Mexiko
Wirtschaft
Stand: November 2009
Überblick
Mit einem BIP von 1098 Mrd. USD im Jahr 2008 verzeichnete Mexiko die zweitgrößte Wirtschaftsleistung Lateinamerikas (2. größte Bevölkerung, 3. größtes Territorium der Region). Als „upper middle income“ country steht Mexiko an dreizehnter Stelle der größten Volkswirtschaften der Erde und ist zwölftgrößte Handelsnation bei einem Pro-Kopf-Einkommen in Höhe von 10.198 USD. Zusätzlich ist Mexiko der sechstgrößte Erdölproduzent und ebenfalls die Nummer 6 unter den Öl exportierenden Staaten der Welt. Die mexikanische Volkswirtschaft erwirtschaftet ihr BIP schwerpunktmäßig in den Bereichen: Dienstleistungen, industrielle Produktion, Bergbau und Landwirtschaft.
Mexiko ist als Schwellenland gleichzeitig Mitglied der OECD, eine Tatsache, die Mexikos Selbstverständnis als Industrienation unterstreicht. Grundsätzlich herrscht nach innen und außen ein offenes Wettbewerbssystem vor. Verfassungsrechtliche Investitionsbeschränkungen bestehen jedoch in der weitgehend staatlich und monopolistisch organisierten Energiewirtschaft (Erdöl, Elektrizität, Erdgasförderung).
Mexikos Wirtschaft wird von einigen großen Unternehmen dominiert. Zunächst sind als Monopolisten der staatliche Erdölgigant Petróleos Mexicanos (Pemex) und die CFE (Comisión Federal de Electricidad) als größter Stromproduzent Lateinamerikas zu nennen. Ferner sind Namen wie Telmex (Telekommunikation), Cemex (international, über Readymix auch in Deutschland engagierter Zementhersteller), Banamex (größte Privatbank, zur Citigroup gehörend), Televisa und TV-Azteca (Radio und TV), Femsa und Grupo Modelo (Getränke, u.a. Corona-Bier), Grupo Bimbo (Lebensmittel) oder Industrias Peñoles (Bergbau, insbes. Silber) über die Grenzen Mexikos hinaus bekannt. All diese Unternehmen zeichnen sich durch den Einfluss privater Großinvestoren aus.
Beschränkungen des Kapitalverkehrs oder wesentliche Handelshemmnisse bestehen nicht. Mexiko ist durch ein beachtliches System von Freihandelsabkommen weltweit außenwirtschaftspolitisch vernetzt, darunter EU, USA und Japan.
Außenhandel
Die mexikanischen Exporte entfallen vor allem auf Industrieerzeugnisse, auf Rohöl und Raffinerieprodukte sowie auf landwirtschaftliche Produkte. Dabei ist die Abhängigkeit von den USA weiterhin ungebrochen. Im Rahmen von NAFTA wickelt Mexiko rund 80% seines Außenhandels mit den Vereinigten Staaten ab. Die konjunkturelle Entwicklung der USA bestimmt also stark das mexikanische Wachstum.
Die wichtigsten Handelspartner Mexikos waren 2008 nach den USA in der genannten Reihenfolge China, Japan, Südkorea, Deutschland und Kanada.
Armutsentwicklung
Die ökonomische Leistungsfähigkeit des Landes verteilt sich recht ungleichmäßig zwischen den 31 Bundesstaaten und dem Bezirk der Hauptstadt. Knapp 40% des BIP werden im Zentrum des Landes in und um die Hauptstadt Mexiko-Stadt erzielt. Regionen mit Unternehmen, die auf Weltmarktstandard produzieren, kontrastieren daher mit extrem rückständigen, ländlich geprägten Bereichen des Landes, in denen bittere Armut herrscht.
