Österreich
Beziehungen zu Deutschland
Stand: September 2009
Die Beziehungen Österreichs zu Deutschland sind eng und freundschaftlich. Beide Staaten sind in allen Bereichen eng miteinander verknüpft. Nachbarschaft, Geschichte, Kultur und gemeinsame Sprache sowie die Mitgliedschaft in der EU ergeben unzählige Verbindungen und gemeinsame Interessen. Fast 138.000 Deutsche sind mit Erstwohnsitz in Österreich gemeldet, zusätzlich knapp 84.000 mit Nebenwohnsitz. 189.000 Österreicher leben in Deutschland. Jährlich besuchen über 10 Mio. deutsche Touristen Österreich und stellen mehr als 40% aller ausländischen Übernachtungen.
Politische Beziehungen
Deutschland und Österreich unterhalten als Nachbarn enge und vertrauensvolle Beziehungen. Dies gilt auch für ihre Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union. Das gute Einvernehmen beider Länder spiegelt sich unter anderem auch in hochrangigen politischen Kontakten und Treffen von Parlamentariern wider. Da sich in beiden Ländern eine Vielzahl ähnlicher politischer und sozialer Herausforderungen stellt, gilt den Vorgängen im jeweiligen Nachbarland gesteigerte Aufmerksamkeit.
Wirtschaftliche Beziehungen
Deutschland war auch 2008 mit Abstand wichtigster Wirtschaftspartner Österreichs mit einem Handelsvolumen von 82,9 Mrd. Euro (österr. Einfuhr: 48,1 Mrd., + 1,5%; österr. Ausfuhr: 34,8 Mrd., + 1,2% ggü. Vorjahr; 2007:Volumen 82 Mrd.), gefolgt von Italien mit 18 Mrd. Euro Handelsvolumen. Insgesamt gingen 2008 32% aller österreichischen Exporte nach Deutschland (so viel wie in die nächsten sechs Exportdestinationen zusammen), während deutsche Lieferungen ca. 40% des österreichischen Gesamtimportvolumens ausmachten. Im ersten Halbjahr 2009 gingen die deutschen Exporte nach Österreich um 13,4% zurück (ggü. gleichem Zeitraum des Vorjahrs). Auch die Einfuhr aus Österreich nahm etwa im gleichen Umfang ab (-14,7%). Erfreulich ist allerdings, dass die Rückgänge im bilateralen Handelsaustausch deutlich geringer sind als mit den übrigen EU-Ländern und auch weltweit. Beim Export beträgt die Differenz mehr als 10 Prozentpunkte. Entsprechend steigen auch die Anteile unserer Exporte und Importe, die auf Österreich entfallen (beim Export von 2008 8,3% auf 9,5% und bei den Importen von 7,0% auf 7,3% aller Lieferungen nach und aus den EU-Mitgliedsstaaten).
Wie schon seit Jahren ist die Handelsbilanz mit Deutschland defizitär. Auch bei den Dienstleistungen war Deutschland Haupthandelspartner (Export- und Importanteil jeweils 31%). Wichtigster Posten im bilateralen Dienstleistungsverkehr war für Österreich auch 2008 der Tourismus. Deutsche Touristen stellen die größte Besuchergruppe (Ankünfte: 10,2 Mio.; Übernachtungen: 50 Mio.) mit einem Anteil von 40% der Übernachtungen in Österreich. Im Dezember 2008 arbeiteten 75.718 deutsche Arbeitskräfte in Österreich, meistens im Fremdenverkehrsgewerbe.
Die Direktinvestitionen in Österreich beliefen sich Ende 2007 auf einen Gesamtstand von 108 Mrd. Euro (s. Tabelle), davon 27,2 Mrd. aus Deutschland (nach 24,2 Mrd. in 2006), gefolgt von Italien mit 23,3 Mrd. Euro (nach 19,2 Mrd. in 2006). Die deutschen Investitionen sicherten in Österreich 109.500 Arbeitsplätze. Von den 103 Mrd. Euro österreichische Direktinvestitionen entfallen 14,7 Mrd. Euro auf Deutschland (14,4% aller österr. Direktinvestitionen), gefolgt von Tschechien mit 7,6 Mrd. Euro. Die österreichischen Investitionen schaffen in Deutschland 49.600 Arbeitsplätze.
Kulturelle Beziehungen
Der deutsch-österreichische Kultur- und Wissenschaftsaustausch ist so intensiv und vielfältig wie mit keinem anderen Land. Zahlreiche deutsche Dirigenten, Orchester, Musiker, Sänger, Regisseure, Theaterdirektoren und Schauspieler arbeiten häufig in Österreich und umgekehrt. Gleiches gilt für Gastprofessuren und Vortragende. Berufungen erfolgen oft grenzüberschreitend. Kaum ein Tag vergeht, an dem im deutschen Fernsehen keine deutsch-österreichische Co-Produktion zu sehen ist. Im Sektor Kino sind die Erfolge der deutsch-österreichischen Zusammenarbeit offensichtlich. Beste Beispiele: Die Fälscher“ oder „Das weiße Band“.
Im Wintersemester 2008 studierten laut offizieller Statistik in Österreich 15.295 ordentliche Studierende aus Deutschland (von insgesamt 223.562 ord. Stud.), davon 944 an dessen renommierten Musik- und Kunstuniversitäten. An deutschen Universitäten und Fachhochschulen studierten im Wintersemester 2008 insgesamt 7.014 Österreicher. Prüfungszeugnisse werden gegenseitig anerkannt (Deutsch-Österreichisches Äquivalenzabkommen vom 13.06.2002, Abkommen über Gleichwertigkeiten in der beruflichen Bildung von 1990, EU-Anerkennungsrichtlinien).
Die Buchmärkte sind durch gemeinsame Sprache besonders eng verbunden. Zahlreiche österreichische Schriftsteller publizieren in deutschen Verlagen.
Für die Kulturbeziehungen engagieren sich in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft in Wien insbesondere die Österreichisch-Deutsche Kulturgesellschaft, die Wiener Goethe-Gesellschaft, die älteste Goethe-Gesellschaft überhaupt, sowie die Hebbel-Gesellschaft und die Beethoven-Gesellschaft. Das Goethe-Institut ist in Österreich nicht vertreten.
Die Medienmärkte sind eng verbunden: Genannt seien die Beteiligungen deutscher Verlage an österreichischen Medienunternehmen, Koproduktionen in Rundfunk, Fernsehen und Film sowie die Kooperation bei 3sat und Arte. Intensive wechselseitige Berichterstattung führt zu vielen Gemeinsamkeiten und Überschneidungen in der öffentlichen Diskussion politischer, wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Themen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.