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Landesflagge Niederlande
Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2009

Politische Beziehungen

Die staatlichen und nichtstaatlichen Beziehungen sind vielgestaltig, eng und freundschaftlich. Belastungen aus der Vergangenheit sind zwar nicht vergessen, sind jedoch durch das gewachsene Bemühen um gegenseitiges Verständnis, durch hochrangige gegenseitige Besuche sowie durch vielfältige Kontakte von Regierungsmitgliedern und Parlamentariern beider Länder und die enge Zusammenarbeit im Grenzgebiet wesentlich abgebaut worden. Deutschland ist für die Niederlande politisch wie wirtschaftlich einer der wichtigsten Partner, auf dessen Rat und Verständnis man vertraut und dem man bei der Wahrnehmung europäischer Interessen im Bündnis und beim Voranbringen der Europäischen Union eine maßgebliche Rolle zumisst.

Diese Auffassung spiegelt sich auch in der besonders engen sicherheitspolitischen Kooperation wieder, die ihr Symbol in dem seit über 10 Jahren bestehenden Deutsch-Niederländischen Korps in Münster findet. Darüber hinaus gibt es ein vielfältiges und stets dichter werdendes Beziehungsnetz zwischen den Streitkräften beider Länder in den Bereichen Ausbildung, Ausrüstung und bei gemeinsamen Auslandseinsätzen.

Die zweijährliche deutsch-niederländische Konferenz widmet sich Themen von gemeinsamem Interesse und wirkt damit auch im gesellschaftspolitischen Bereich zum besseren gegenseitigen Verständnis.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Unterhalb der gesamtstaatlichen Ebene spielt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit insbesondere in den fünf so genannten Euregios (Euregio Maas-Rhein mit Sitz in Eupen; Euregio Rhein-Maas-Nord mit Sitz in Mönchengladbach; Euregio Rhein-Waal mit Sitz in Kleve; EUREGIO mit Sitz in Gronau und Ems-Dollart-Region mit Sitz in Nieuweschans) sowie im grenzüberschreitenden regionalen Kooperationsverbund (Neue Hanse Interregio mit Sitz in Oldenburg) eine wichtige Rolle. Die Euregios sowie die NHI sind freiwillige Zusammenschlüsse von öffentlich–rechtlichen Organen in der deutsch-niederländischen Grenzregion, wobei insbesondere Gebietskörperschaften und teils auch Handelskammern eine wichtige Rolle spielen. Insgesamt weist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im kulturellen und wirtschaftlichen Bereich beachtliche Erfolge auf.

Auch auf dem Gebiet der Sicherheit (Polizei, Katastrophenhilfe, Rettungsdienste, Feuerwehren, Gesundheitswesen, Drogenbekämpfung usw.) konnten durch verbesserte und vermehrte Zusammenarbeit zwischen deutschen und niederländischen Stellen erhebliche Fortschritte erzielt werden.

Wirtschaftsbeziehungen

Nach Ansicht von Fachleuten sind lediglich die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen den USA und Kanada intensiver als diejenigen zwischen Deutschland und den Niederlanden. Dies findet auch seinen Niederschlag im Außenhandel. Der deutsch-niederländische Außenhandel belief sich 2008 auf insgesamt 154,4 Mrd. Euro und liegt damit über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Die Ausfuhren nach Deutschland betrugen dabei 89 Mrd. Euro; die Einfuhren dagegen nur 65,4 Mrd. Euro. Die niederländischen Ausfuhren nach Deutschland belaufen sich auf rund ein Viertel der niederländischen Gesamtausfuhr. Deutschland bleibt damit weiterhin der wichtigste Absatzmarkt für die niederländische Wirtschaft. Nach Frankreich waren die Niederlande 2008 wieder wichtigster Handelspartner von Deutschland. Die größten Posten im bilateralen Handel sind dabei Industrieerzeugnisse und landwirtschaftliche Produkte.

Besondere Bedeutung für Deutschland hat der Rotterdamer Hafen, der sich nicht ungern international als "größter deutscher Hafen" vermarktet. Durch Rotterdam sind die Niederlande das "Tor" Deutschlands (und Europas) für den Handelsverkehr mit Asien.

