Myanmar
Wirtschaftspolitik
Stand: November 2009
Wirtschaftsstruktur
Myanmar ist ein ressourcenreiches Land mit ca. 55 Millionen Einwohnern (UNFPA- Schätzung 2006) an der Schnittstelle zwischen China, Indien und Südostasien. Das wirtschaftliche Potenzial Myanmars ist enorm. Es verfügt über große Erdgasvorräte, Hölzer, Kupfer, Edelsteine und andere Rohstoffe sowie über große Wasserkraftreserven und umfangreiche landwirtschaftliche Nutzflächen. Seit 1988 hat Myanmar ein marktwirtschaftlich orientiertes Wirtschaftssystem, nachdem der Versuch, eine eigene burmesische Variante der Planwirtschaft einzuführen, gescheitert war. Heute sind circa 70% der Unternehmen und Betriebe (vor allem kleinere und mittlere Dienstleistungsbetriebe) in Privatbesitz, 30% (insbesondere Großbetriebe in der Produktion) sind immer noch Staatsbetriebe, die oft defizitär arbeiten. Nach wie vor ist die myanmarische Wirtschaft ganz überwiegend agrarisch geprägt. Der Anteil des Agrarsektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei ca. 42%. Rund zwei Drittel aller Beschäftigten sind in der Landwirtschaft tätig. Demgegenüber trägt die verarbeitende Industrie lediglich etwa 14% zum BIP bei, auf Handel und Dienstleistungen entfallen circa 37%.
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Die derzeitig Weltwirtschaftskrise wirkt sich auch auf Myanmar aus. Aufgrund der relativ niedrigen Außenhandelsverflechtung ist Myanmar jedoch insgesamt weniger stark betroffen als z.B. Thailand. Die Wirtschaft Myanmars bleibt dennoch anfällig für externe Schocks, Missernten und Energieengpässe. Hinzu kommt eine übermäßige Reglementierung des Wirtschaftslebens durch die Regierung. 2008 wurde nach Schätzungen internationaler Beobachter ein reales Wachstum von ca. 0,9% erzielt. Das reale Pro-Kopf-Einkommen des Landes wird auf jährlich etwa 334 US-Dollar geschätzt. Die Inflationsrate ist gegenüber dem Vorjahr stark rückläufig (Schätzung für 2009: 8,4%). Eine Arbeitslosenzahl wird von der Regierung nicht ermittelt. Der Anteil der Unterbeschäftigten wird auf mindestens ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung geschätzt. Tagelöhnertum ist weit verbreitet. Die Bevölkerung ist insbesondere in den ländlichen Gebieten von Armut betroffen.
Die myanmarische Regierung veröffentlicht kaum Daten zum Staatshaushalt. Der Internationale Währungsfonds zählt jedoch hohe Haushaltsdefizite seit Jahren zu den Strukturproblemen des Landes. Die staatlichen Ausgaben legen einen deutlichen Schwerpunkt auf den militärischen Bereich. Der Anteil des BIP, den der Staat für Bildung und Gesundheit aufwendet, gehört zu den niedrigsten der Welt (1,3% bzw. 0,3%).
Die Auslandsverschuldung Myanmars wird für 2009 auf ca. 7,4 Milliarden US-Dollar geschätzt. Kredite der Asiatischen Entwicklungsbank, der Weltbank und u.a. auch der Kreditanstalt für Wiederaufbau werden derzeit nicht bedient. Der Zugang Myanmars zu internationalem Kapital ist äußerst beschränkt. Das Land erhält keine Unterstützung von den Internationalen Finanzinstitutionen und keine nennenswerte Entwicklungshilfe. Auch internationale Wirtschaftssanktionen, die aufgrund der innenpolitischen und menschenrechtlichen Lage gegen Myanmar verhängt wurden, wirken sich auf die Wirtschaftslage aus.
