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Landesflagge Niederlande
Kultur- und Bildungspolitik

Stand: Oktober 2009

Bildungspolitik

Der Etat des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft (Ministerie van Onderwijs, Cultuur en Wetenschap) ist der größte Einzelposten im Gesamthaushalt. Damit kommt die Bedeutung zum Ausdruck, die die nld. Regierung gerade der Bildungspolitik zumisst. Das Ministerium verfügt im Haushaltsjahr 2009 über 35,1 Mrd. Euro (2008: 32,6 Mrd. Euro); u. a. primäre, sekundäre und tertiäre Bildungsbereiche rund 19 Mrd. Euro (2008: 25 Mrd.), Wissenschaft und Forschung 1,1 Mrd. Euro (2008: 991 Mio. Euro), und Kultur und Medien 1,8 Mrd. Euro (2008: 1,8 Mrd.Euro); insgesamt 2,5 Mrd. Euro mehr als im Haushaltsjahr 2008.

Im Haushaltsjahr 2009 stehen für den Primarschulbereich rund 9,1 Mrd., den Sekundarschulbereich 6,5 Mrd., das Berufsschulwesen rund 3,27 Mrd., Fachhochschulen 2,23 Mrd. und Hochschulen 3,6 Mrd. Euro zur Verfügung. Hinzu kommen noch die Personal- und Sachkosten für den Bildungsbereich sowie die Darlehen, die Studenten zur Finanzierung des Studiums gewährt werden.

Bestimmendes Merkmal des Bildungssystems ist die grundgesetzlich verankerte Bildungsfreiheit einerseits, die zentrale Steuerung durch das zuständige Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur andererseits. Es besteht das Recht, aufgrund religiöser, weltanschaulicher oder pädagogischer Überzeugungen Schulen einzurichten. Dementsprechend ist die Stellung von Schulen mit autonomer Trägerschaft sehr stark: Im Primarbereich sind es rund 67 Prozent der Schulen, im Sekundarbereich rund 59 Prozent der Schulen.

Die Verbesserung der Unterrichtsqualität unter dem Motto „In Qualität investieren“ ist seit 2009 zentrales Element der Bildungspolitik, in der „Qualitätsagenda 2008 bis 2011“ wurden die wichtigsten Ziele für den sekundären Bildungsbereich formuliert: Modernisierung der Bildungsverwaltung und des Schulwesens, Steigerung der Effektivität und Wirtschaftlichkeit, Verringerung der Kosten, Erhöhung der Autonomie und Eigenverantwortung der bildungspolitischen Akteure

Dem Bildungsministerium obliegt die allgemeine Aufsichts- und Steuerungsfunktion. Es legt die Qualitätsmaßstäbe sowie die Kernziele der Bildungspolitik fest, während die Schulen (fusioniert in regionalen Schulgemeinschaften) relativ große Freiheit bei der Lehrplangestaltung und Mittelverwendung haben. Dies gilt auch für den Hochschulbereich.

Das niederländische Bildungssystem gliedert sich wie folgt:

  • Primarunterricht 4.-12. Lebensjahr (basisonderwijs)
  • Sekundarunterricht 12.-18. Lebensjahr (volle Schulpflicht bis 16, ab 2007 bis 18 Jahre für Jugendliche, die keine Ausbildung abgeschlossen haben) als berufsbildender (VMBO), allgemeinbildender (HAVO) und vorwissenschaftlicher bzw. gymnasialer (VWO) Unterricht
  • tertiärer Unterricht (Regelstudienzeit!) an Fachhochschulen (HBO) und Universitäten (WO), 18.-22. Lebensjahr

Erklärung der Abkürzungen:

Voorbereidend Middelbaar Beroepsonderwijs (VMBO) = Mittlerer allg.-bildender und berufsvorbereitender Sekundarunterricht
Middelbaar Beroepsonderwijs (MBO) = Berufsbildender Sekundarbereich II
Hoger Algemeen Voortgezet Onderwijs (HAVO) = Höherer allgemeinbildender Sekundarunterricht
Voorbereidender Wetenschappelijk Onderwijs (VWO) = Studienvorbereitender Sekundarunterricht

Hochschulwesen

Im niederländischen Hochschulwesen unterscheidet man zwei Arten von Einrichtungen: die wissenschaftlichen Hochschulen bzw. Universitäten (WO: wetenschappelijk onderwijs – universiteit) und die berufsbildenden Fachhochschulen (HBO: hoger beroepsonderwijs – hogeschool). Es gibt 14 Universitäten und 44 staatlich geförderte Fachhochschulen sowie zahlreiche private Bildungseinrichtungen und eine Fernuniversität. Darüber hinaus werden im Rahmen so genannter Internationaler Studien (IO – internationaal onderwijs) Kurse und Studiengänge in englischer Sprache angeboten.