Kulturbeziehungen

Die deutsch-niederländischen Bildungs- und Kulturbeziehungen sind sehr eng, sie umfassen alle Bereiche (Bildende Kunst, Musik, Theater, Tanz, Literatur, Film usw.) und bewegen sich auf hohem Niveau. Vertragliche Basis ist das Kulturabkommen vom 27. August 1961. Die 1993 unterzeichnete Gemeinsame Erklärung über Bildungszusammenarbeit wurde 2001 fortgeschrieben. Ferner gibt es bilaterale Vereinbarungen auf der Ebene der Bundesländer. Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind wichtige Partner in der kulturellen und bildungspolitischen Zusammenarbeit mit den Niederlanden. Auch bestehen Verbindungen nach Bremen – sowie aus historischen Gründen – (durch das Haus Oranien-Nassau) mit Brandenburg.

Die Zusammenarbeit im Kultur- und Bildungsbereich weist große Erfolge auf: Enge Kooperation von Hochschulen, Schulen und Berufsbildungszentren; Austausch von Wissenschaftlern, Lehrern, Schülern, Studenten und Auszubildenden; Kooperationen von Museen, Stiftungen und anderen Kultureinrichtungen. Einmal jährlich tagt der Deutsch-Niederländische Ausschuss für den Pädagogischen Austausch abwechselnd in Deutschland und den Niederlanden. Beide Länder fördern die Sprache des Nachbarlandes, insbesondere im grenznahen Bereich. Darüber hinaus werden Schulpartnerschaften, Jugend- und Studentenaustauschprogramme und die Zusammenarbeit im Berufsbildungsbereich unterstützt. Die Euregio-Gremien leisten hierbei einen wichtigen Beitrag.

Im universitären Bereich (besonders auf Instituts- und Fachbereichsebene) und außeruniversitären Forschungsbereich (Max-Planck-Institute, Helmholtz-Gesellschaften, Fraunhofer-Institut, Akademien) bestehen rund 570 Kooperationsvereinbarungen.

Die Niederlande sind in der internationalen Kulturförderung sehr aktiv. In Amsterdam sind Dachorganisationen, Netzwerke und Stiftungen ansässig: u.a. ECF – European Cultural Foundation, EUNIC – EU European Union National Institutes for Culture; SICA - Stichting Culturele Activiteiten). Der Literaturfonds (Fonds voor de Letteren) und der Nederlands Literatuur Productie- en Vertalingsfonds unterstützen die niederländische Literatur im Ausland. Diese Förderung hat wesentlich zum Erfolg niederländischer Autoren in Deutschland und anderen europäischen Ländern beigetragen. Die Stiftung Buma Cultuur fördert niederländische Musik und Musiker im Ausland, das Nationaal Pop Instituut/Fontys Rockakademie das internationale Marketing der niederländischen Rock- und Popmusik. Das Theater Instituut Nederland fördert Theater- und Tanzvorstellungen niederländischer Ensembles auch im Ausland.

1980 gründeten die Niederlande und Flandern die "Nederlandse Taalunie" (Niederländische Sprachunion). Diese Organisation, die ihren Sitz 2008 von Den Haag nach Brüssel verlegt hat, ist für die Sprachpolitik im eigenen Sprachraum und die Förderung des Niederländischen in der Welt zuständig. Niederländisch ist die Muttersprache von über 22 Mio. Niederländern und Flamen. Darüber hinaus sprechen im Nordwesten Frankreichs 60.000 Menschen einen niederländischen Dialekt. Auch auf den Niederländischen Antillen, Aruba und in Surinam wird Niederländisch gesprochen.

Zwischen den Kultureinrichtungen und Veranstaltern beider Länder besteht überwiegend Direktkontakt. Ein Großteil des Austausches findet auf kommerzieller, institutioneller und privater Ebene statt; öffentliche Förderung ist dabei in hohem Maße eingebunden. Drei deutsch-niederländische Kulturstiftungen (Deutsche Bibliothek Den Haag, Genootschap Nederland-Duitsland, Stichting Cultuur & Kommunikation)widmen sich, zum Teil bereits seit über 50 Jahren, der Pflege der bilateralen Kulturbeziehungen durch Autorenlesungen, Musik- und Vortragsveranstaltungen, Diskussionsabende sowie Filmpräsentationen.

Schaufenster der kulturellen Darstellung vor Ort ist das Goethe-Institut Niederlande mit Instituten in Amsterdam und Rotterdam www.goethe.de/rotterdam www.goethe.de/amsterdam



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