Namibia
Wirtschaft
Stand: März 2009
Grundlagen
Namibia ist ein Land mit sehr geringer Bevölkerungsdichte. Es verfügt über einen großen Reichtum an Bodenschätzen (Diamanten, Uran, Kupfer, Zink), Fisch- und Viehbeständen sowie über ein beträchtliches Potential für den Tourismus. Über die Hälfte des Volkseinkommens wird im Dienstleistungssektor (Banken, Tourismus, Telekommunikation, Staat) erwirtschaftet, ein Viertel in den Primärindustrien Landwirtschaft, Fischerei und Bergbau, aber lediglich ein Fünftel in der verarbeitenden Industrie. Die Wirtschaftsstruktur ist damit geprägt durch eine „unvollendete Transformation“: Gemessen am Entwicklungsstand des Landes ist der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten noch sehr hoch (ca. ein Viertel aller Erwerbspersonen, darunter viele Subsistenzbauern) und der Beitrag des sekundären Sektors zur Gesamtproduktion zu schwach ausgeprägt. Genau dessen Ausbau und Diversifizierung ist daher strategisches Ziel der namibischen Regierung: mittelfristig, um neue Arbeitsplätze zu schaffen (strukturelle Unterbeschäftigung derzeit über 30 Prozent!); langfristig, um dem Risiko vorzubeugen, dass mit der absehbaren Erschöpfung der natürlichen Ressourcen auch der Entwicklungsprozess des Landes abbrechen könnte.
Wirtschaftsstruktur
Die wichtigsten Stärken der namibischen Volkswirtschaft liegen in der stabilitätsorientierten Geld- und Fiskalpolitik (1:1-Bindung des namibischen Dollar an den südafrikanischen Rand, Staatsschuld unter 25 Prozent des BIP), in hoher politischer Stabilität und Rechtssicherheit sowie in einer nach afrikanischen Maßstäben gut entwickelten Infrastruktur (Telekommunikation, Verkehrswege, Seeanbindung).
Als relative Schwächen erscheinen demgegenüber: geringe Arbeitsproduktivität breiter Bevölkerungsschichten als Folge fehlender Bildung/Qualifikation sowie der hohen HIV/AIDS-Prävalenz; hohe Transportkosten in einem Binnenmarkt mit einer kleinen Zahl kaufkräftiger Marktteilnehmer sowie künftige Unwägbarkeiten bei der Energieversorgung, die mangels nationaler Kapazitäten vor allem auf Lieferverträgen Namibias mit fünf Nachbarstaaten beruht. Besonders ausgeprägt, auch im globalen Maßstab, ist die Ungleichheit der Einkommensverteilung (Gini-Index über 0,6).
Außenwirtschaft
Namibia ist ein sehr stark außenwirtschaftlich verflochtenes Land (Exportquote 50 Prozent, Importquote 55 Prozent). Neben Bodenschätzen werden hauptsächlich Fisch- und Fleischprodukte exportiert. Etwa ein Viertel der Exporte geht in Länder der SACU (Zollunion im südlichen Afrika). Wichtigste Zielländer neben Südafrika sind Großbritannien, Spanien, Deutschland und Japan. Ursprungsland der weitaus meisten Importe ist Südafrika. Eingeführt werden hauptsächlich Kraftfahrzeuge, Maschinen, Erdöl und Erdölerzeugnisse sowie Nahrungsmittel. Ausdruck der engen Verflechtung mit Südafrika ist auch die starke Präsenz südafrikanischer Unternehmen (Banken, Versicherungen) im Dienstleistungssektor Namibias.
Gesamtwirtschaftliche Situation
Infolge des globalen Anstiegs der Lebensmittel- und Energiepreise kam es 2008 in Namibia zu einem starken Inflationsschub (über 10 Prozent), der sich erst im letzten Quartal etwas abschwächte, nachdem das Land von den ersten Ausläufern des globalen Nachfragerückgangs erreicht wurde. Dieser wiederum verlangsamte etwa seit der Jahresmitte das Wirtschaftswachstum, das über mehrere Jahre lang um fünf Prozent gelegen hatte. 2008 wuchs das BIP real noch um 2,9 Prozent; im laufenden Jahr voraussichtlich nur noch um zwei Prozent. Im Bergbausektor ist es bereits zu ersten Bergwerksschließungen und Entlassungswellen gekommen. Die Regierung reagiert auf die Krise mit einer drastischen Kehrtwende in der Fiskalpolitik. Sie hat in den letzten Jahren Budgetüberschüsse erzielt (2007: +4,5 Prozent des BIP!) und die Staatsschuld weit unter den selbst gesetzten Grenzwert von 25 Prozent des BIP heruntergefahren, so dass sie nun Spielraum für eine expansive Ausgabenpolitik hat, um den Einbruch der Exportnachfrage möglichst auszugleichen (2008: Defizit von 5,7 Prozent des BIP). Allerdings scheint dieser Spielraum zeitlich begrenzt, denn die Krise wird außer den Steuern absehbar noch zwei weitere wichtige Einnahmequellen des Staates treffen: die SACU-Zolleinnahmen und die „Royalties“ (Direkteinnahmen aus dem Diamantenverkauf).
Quellen für Zahlenangaben und nähere Informationen: IWF, gtai
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.