2008 waren insgesamt 601.883 Studenten an Universitäten (220.347) und Fachhochschulen (383.696) eingeschrieben . 2008 kamen 155.979 Studenten aus dem Ausland, davon studierten 59.227 an staatlichen Universitäten und 97.373 an den staatlichen Fachhochschulen. Deutsche Studenten stellen die größte Gruppe (19.750) ausländischer Studierender in den Niederlanden, gefolgt von China mit 5.000 Studenten.

Die Studienabschlüsse (Bachelor, Master, PhD) orientieren sich seit 2002 an den im Bologna-Prozess vereinbarten neuen Strukturen für Studiengänge. Ein Punktsystem (ECTS-creditsystem) ist Gradmesser für Qualifikation und Studienfortschritt und entscheidet, je nach Studiengang, über die Zulassung zu Zwischen- und Abschlussprüfungen. Derzeit schließen jährlich rund 90.500 Studenten erfolgreich ihr Studium ab. An staatlichen Hoch- und Fachhochschulen beträgt die Basisstudiengebühr rund 1.565 Euro pro Studienjahr.

Für die Zusammenarbeit von Hochschuleinrichtungen auf nationaler und internationaler Ebene ist die Hochschulorganisation NUFFIC zuständig, die aus Mitteln des Bildungs- und des Außenministeriums finanziert wird. In den Niederlanden und Flandern obliegt die Prüfung und Anerkennung in- und ausländischer Studiengänge und Abschlüsse sowie die Qualitätsprüfung der Fachhochschulen und Universitäten der Akkreditierungsorganisation NVAO, einer bilateralen Einrichtung der niederländischen und flämischen Bildungsbehörden.

Weitere Informationen zum Hochschulsystem der Niederlande sind beim DAAD und bei NUFFIC erhältlich.www.daad.de www.nuffic.nl www.studyin.nl

Wissenschaft und Forschung

Wichtige Bereiche der niederländischen Wissenschafts- und Technologiepolitik sind die Genforschung, die Nanotechnologie und die Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT). Die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) in den Niederlanden beliefen sich 2006 auf 1,71 Prozent des BIP; 2007 auf 1,70 Prozent.

Forschungsinstitutionen werden unterteilt in Universitäten, öffentliche Forschungsinstitute und Unternehmen, die den privaten Sektor der Forschung bilden. Die 14 Universitäten sind für 26,8 Prozent der Forschung in den Niederlanden verantwortlich. Die öffentlichen Forschungsinstitute führen 13,4 Prozent der Forschung aus. Große Unternehmen sind für 59,8 Prozent der Forschung verantwortlich.

Fremdsprachenunterricht

Englisch dominiert in Schule, Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichem Leben. Analog zu europaweit beobachteten Entwicklungen und stark beeinflusst durch zwei große Bildungsreformen in den 60er und 90er Jahren gab es in den Niederlanden einen Rückgang bei Zweit- und Drittfremdsprachen, vor allem bei Deutsch und Französisch.

Das niederländische Gesetz vom 01.08.2007 zur Neuausrichtung der Sekundarstufe II beeinträchtigte die Stellung der deutschen Sprache ebenfalls. Deutsch war (wie auch Französisch) in der Sekundarstufe II nicht mehr für alle Schüler Pflichtfach.

Inzwischen ist die Nachfrage nach Deutschunterricht wieder gewachsen, auch im Berufsbildungsbereich.

Im Hochschulbereich gibt es einen Zuwachs bei den Germanistikstudenten und den Lehramtsstudenten an Fachhochschulen. Die Zahl der Studenten, die studienbegleitend Deutsch lernen, ist ebenfalls gestiegen. Dies ist jedoch noch nicht ausreichend, um langfristig den Bedarf an Fach- und Nachwuchskräften mit guten Deutschkenntnissen zu sichern. Die Bedeutung der deutschen Sprache ist nicht zuletzt aufgrund der wichtigen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden groß. Es werden stets Arbeitskräfte mit guten Deutschkenntnissen gesucht. Deutschland und die Niederlande fördern daher im Rahmen ihrer intensiven Zusammenarbeit das Erlernen von Deutsch und die Ausbildung von Deutschlehrern mit einer Vielzahl von Programmen.

