Nigeria
Kultur- und Bildungspolitik, Medien
Stand: November 2009
Kultur zwischen Tradition und Moderne
Die Kulturgeschichte der auf dem Gebiet von Nigeria lebenden Völker lässt sich über 2000 Jahre zurückverfolgen. Das traditionelle Erbe lebt vor allem in den ländlichen Regionen in zahlreichen Festen, in Tänzen und in der Musik der verschiedenen ethnischen Gruppen fort. Seit einigen Jahren besinnt man sich verstärkt dieser traditionellen Kulturformen und fördert deren Entfaltung.
Parallel hat sich in den Städten und an den Universitäten eine lebendige, moderne Kulturszene entwickelt, die in der darstellenden Kunst und Literatur im Vergleich zu den anderen schwarzafrikanischen Staaten hervorsteht. Chinua Achebe schuf mit dem Roman "Things Fall Apart" vor 50 Jahren den internationalen Klassiker über den Wandel der traditionellen afrikanischen Gesellschaft unter dem Einfluss der modernen Welt. Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, der Maler Twin Seven Seven und der verstorbene Afrobeatmusiker Fela Kuti begeistern heute weltweit. Die literarische Bearbeitung des Biafra-Krieges "Half of a Yellow Sun" der jungen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie wurde auch in Deutschland hoch gelobt. Viele profilierte nigerianische Künstler leben zumindest zeitweise im Ausland (besonders USA und Großbritannien).
Die Filmindustrie Nigerias boomt im Bereich der Low-Budget-Homevideofilme. "Nollywood" (geprägt nach dem Begriff für die indische Filmindustrie "Bollywood") produziert rund 1200 Filme pro Jahr für den westafrikanischen Markt und erreicht ein Millionenpublikum. Während diese Filmszene mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Nigeria ist, sind Theater und Konzertbetrieb kaum professionell organisiert.
Unbestrittenes kulturelles Zentrum des Landes ist weiterhin die alte Hauptstadt und Wirtschaftsmetropole Lagos. Die südliche Region Nigerias ist deutlich stärker von westlicher bzw. internationaler Kultur geprägt als die nördlichen, traditionell muslimischen Landesteile.
Im Bereich der Kunst und Literatur gibt es wenig staatliche Förderung, so dass Theateraufführungen und Konzerte in aller Regel der Privatinitiative bedürfen und oft auf finanzielle Förderung ausländischer Institutionen angewiesen sind. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land wird das auch in den Großstädten begrenzte kulturelle Angebot bis auf wenige Ausnahmen (Straßentheater und Musik) faktisch nur von einer kleinen Schicht der Bevölkerung wahrgenommen.
Ein vernachlässigtes Bildungssystem
Das moderne Bildungssystem Nigerias wurde von den Briten während der Kolonialzeit eingeführt und ist immer noch an Großbritannien orientiert. Bildung, möglichst ein Hochschulabschluss, wird auch weiterhin als Voraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg in den Beruf gesehen.
Trotz zahlreicher Universitäten, Schulen und anderer Einrichtungen bestehen weiterhin große Defizite im Bildungswesen. Mitverantwortlich dafür sind mangelhafte Investitionen in diesen Sektor. Nur an wenigen öffentlichen Schulen wird angemessener Unterricht erteilt, Die Mehrzahl befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Nur etwa die Hälfte der Kinder im Schulalter besuchen eine Schule, allerdings garantiert der Abschluss einer öffentlichen Schule nicht den Erwerb von Grundfähigkeiten wie sicherem Schreiben und Lesen. Wohlhabende Nigerianer schicken ihre Kinder zur Ausbildung ins Ausland.
Fremdsprachenunterricht spielt höchstens in den Privatschulen eine Rolle. Für die meisten Kinder, vor allem auf dem Land, ist nach der lokalen Sprache (z.B. Yoruba, Hausa oder Igbo) bereits die Amtssprache Englisch die erste Fremdsprache. Deutsch wird an wenigen nigerianischen Schulen unterrichtet. An drei Universitäten kann der Bachelor of Arts in Germanistik erworben werden.
Medien
Die nigerianischen Medien sind die vielfältigsten in Afrika und unterliegen grundsätzlich keinen Beschränkungen. Zahlreiche private Zeitungen und zunehmend auch private Fernsehsender tragen wesentlich dazu bei, dass alle politischen Fragen des Landes offen diskutiert werden können. Qualität und Wirkungskreis von Presse und Medien werden allerdings durch schwierige Rahmenbedingungen beeinträchtigt. Zeitungen werden in vielen abgelegenen Gebieten nicht zeitnah vertrieben. Die technische Einrichtung vor allem der dominanten staatlichen nigerianischen Fernseh- und Rundfunkanstalten ist veraltet. Viele Radiosender beschränken sich aus Kostengründen darauf, internationale oder regionale Popmusik zu spielen. Auf kritische Darstellungen zu Religionsthemen verzichten die Medien weitgehend, im Blick auf die erheblichen Sensibilitäten in der nigerianischen Gesellschaft.
Lange Zeit waren beliebte internationale Sender wie die Deutsche Welle oder der BBC World Service täglich über örtliche Sender zu empfangen, doch die zunehmend strenge Umsetzung gesetzlicher Einschränkungen haben zu einem Rückgang beim so genannten Re-Broadcasting geführt. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen wird eine zunehmende Zahl von Radiolizenzen durch Privatsender beantragt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.