Außenhandel und ausländische Investitionen
In den letzten Jahren wies Myanmar dank stetig steigender Einnahmen aus dem Gasexport steigende Handeslbilanzüberschüsse auf. 2009/2010 dürften diese Überschüsse allerdings aufgrund der Weltwirtschaftskrise zurückgehen. Hauptimportgüter sind Kraftstoffe und Maschinen, daneben Stoffe für die Textilwirtschaft, Stahl, Konsumgüter und Pharmazeutika. Exportiert werden neben Erdgas hauptsächlich Agrarprodukte (insbes. Bohnen und Hülsenfrüchte), Hölzer, Edelsteine, Bekleidung und Fischereiprodukte. Dagegen ist die Dienstleistungsbilanz chronisch defizitär. Tourismus, potentiell ein Devisenbringer, ist im Winter 2009/2010 erstmals seit drei Jahren wieder im Aufwind. Inzwischen kommem zwei Drittel aller Besucher aus Asien. Der Anteil europäischer Besucher sank in den letzten Jahren und beträgt derzeit nur noch knapp 20%. Die wichtigsten Handelspartner Myanmars sind Thailand, Singapur, China, Indien, Japan und Malaysia. Mehr als 70% der myanmarischen Exporte gehen in die asiatische Region, und etwa 90% der Importe kommen aus asiatischen Ländern.
Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen nach Myanmar hat sich im letzten Fiskaljahr 2008/2009 laut Regierungsstatistiken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 172.7 auf 984.9 Mrd USD mehr als versechsfacht. China hatte mit 87% des Gesamtvolumens den Löwenanteil an dieser Steigerung. Chinesische Firmen sind mit über 90 Investitionsprojekten hauptssächlich im Energie- und Bergbausektor aktiv (Förderung von Edelsteinen, Gold und Nickel). Wichtigstes Projekt im Energiesektor ist der Bau von Pipelines, die Öl und Gas von der Küste Myanmars bis zur chinesischen Provinz Yunnan transportieren sollen. Ziel ist u.a., die Abhängigkeit Chinas von der Strasse von Malakka zu reduzieren, durch die derzeit noch über 70% der chinesischen Öl- und Gasimporte transportiert werden. Daneben haben Russland und Vietnam ebenfalls insgesamt 114 Mrd. USD im Öl- und Gassektor neu investiert. Außerhalb des Bergbau- und Energiesektors finden schon seit Jahren praktisch keine ausländischen Investitionen statt. Die Erschließung der neuen Offshore-Gasfelder im Golf von Bengalen sowie Neuinvestitionen im Infrastruktur- und Wasserkraftbereich dürfen in den nächsten Jahren weitere substantielle Auslandsinvestitionen nach sich ziehen. Den größten Anteil am bisherigen Investitionsbestand Myanmars hatten laut myanmarischen Daten bisher Thailand, Singapur und Großbritannien.
Umweltfragen
Myanmar gilt als das Land mit der größten biologischen Vielfalt an Tieren und Pflanzen in Südostasien. Insbesondere ist Myanmar für seine Teakholzbestände berühmt. Mangelnder Schutz von Wäldern, die Ausdehnung von landwirtschaftlichen Nutzflächen, übermäßiger kommerzieller Holzeinschlag und der illegale Handel mit Tropenhölzern in die Nachbarländer bedrohen jedoch den Fortbestand der Primärwälder. In letzter Zeit scheint sich der Raubbau durch das Einschreiten der Regierungen Myanmars und Chinas verringert. Myanmar ist Signatarstaat des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt vom 05. Juni 1992 sowie des Internationalen Protokolls über die Biologische Sicherheit ("Cartagena Protocol"). Myanmar, das nach Einschätzung der deutschen Umweltorganisation Germanwatch eines der am meisten vom Klimawandel betroffenen Länder ist, will sich an der COP 15 in Kopenhagen im Dezember 2009 hochrangig beteiligen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.