4,5% der Mexikaner lebten nach Weltbankangaben aus dem Jahr 2008 von weniger als einem Dollar täglich und können damit ihren Grundlebensbedarf nicht ausreichend decken (absolute Armut). Rund 20,4% der Bevölkerung mussten mit weniger als zwei Dollar täglich auskommen und leben unterhalb der statistischen Armutsgrenze. Bei der indigenen Bevölkerung wird der Armutsanteil sogar auf rund 80 % geschätzt.
Entsprechend unausgewogen ist die Einkommensverteilung. Die unteren 60% der Einkommenspyramide erwirtschaften nur 26,7% des Volkseinkommens. Der ungleichen Einkommensverteilung wird nicht ausreichend entgegengesteuert. So hat Mexiko mit ca. 11% die wohl niedrigste Steuerquote in der OECD.
Wirtschaftsklima und aktuelle Wirtschaftsentwicklung
Mexiko ist infolge der weltweiten Wirtschaftskrise in eine tiefe Rezession abgerutscht. Sowohl die Mexiko Zentralbank als auch internationale Organisationen prognostizieren für 2009 einen Rückgang des BIP zwischen 6,5% und 8%. Mexiko ist nach Einschätzung der VN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) die von der Wirtschaftskrise in ganz Lateinamerika am schwersten betroffene Volkswirtschaft.
Ein Grund hierfür sind die Einbrüche des Tourismusgeschäfts aufgrund der Grippe A/H1N1 vor allem in der ersten Jahreshälfte. Hauptgrund der Rezession ist indes der schwere Einbruch des Exports seit 2008. Am stärksten betroffen sind die Erdöl- und die Automobilindustrie. Besonders schwer wirkt sich der Nachfragerückgang auf Mexikos wichtigstem Exportmarkt, den USA, aus.
Eine langsame Erholung der mexikanischen Wirtschaft ab 2010 – Voraussetzung ist vor allem das Wiederanziehen der Nachfrage aus den USA – ist indes nicht ausgeschlossen. Regierungsprognosen gehen von 3% Wachstum in 2010 aus.
Die Arbeitslosenquote ist infolge der Wirtschaftskrise innerhalb nur eines Jahres bis September 2009 auf 6,3% geklettert und befindet sich damit auf dem höchsten Stand seit 14 Jahren.
Für 2009 wird mit einer Inflation um 5% (Jahresurchschnitt) gerechnet.
In der gegenwärtigen Krise zeigt sich nun auch, das dringender Bedarf nach einer Steuer- und Energiereform besteht, da sowohl die Steuereinnahmen als auch die staatlichen Einnahmen aus dem Erdölgeschäft in der Rezession stark zurückgegangen sind. Der Staatshaushalt 2010 wird deshalb voraussichtlich ein Defizit von 3% aufweisen. Die Regierung hat deshalb Ausgabenkürzungen angeordnet und ist darum bemüht, die Steuereinnahmen zu erhöhen.
Es ist zudem davon auszugehen, dass die ausländischen Direktinvestitionen infolge der Wirtschaftskrise 2009 abnehmen. Ungeachtet dieses Rückgangs bleibt Mexiko als Investitionsstandort nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Löhne und Nähe zu den USA für ausländische Investoren attraktiv.
Umwelt
Die Umweltprobleme in Mexiko liegen im internationalen Vergleich in allen Bereichen in der Spitzengruppe. Die Regierung hat daher den Umweltschutz zu einer Frage der nationalen Sicherheit und dabei den Schutz der Wälder und der Wasserreserven für prioritär erklärt. Die Regierung wirbt nach wie vor intensiv um Unterstützung für ihre Idee eines multilateralen „Grünen Fonds“ zum Klimaschutz. Die am 5. Juni 2009 von der mexikanischen Regierung vorgestellte Studie „La Economía del Cambio Climático en México“ (wirtschaftliche Auswirkungen des Klimawandels in Mexiko) fasst erstmals die Auswirkungen des Klimawandels in Mexiko zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass Mexiko dringend Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen einleiten muss, um wirtschaftliche und ökologische Schäden des Klimawandels einzudämmen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.