Myanmar
Beziehungen zwischen Myanmar und Deutschland
Stand: März 2010
Politische Beziehungen
Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Myanmar waren bis zur Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988 eng, wesentlich getragen vom starken entwicklungspolitischen Engagement der Bundesrepublik. Der Staatsbesuch von Bundespräsident von Weizsäcker im Februar 1986 und der Gegenbesuch von Präsident San Yu Ende Oktober 1987 in Deutschland waren Höhepunkte im gegenseitigen Verhältnis. Die DDR unterhielt enge politische Beziehungen zur damaligen sozialistischen Militärregierung Birmas.
Die politischen Ereignisse vom August 1988 und die seitdem in Myanmar zu verzeichnenden Menschenrechtsverletzungen, die in der blutigen Niederschlagung der Massenproteste im September 2007 kulminierten, beeinträchtigen die deutsch-myanmarischen Beziehungen erheblich. So verhängte die Europäische Union erstmals 1990 restriktive Maßnahmen, die seit 1996 in ihrem Gemeinsamen Standpunkt zu Myanmar zusammengefasst sind. Dazu zählen unter anderem die Suspendierung der staatlichen bilateralen Entwicklungszusammenarbeit (EZ), die Aussetzung des bereits im Grundsatz beschlossenen Schuldenerlasses, das Einfrieren der Auslandskonten myanmarischer Entscheidungsträger, Finanzsanktionen gegen bestimmte militäreigene Firmen, die Unterbindung hochrangiger politischer Kontakte und das Verbot der Ausfuhr von militärischen Gütern und anderen Waren, die sich für die Unterdrückung der Menschen eignen könnten. Ferner verhängte die EU visabeschränkende Maßnahmen gegen die führenden Vertreter der Militärregierung und gegen weitere Personen, die von der politischen Lage profitieren. Diese Sanktionen wurden im November 2007 und nach Verurteilung der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi im August 2009 erneut verschärft.
Deutschland und seine Partner in der EU bemühen sich im Interesse einer Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen gleichwohl um einen kritischen Dialog mit der myanmarischen Regierung. Zudem ermöglicht der Gemeinsame Standpunkt der EU humanitäre Hilfe für die Not leidende Bevölkerung in Myanmar.
Wirtschaftliche Beziehungen
Die Entwicklung der deutsch-myanmarischen Wirtschaftsbeziehungen wird durch die ungünstigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen gehemmt. Die Handelsbeziehungen zwischen Myanmar und Deutschland bewegen sich auf niedrigem Niveau. 2009 lieferte Deutschland Waren im Wert von circa 37,6 Millionen Euro nach Myanmar, die Importe aus Myanmar beliefen sich auf circa 58,7 Millionen Euro. Die Schwerpunkte bei den ausgeführten Waren sind Bekleidung und Holzprodukte, bei den Importen Maschinen, chemische Produkte, Kunststoffe und Fahrzeugtechnik. Der akkumulierte Bestand der deutschen Direktinvestitionen in Myanmar liegt bei lediglich etwa 15 Millionen US-Dollar. In den letzten Jahren gab es keine bekannten Neuinvestitionen deutscher Unternehmen in Myanmar. Ebenso gibt es keine Hermes-Garantien für Geschäfte mit Myanmar. Die jüngsten Sanktionsverschärfungen der EU schränken den bilateralen Handel weiter spürbar ein.
Entwicklungspolitische Zusammenarbeit und Humanitäre Hilfe
In Übereinstimmung mit dem Gemeinsamen Standpunkt der EU ist die Entwicklungszusammenarbeit im wesentlichen auf Projekte der humanitären Hilfe und auf die Vergabe von Stipendien in entwicklungsrelevanten Fächern beschränkt. So unterstützt Deutschland derzeit Projekte in den Bereichen Armutsbekämpfung, Substitution von Drogenanbau, Gesundheit und Bildung mit jährlich etwa vier bis fünf Millionen Euro. 2009 betrug die deutsche Hilfe circa vier Millionen Euro. 2008 hatte die Unterstützung in Folge der Ausweitung der humanitären Hilfe wegen des Zyklons "Nargis" circa acht Millionen Euro betragen.
Kulturelle Zusammenarbeit
Wichtigster Aspekt der kulturellen Zusammenarbeit ist derzeit die Förderung des deutsch-myanmarischen Wissenschaftsaustausches. Im Vordergrund steht die Vermittlung von Stipendien sowie die Unterstützung von Hochschulkooperationen. In entwicklungsrelevanten Fächern vergeben verschiedene deutsche Institutionen in Myanmar Postgraduiertenstipendien. Pro Jahr reisen circa 15 bis 25 myanmarische Wissenschaftler zu Studien- und Forschungsaufenthalten nach Deutschland. Gegenwärtig bestehen acht Kooperationsabkommen deutscher mit myanmarischen Hochschulen.
Immer wieder werden Projekte der darstellenden und der bildenden Kunst unterstützt. Wichtigste Initiative ist das alljährlich mit den EU-Partnern Frankreich, Italien und Großbritannien gemeinsam organisierte Europäische Filmfestival in Rangun. 2009 fanden darüber hinaus zahlreiche Konzertaufführungen und Workshops deutscher Musiker in Myanmar statt (einschließlich elektronische Musik im Rahmen eines Digit.art-Forums zusammen mit der Alliance Francaise). Zum zwanzigjährigen Jubiläum des Fall der Mauers 2009 wurde eine umfangreiche Ausstellung historischer Pressefotos in Rangun ausgerichtet. Die Bundesregierung hat zudem Maßnahmen des Kulturerhalts (Restaurierung historischer Bauten in Bagan) gefördert.
Deutsch wird in Myanmar – mit Unterstützung der deutschen Botschaft - lediglich an den beiden Deutschfakultäten der Fremdsprachenuniversitäten in Rangun und Mandalay gelehrt und von circa 1.500 Myanmaren gesprochen. Seit August 2009 unterstützt ein DAAD-Lektor die Fremdsprachenuniversität in Rangun. Abgesehen vom Dienstleistungssektor Tourismus bieten sich allerdings für Myanmarer kaum Gelegenheiten, deutsche Sprachkenntnisse anzuwenden.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.