Namibia
Beziehungen zu Deutschland
Stand: März 2009
Politische Beziehungen
Seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 haben sich freundschaftliche und umfassende Beziehungen zwischen beiden Ländern entwickelt. Richtungweisend für diese positive Entwicklung ist die Namibia-Entschließung des Deutschen Bundestags von 1989, in der die Bundesregierung aufgefordert wird, mit dem unabhängigen Namibia eine Sonderbeziehung zu entwickeln und zu pflegen. Damit wurde der besonderen Verantwortung Deutschlands für seine koloniale Vergangenheit ebenso Rechnung getragen wie dem Engagement der Bundesregierung und zahlreicher Kreise der deutschen Bevölkerung für die Unabhängigkeit des Landes. In einer weiteren Namibia-Entschließung vom Juni 2004 gedachte der Bundestag der Opfer des Kolonialkrieges und bekräftigte seinen Willen, die guten bilateralen Beziehungen zu Namibia zu vertiefen.
Das deutsch-namibische Sonderverhältnis wird durch die Vielzahl der gegenseitigen hochrangigen Besuche verdeutlicht. Herauszuheben sind die Besuche von Bundeskanzler Kohl (1994), von Bundespräsident Herzog (1998) in Namibia sowie die Besuche von Staatspräsident Nujoma in Deutschland (1996 und 2002) und der Staatsbesuch von Präsident Pohamba Ende 2005. In den letzten Jahren besuchten Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (April 2003) und Außenminister Fischer (Oktober 2003) Namibia. Die Bundesministerin Wieczorek-Zeul nahm als Vertreterin der Bundesregierung im August 2004 an den zentralen Gedenkfeierlichkeiten zum 100. Jahrestag des Beginns des Kolonialkrieges teil.
Aber auch auf Länder- und kommunaler Ebene gibt es rege Kontakte. Beispiele hierfür sind die Partnerschaft zwischen dem Land Bremen und Namibia sowie die Städtepartnerschaften Windhuks mit Berlin, Bremen und Trossingen. Bemerkenswert sind auch die intensiven Kontakte zwischen Parlamentariern, kirchlichen Gruppen, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaftlern beider Länder.
Die Bundesregierung ist entschlossen, die besondere Partnerschaft und Freundschaft zwischen beiden Ländern und Völkern nach Kräften zu stärken.
Wirtschaftsbeziehungen
Beide Seiten wünschen einen Ausbau der quantitativ bislang bescheidenen Wirtschaftsbeziehungen. Das finanzielle Volumen des deutsch-namibischen Handels belief sich 2008 auf 112 Mio Euro. Davon waren 77 Mio Euro Ausfuhr von Deutschland nach Namibia und 35 Mio Euro Einfuhr aus Namibia nach Deutschland. Hauptkomponenten des bilateralen Handels sind bei der Ausfuhr nach Namibia: Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse, Kraftfahrzeuge, Nahrungsmittel. Aus Namibia werden nach Deutschland vor allem Fleisch- und Wurstwaren, Rohkupfer und Kupferlegierungen sowie Chromerze eingeführt.
Die nach der Unabhängigkeit erhofften umfangreichen Investitionen aus Deutschland waren bisher ausgeblieben. Im Januar 2009 erfolgte jedoch die Grundsteinlegung für ein Großprojekt des deutschen Unternehmens Schwenk: die Errichtung eines neuen Zementwerks in Otavi im nördlichen Zentralnamibia, das mit einer Produktionskapazität von 700.000 Tonnen pro Jahr den gesamten Markt des südllichen Afrika wird versorgen können (Investitionsvolumen über 200 Millionen Euro). Größeres Investitionsinteresse richtet sich daneben auch auf den Tourismussektor. Ein Investitionsförderungsvertrag sowie ein Doppelbesteuerungsabkommen sind in Kraft. Ausgaben deutscher Touristen (ca. 70.000 pro Jahr), Entwicklungszusammenarbeit sowie Direktinvestitionen führen zu einem positiven Zahlungsbilanzsaldo zugunsten Namibias.
Entwicklungszusammenarbeit
Die intensive entwicklungspolitische Zusammenarbeit ist ein besonderer Schwerpunkt des bilateralen Verhältnisses. Deutschland ist das wichtigste Geberland. Pro Kopf der Bevölkerung erhält Namibia die höchste deutsche Entwicklungshilfe in ganz Afrika. Kennzeichnend für das deutsche Engagement ist nicht nur die staatliche Entwicklungshilfe, sondern eine Vielfalt privater Initiativen und Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen (NRO). Deutsche staatliche und private Hilfe seit der Unabhängigkeit beläuft sich inzwischen auf über eine halbe Milliarde Euro.
Die Bundesrepublik Deutschland hat ihre entwicklungspolitische Zusammenarbeit (EZ) mit Namibia unmittelbar nach der Unabhängigkeit des Landes im Jahre 1990 aufgenommen und spielte dabei im Rahmen der internationalen Gebergemeinschaft von Anfang an eine führende Rolle.
