Startseite

Springe direkt zu: Seiteninhalt:, Zusatzinformationen:, Hauptmenü, Servicemenü, Suche


Landesflagge Nigeria
Wirtschaft

Stand: November 2009

Wirtschaftslage und -struktur

Die wirtschaftliche Lage Nigerias hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas, verfügt über sehr große Öl- und Gasvorkommen, und die in den letzten Jahren eingeleiteten Reformen zeigen erste positive Resultate.

Weiterhin gelten allerdings folgende Herausforderungen:

  • Die weitgehende Abhängigkeit von Öleinnahmen (über 90 Prozent der Exporterlöse; 80 Prozent der staatlichen Einnahmen und rund ein Drittel des BIP) besteht fort.

  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt weiterhin in extremer Armut (weniger als 1 USD/Tag)

  • Die Unruhen im Nigerdelta führten zu eingeschränkten Öl- und Gasförderquoten und zu einer erheblichen Reduktion des Wirtschaftswachstums. Sie sind auch Grund für eine Verschlechterung der ohnehin unzureichenden inländischen Energieversorgung

  • Die Infrastruktur ist weiterhin mangelhaft und gilt als Haupthinderungsgrund für die wirtschaftliche Entwicklung.

Das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre war neben den Banken-, Telekommunikations- und Agrarsektoren auch auf die hohen Öleinnahmen zurückzuführen. Die Regierung legt Mehreinnahmen aus dem Ölexport auf ein Sonderkonto der Zentralbank fest, um damit eine stabilere Fiskalpolitik zu erzielen, einen Inflationsschub zu verhindern und Reserven für schlechtere Zeiten anzulegen.
Die Regierung Nigerias hat den Kampf gegen Korruption zu einem Ziel ihrer Wirtschaftspolitik erklärt. Durch die Einführung einer geordneten Verfahrens bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und die Schaffung größerer Transparenz bei den Einnahmen im Öl- und Gasgeschäft hat sie wichtige Schritte zu diesem Ziel eingeleitet. Eine weitere wichtige Maßnahme war die Einrichtung einer Economic and Financial Crimes Commission (EFCC) zur Bekämpfung von Korruption und Wirtschaftsverbrechen. Als Ergebnis der Bemühungen der EFCC wurde Nigeria 2006 aus der von der Financial Action Task Force der G8 geführten Liste der bei der Bekämpfung von Geldwäsche „nicht-kooperierenden Staaten“ gestrichen.

Im Januar 2006 erhielt Nigeria sein erstes Rating von Fitch und Standard and Poor’s: BB-; Standard & Poor's haben im August 2009 das Rating auf B+ zurückgesetzt

Haushalts- und Währungspolitik

Nigeria war trotz seiner Öleinnahmen über Jahrzehnte ein hochverschuldetes Land. Dies änderte sich, als im Frühjahr 2005 mit dem „Pariser Club“ der internationalen Gläubiger ein Schuldenerlass von rund 60 Prozent der 30 Mrd. USD Auslandsschulden ausgehandelt werden konnte. Nigerias externe Staatsverschuldung ist seitdem gering (Ende 2008 nur noch etwa 3,7 Mrd. USD). Die Bundesregierung Nigerias hat in den letzten Jahren solide Haushaltsfinanzierungen realisiert. Die Abhängigkeit von den Öleinnahmen bleibt aber hoch.

Die Arbeit der Zentralbank (CBN) hat sich stark verbessert und ist ein bedeutendes Element der jetzigen Verwaltung und des Reformprozesses. Die CBN hat unter anderem die Reform des Bankensektors geleitet, die Ende 2005 vollzogen wurde. Seitdem gibt es nur noch 24 Banken, von denen viele in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum zeigten und Nigeria nach Südafrika zum zweitwichtigsten Finanzplatz Subsahara-Afrikas machten.

Die Zentralbank griff 2009 auch massiv ein, als der Bankensektor in Folge der internationalen Krise in Schwierigkeiten geriet. Bisher gelang es, trotz erheblicher fauler Kredite – vor allem aus Inlandsgeschäften –, bei einzelnen Instituten einen Bankenzusammenbruch zu vermeiden.

Der Kurs der Währung ist nach einer stabilen Phase 2007-2008 zum Jahresende 2008 eingebrochen. Die Zentralbank intervenierte daraufhin, auch mit Restriktionen im Devisengeschäft, die bis Mitte 2009 in Kraft waren. Mittlerweile hat sich der Kurs wieder auf einem schwächeren Niveau stabilisiert (Zentralbankkurs Anfang Oktober 2009: 1 Euro = 215 Naira)

IDank der hohen Rohölpreise sind auch die Devisenreserven deutlich gestiegen und beliefen sich zwischenzeitlich (Stand Ende 2008) auf rund 50 Mrd. US-Dollar (im Vergleich: Mai 1999: 5 Mrd.). Aufgrund der Wirtschaftskrise sanken die Reserven 2009 wieder auf gut 43 Mrd. Dollar.

Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Ölproduktion ist und bleibt der wichtigste Wirtschaftszweig Nigerias und macht rund 35 Prozent des BIP aus. Die tägliche Fördermenge lag Ende 2008 aufgrund der Unruhen im Nigerdelta trotz einer vorhandenen Produktionskapazität von 3 Mio. Fass/Tag bei 2,1 Mio. Fass/Tag. 2009 sank die Produktion zeitweise sogar auf rund 1,4 Mio. Fass/Tag. Nach der Amnestie für die Militanten im Nigerdelta erholte sich die Förderung wieder und stieg auf über 2 Mio. Fass/Tag.

Die Regierung beabsichtigt, die seit 40 Jahren bestehende Praxis der Abfackelung des bei der Ölförderung anfallenden Erdgases zu beenden, die ursprüngliche Frist (Ende 2008) konnte aber nicht umgesetzt werden . Es ist eine erhebliche Ausweitung der Förderung von Gas und seiner Umwandlung zu Flüssiggas geplant. Eine Westafrika-Pipeline nach Ghana wurde gebaut, die den westafrikanischen Markt für nigerianisches Erdgas erschließen soll. Des Weiteren ist eine Trans-Sahara Pipeline über Niger nach Algerien geplant, um den europäischen Markt zu versorgen. Die Gaswirtschaft ist dabei, sich zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Nigeria zu entwickeln.

Der Reichtum Nigerias ist das Öl, doch über 60 Prozent der Nigerianer sind in der Landwirtschaft beschäftigt. In ländlichen Gegenden ist der Anteil über 90 Prozent. Über 95 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion kommt von kleinen Anbauflächen – in der Regel in Subsistenzwirtschaft – mit Größen von einem bis 5 Hektar. Der Agrarsektor macht ca. 40 Prozent des BIP aus. Das Wachstum des Sektors war in den letzten Jahren mit 7-8 Prozent überdurchschnittlich. Nigeria ist Afrikas größter Yam- und Augenbohnenproduzent und der weltweit größte Maniok (Kassava) Produzent. Nigeria ist mittlerweile viertgrößter Kakaoproduzent (Tendenz steigend) und auch die Maisproduktion wurde – durch Einwirken der Regierung - kräftig ausgeweitet.

Die Konsolidierung des Bankensektors ist das herausragende Beispiel für die Erfolge der Reformpolitik der letzten Jahre. Der Sektor ist einer der Wachstumsmotoren der nigerianischen Wirtschaft, leidet aber trotz relativ geringer Vernetzung mit dem Ausland unter den Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise.
Der Telekommunikationssektor ist der zweite Sektor, in dem die Reformpolitik zu raschen Erfolg geführt hat. Nigeria verfügt über rund 60 Mio. Telefonanschlüsse, fast ausschließlich Mobiltelefone. Mehrere private Anbieter teilen sich mit dem ehemaligen Staatsunternehmen Nitel den Markt.

Außenwirtschaft

Da Nigeria in erster Linie Rohöl exportiert, ist die Handelsbilanz stark von der Entwicklung des Ölpreises abhängig.

Deutschland exportierte 2008 Waren im Wert von knapp 1,25 Mrd. Euro nach Nigeria, dies entpricht einem Zuwachs um 16 Prozent. Der Wert von Deutschland importierter nigerianischer Produkte stieg – nach einen Rückgang um 35 Prozent im Jahr 2007 – um 96 Prozent auf fast 1,8 Mrd. Euro. Der Zuwachs der Exporte beruht vor allem auf höherer Einfuhr von Enderzeugnissen nach Nigeria, der Anstieg der Importe ist in erster Linie auf den starken Anstieg des Ölpreises und höhere Erdöleinfuhr nach Deutschland zurückzuführen.

Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Nigeria sind Maschinen, Fahrzeuge, chemische und elektrotechnische Produkte.

Deutschland steht  an vierter Stelle der Hauptlieferländer Nigerias und als Abnehmerland an vierzehnter Stelle (2008). Im deutschen Außenhandel liegt Nigeria bei den Ausfuhren an 62., bei den Einfuhren an 45. Stelle (2008).



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Aktuelles

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Abuja
Christina Jöckle
Tel.: (00234) 9/413 0962

Fax: (00234) 9/413 0949 eMail
www.abuja.diplo.de

Außenstelle Lagos
Gk Walter von den Driesch

Tel.: (002341) 280 9966,-67
Fax: (002341) 280 9968 info@lagos.diplo.de
eMail
www.abuja.diplo.de

Nützliche Links



Für diese Seite:


Impressum © 1995-2010 Auswärtiges Amt