Kulturpolitik

Anfang 2008 wurde die niederländische Kulturpolitik neu ausgerichtet. Sie orientiert sich seitdem an bestimmten Zielen (Exzellenz und Innovation) und wurde auf eine breitere Basis gestellt (Partizipation). Ein Teil des Kulturhaushalts (insgesamt rund 917 Mio. Euro) fließt unmittelbar an bestimmte Kultureinrichtungen wie das Concertgebouw Orchester in Amsterdam, der andere Teil an insgesamt acht Kulturfonds, die niederländische Kultureinrichtungen und deren Aktivitäten unterstützen. Bei den Fonds handelt es sich um den Nederlands Fonds voor de Podiumskunsten (ein neuer „Superfonds“ für Musik, Festivals, Tanz, Tanztheater, Theater), den Programmafonds Cultuurparticipatie (für die Bereiche Amateurkunst und Kulturerziehung), den Fonds Beeldende Kunst, Vormgeving en Bouwkunst (Fonds für Bildende Kunst, Gestaltung und Baukunst), den Nederlands Literatuur Productie- en Vertalingenfonds (fördert u.a. Übersetzungen ins Niederländische und aus dem Niederländischen), der Fonds voor de Letteren (Literatur-Fonds), die Mondriaanstichting (international agierender Fonds für u.a. Bildende Kunst), den Stimuleringsfonds voor Architectuur und den Nederlands Fonds voor de Film.

Kulturelles Leben

Das kulturelle Leben in den Niederlanden wird einerseits geprägt durch traditionelle Einrichtungen bildender und angewandter Kunst, andererseits durch die moderne Szene der Randstad und Migrantenkulturen. Die Niederlande haben auf dem Gebiet von Kunst und Kultur viel zu bieten: Weltberühmte Museen, ein breites Musikspektrum und ein reges Theaterleben mit viel Raum für Experimente und neue Stilrichtungen sowie zahlreiche internationale Festivals.

Mit fast 1000 Museen haben die Niederlande die größte Museumsdichte der Welt. Es gibt eine Vielzahl international bekannter Museen und Sammlungen (Rijksmuseum, Stedelijk Museum, Van Gogh-Museum und Rembrandt-Haus in Amsterdam, Gemeentemuseum und Mauritshuis in Den Haag, Museum Boymans-van-Beuningen in Rotterdam, Kröller-Müller-Museum in Otterlo, Cobra-Museum in Amstelveen, Bonnefantenmuseum in Maastricht). Groß angelegte thematische Veranstaltungen und Festivals ziehen viele ausländische Besucher an.

Die niederländische Malerei blickt auf eine lange Tradition zurück. Maler wie Rembrandt, Frans Hals, Vermeer, van Gogh und Piet Mondriaan sind weltberühmt. Die bekanntesten Nachkriegsmaler sind Karel Appel und Corneille, die der Cobra-Gruppe ange­hörten und noch immer aktiv sind. Andere bekannte Gegenwartskünstler sind Ger van Elk, Rob Scholte und Armando, der sich in den 80er Jahren Berlin niedergelassen hat.

Starkes, auch für Deutschland interessantes kulturelles Potential gibt es insbesondere in den Bereichen Architektur (progressive Architektenszene um Rem Kohlhaas, Jo Coenen, Pi de Bruyn, Aldo van Eyck), Design (Niederländisches Designinstitut in Amsterdam), Tanz (Nederlands Dance Theater) und vor allem Literatur: In Deutschland ist das Interesse für Werke nieder­ländischer Autoren in den letzten 15 Jahren ständig gewachsen, die Werke niederländischer Schriftsteller wie: Willem Frederik Hermans, Harry Mulisch, Hella Haasse, Cees Noteboom, Adriaan van Dis, Maarten `t Hart, Arnold Grunberg, Margriet de Moor, Anna Enquist oder Gert Mak erfreuen sich großer Beliebtheit.

Über 50.000 Gebäude und sonstige Objekte in den Niederlanden stehen unter Denkmalschutz. Acht Monumente sind von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden.



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