Nauru
Wirtschaft
Stand: Oktober 2009
Früherer Reichtum durch Phosphatabbau
Nauru ist eine der drei großen Phosphatinseln im Pazifik. Die Phosphatlager nahmen einst fast drei Viertel der gesamten Inselfläche ein. Abbau und Export des Phosphates bildeten über viele Jahrzehnte praktisch die einzige Einnahmequelle des Inselstaates. Der Reinheitsgrad des Phosphatgesteins ist mit 84-91% der höchste der Welt. Abbau und Vermarktung werden von der 1970 gegründeten staatlichen "Nauru Phosphate Corporation" durchgeführt. Die Gesellschaft bestimmt das gesamte Wirtschaftsleben Naurus. Sie führt Infrastrukturmaßnahmen durch, errichtet Wohnbauten und gemeinnützige Einrichtungen, zahlt Pacht und Entschädigungsleistungen an die Bevölkerung und ist der einzige nennenswerte Arbeitgeber. Die Beschäftigten der Minen, fast ausschließlich Gastarbeiter aus den umliegenden Inselstaaten und den Philippinen, machen etwa 40% der Inselbevölkerung aus.
Die Erlöse aus Dividenden der Phosphatindustrie erbrachten noch Ende der achtziger Jahre - bei Produktionsraten von bis zu 2 Mio. Tonnen Rohphosphat jährlich - Einnahmen in der Größenordnung von etwa 56 Mio. Euro. Damit lag das Pro-Kopf-Einkommen der Nauruer bis Anfang der 90er Jahre an der Spitze der Pazifikstaaten; bis in die achtziger Jahre hinein galt es als einer der reichsten Staaten der Welt. Die Einnahmen aus dem Phosphatexport wurden im Ausland in einer Reihe von Investmentfonds und in Immobilien (vor allem in Australien und den Pazifikstaaten) angelegt. So wurde beispielsweise in Melbourne der fünfzigstöckige Nauru Tower errichtet, der mehr Menschen Platz bietet als Nauru Einwohner hat. Seit den neunziger Jahren führten jedoch drastische Einbrüche im Phosphatgeschäft sowie verheerende Misserfolge bei der Verwaltung und Investition der hohen Exporteinnahmen zu einem beispiellosen wirtschaftlichen Niedergang. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt inzwischen ähnlich niedrig wie bei den umliegenden Pazifikstaaten. Die Phosphatproduktion soll 2001-2002 nur noch 162.000 Tonnen betragen haben.
Umweltschäden durch den Phosphatabbau
Der jahrzehntelange Phosphatabbau hat zu großen, mitunter irreversiblen Umweltschäden geführt. Die Oberfläche der Insel gleicht streckenweise einer unbewohnbaren Mondlandschaft aus Geröll und abgestorbenem Korallengestein. Versuche, die brachliegenden Gebiete mit fruchtbarem, importiertem Erdreich wieder nutzbar zu machen, mussten aus finanziellen Gründen wieder aufgegeben werden. Nach Ende des Phosphatabbaus wird die Insel voraussichtlich nur in einem 150 bis 300 Meter breiten Küstenstreifen bewohnbar sein. Nachdem Nauru die frühere Mandatsmacht Australien im August 1993 vor dem Internationalen Gerichtshof wegen der Umweltschäden auf Schadensersatz verklagt hatte, schlossen die beiden Länder einen Vergleich. Dieser beinhaltete die Einrichtung eines Treuhandfonds und Entschädigungszahlungen in Höhe von ca. 60 Mio. Euro. Ein bilaterales Abkommen über Rehabilitierungsmaßnahmen, die sich über 20-25 Jahre erstrecken könnten, wurde 1999 geschlossen.