Ziel bleibt es, die Regierung in ihrem Bemühen zu unterstützen, die Ungleichheiten, die die namibische Gesellschaft als Folge von Kolonialismus und Apartheid noch heute prägen und die ihren Ausdruck in weitverbreiteter Armut und hoher Arbeitslosigkeit finden, zu beseitigen und die Regierung in ihrer Politik der nationalen Versöhnung zu unterstützen. Das dramatische Ausmaß der HIV/AIDS-Epidemie stellt Namibia vor eine neue große Herausforderung und bedarf auch im Rahmen der deutsch-namibischen Entwicklungszusammenarbeit besonderer Aufmerksamkeit.
Die demokratische und rechtsstaatliche Grundausrichtung Namibias verbunden mit einer marktwirtschaftlichen Orientierung befindet sich im Einklang mit den Vergabekriterien der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Die Schwerpunkte der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Namibia liegen in folgenden drei Bereichen:
- Ländliche Entwicklung und Schutz natürlicher Ressourcen
- Straßentransport
- Wirtschaftsförderung
Daneben wird der Förderung von Guter Regierungsführung und Gleichberechtigung, sowie der Prävention von HIV/AIDS bei allen Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit Rechnung getragen.
Das Gesamtvolumen aller deutschen Zusagen an Namibia bis Ende 2007 beträgt mehr als 500 Mio. Euro (davon Finanzielle Zusammenarbeit ca. 188 Mio. Euro, Technische Zusammenarbeit ca. 111 Mio. Euro). Die letzten Zusage für die beiden Jahre 2007/2008 belief sich auf insgesamt 40 Mio. Euro. Sie wurde im Juli 2008 durch eine Zusage für eine Stromübertragungsleitung in Höhe von 35 Mio. Euro ergänzt. Zusätzlich zur bilateralen EZ stellt Deutschland über die nächsten drei bis fünf Jahre insgesamt 20 Mio. Euro für die Namibia-Initiative („special initiative“) zur Verfügung. Darüber hinaus leistet Deutschland indirekt als maßgeblicher Finanzier der Gemeinschaftshilfe der EU sowie der multilateralen Entwicklungsorganisationen weitere finanzielle Unterstützung.
Kultureller Austausch
Die Kulturbeziehungen sind lebendig und vielfältig. Die kleine, aber wirtschaftlich bedeutsame Minderheitsgruppe deutschsprachiger Namibier (ca. 20.000) spielt dabei eine wichtige Rolle.
Grundlage des deutschen kulturellen Engagements in Namibia ist das 1991 abgeschlossene Kulturabkommen. Es umfasst Maßnahmen in den Bereichen Wissenschaft und Hochschulen, Sprachförderung, Medien, Filme, Literatur und Sport.
Herzstück der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik in Namibia ist die Förderung der deutschen Auslandsschule, der Deutschen Höheren Privatschule Windhoek (DHPS), einer bilingualen Begegnungsschule mit über 1.000 Schülerinnen und Schülern aus Namibia, Deutschland und weiteren Nationen. Die DHPS begeht in diesem Jahr ihr 100jähriges Bestehen.
Seit 1990 besteht die Namibisch-Deutsche Stiftung für kulturelle Zusammenarbeit (NaDS). Im Dezember 1999 wurde eine Kooperationsvereinbarung mit dem Goethe-Institut unterzeichnet. Im Frühjahr 2004 wurde die Einrichtung des Goethe Zentrums in Windhuk realisiert.
An der 1992 gegründeten University of Namibia (UNAM) lehrt ein DAAD-Dozent (Deutsch als Fremdsprache). Mit deutschen Universitäten (Bremen, Bochum, Humboldt Universität Berlin) und dem Max-Planck Institut für Kernphysik in Heidelberg besteht eine Zusammenarbeit. Auch das Polytechnic von Namibia kooperiert mit Fachhochschulen in Deutschland (Braunschweig, Jena, Kiel, Reutlingen, Wolfenbüttel, Lübeck).
Die Stellung der deutschen Sprache in Namibia ist weiterhin stark. Als Geschäftssprache (u.a. in den Bereichen Handwerk, Dienstleistungen und Tourismus) und im kulturellen Sektor spielt sie eine wichtige Rolle. Die täglich erscheinende "Allgemeine Zeitung" mit einer Auflage von ca. 5.600 Exemplaren ist das Sprachrohr der Deutschsprachigen. Die große Mehrheit der deutsch sprechenden Namibier ist innerhalb des Dachverbandes Deutscher Kulturrat organisiert, der die kulturellen Interessen der Minderheit vertritt. Im Radio werden täglich 15 Stunden deutschsprachiges Programm vom NBC übertragen.
An rund 30 Schulen werden etwa 5.600 Schüler in Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Deutsch als Muttersprache wird an der DHPS und an verschiedenen Privat- und Regierungsschulen unterrichtet.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.