hauptsächlich aufgrund bereits aufgenommener Kredite für das Bankenhilfspaket (Größenordnung 2,5% des BIP) sowie durch die beschlossenen Zusatzausgaben (9 Mrd. Euro) stieg die Staatsverschuldung in 2008 wieder auf 62,5% des BIP an. Besorgniserregend ist die weitere Entwicklung: Für 2009 schätzt der STA bereits einen Anstieg der Staatsverschuldung auf über 70% und der IWF schätzt die Verschuldungsquote weiter ansteigend bis auf 83% im Jahr 2014.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.