Aktuelle Wirtschaftslage und Bemühungen zur Diversifizierung der Wirtschaft
Genauere Angaben über die verbleibenden gewinnbaren Phosphatreserven werden von der Regierung nicht gemacht; auch andere Wirtschaftsdaten sind kaum zu bekommen. Eine Schätzung der Asiatischen Entwicklungsbank vom September 2005 geht von etwa 1,5 Millionen Tonnen Phosphatvorräten aus. Sicher hingegen erscheint, dass die Phosphatförderung in den nächsten Jahren nur dann in nennenswertem Umfang fortgeführt werden kann, wenn hierfür moderne technologische Voraussetzungen geschaffen werden. Ob sich die diesbezüglichen Hoffnungen der nauruischen Regierung erfüllen werden, ist ungewiss.
Um eine völlige Zahlungsunfähigkeit des Staates zu verhindern, hat die Regierung Scotty zu drastischen Maßnahmen gegriffen. So wird im gesamten öffentlichen Dienst des Landes bis hoch zum Präsidenten nur noch ein bescheidenes Einheitssalär gezahlt. Experten aus Australien und dem Pazifik-Insel-Forum beraten die Regierung dabei, die Staatsfinanzen mittelfristig wieder zu konsolidieren. Daneben hält Nauru verstärkt nach ausländischen Gebern Ausschau. Diesem Zweck diente unter anderem ein Gebertreffen im November 2005, bei dem die Regierung ihre Nachhaltigkeitsstrategie für den Zeitraum 2005-2025 vorstellte.
Nauru ist vollständig von Importen abhängig, die überwiegend aus Australien kommen. Importiert werden nicht nur Konsumgüter und Lebensmittel, sondern auch ein Teil des benötigten Süßwassers. Mittlerweile werden verstärkt Versuche unternommen, die Binnenwirtschaft zu diversifizieren. Dies geschieht wegen der reichen Fischbestände insbesondere durch den Verkauf von Fischereilizenzen an China, Japan, Südkorea, Taiwan und die USA, der damit zur wichtigen Einnahmequelle geworden ist. Das Land selbst verfügt über keine kommerzielle Fangflotte.
Nachdem in den neunziger Jahren die Erlöse aus dem Phosphatexport drastisch zurückgegangen waren, versuchte sich Nauru auch als eine Basis für das "Offshore-Banking" zu etablieren. Bald jedoch mehrten sich Vorwürfe, dass in Nauru Anlagebetrug und Geldwäsche in großem Stil betrieben werde. Die "Financial Action Task Force on Money Laundering" (FATF) der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verhängte daraufhin im Dezember 2001 gegen Nauru als ersten Staat überhaupt Sanktionen, weil es auch nach entsprechender Aufforderung versäumt habe, geeignete Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung zu ergreifen. Als Reaktion hierauf hat Nauru Mitte 2003 sämtliche Offshore-Banklizenzen widerrufen, und die FATF-Sanktionen wurden im Oktober 2004 zurück genommen. Im Oktober 2005 wurde das Land auch wieder von der "Schwarzen Liste" der Geldwäscheoasen gestrichen. Bereits im Dezember 2003 war das Land von der Liste der unkooperativen Steueroasen gestrichen worden, auf die Nauru von der OECD zwischenzeitlich gesetzt worden war.
Wichtigste Abnehmer nauruischer Exporte sind nach australischen Angaben (2005) Südafrika, Indien und Kanada; wichtigste Lieferländer sind Australien, die USA und Deutschland.
Die in der Boomphase der nauruischen Wirtschaft gegründete Fluggesellschaft Air Nauru (im Oktober 2006 umbenannt in "Our Airline") verfügt lediglich über eine einzige Maschine. Hoffnungen, Nauru zum Drehkreuz für den Flugverkehr in der Region auszubauen, haben sich nicht erfüllt.
Der Staatshaushalt Naurus basiert derzeit wesentlich auf vor allem australischer Entwicklungshilfe. Australien, das seit einigen Jahren ein Flüchtlingslager in Nauru unterhält, wird dieses voraussichtlich in Kürze schließen. Derzeit noch unklar, ob und in welcher Höhe nach Schließung des Lagers australische Entwicklungshilfe für den Inselstaat zur Verfügung stehen wird.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.