Marokko
Wirtschaft
Stand: November 2009
Grundlinien der Wirtschaftspolitik
Wirtschaftspolitisches Ziel der Regierung el-Fassi ist die Bekämpfung der Armut durch dauerhaft hohes Wirtschaftswachstum und Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze soll durch Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Marokko. Wirtschaft und durch Förderung von in- und ausländischen Investitionen realisiert werden. Ein wichtiges Anliegen der Marokko. Regierung ist die fortschreitende Integration der Marokko. Wirtschaft in den Welthandel. Marokko ist Mitglied der WTO, verstärkte 2008 sein Engagement im Rahmen der OECD und hat Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und der Türkei abgeschlossen. Marokko war Gastgeber bei der Unterzeichnung des "Agadir-Abkommens" mit Ägypten, Tunesien und Jordanien. Dieses Abkommen ist eine wichtige Ergänzung der geplanten euromediterranen Freihandelszone und soll allen Mitgliedstaaten der Arabischen Liga offenstehen.
Marokko hat im Oktober 2008 im Verhältnis zur EU einen "Statut Avancé" erhalten. Damit wird eine Politik anerkannt, die sich weit über den wirtschaftspolitischen Rahmen hinaus konsequent zur Europäischen Union zuwendet. Vereinbart wurde die schrittweise Übernahme des Acquis Communautaire. Diese enge Verknüpfung mit Europa sichert mittelfristig die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Marokkos ab.
Fiskalpolitik
Drei große Herausforderungen existieren für die Marokko. Fiskalpolitik: die Neuausrichtung der Steuerpolitik, um die Auswirkungen der Freihandelspolitik abzufedern; die Verbreiterung der Steuerbasis, um eine Senkung der hohen Grenzsteuersätze zu ermöglichen; ein effizienteres Management der öffentlichen Ausgaben.
Die marokkanische Steuerpolitik ist durch hohe Grenzsteuersätze (30 Prozent Körperschaftssteuer, 37 Prozent für Banken; 42 Prozent Spitzensteuersatz in der Einkommenssteuer) und zahlreiche Ausnahmetatbestände gekennzeichnet. Ziel der Reformen im Fiskalsektor ist eine Vereinfachung, eine verbesserter Effizienz und die wirtschaftliche Neutralität des Steuersystems.
Trotz der ungünstigen internationalen Entwicklung konnte die Konsolidierung des Marokko. Staatshaushalts fortgesetzt werden. Vor allem dank einer Erhöhung der erzielten Steuereinnahmen um 23,6 Prozent (Einnahmen aus Unternehmenssteuern +55 Prozent, Einnahmen aus Einkommensteuern +17 Prozent, MwSt. +23 Prozent), die im Wesentlichen auf eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlagen und eine Konsolidierung der Erhebungspolitik der Finanzbehörden zurückzuführen ist, (sowie erheblicher sonderkonjunktueller Einnahmen aus dem Export von Phosphaten) konnte das Jahr 2008 mit einem Haushaltsüberschuss 236 Mio. Euro - etwa 0,4 Prozent des Bruttosozialprodukts - abgeschlossen werden. Diese komfortable Ausgangslage erlaubte es der Regierung El Fassi, auf den starken Anstieg der internationalen Energie- und Lebensmittelpreise mit großzügigen Subventionen zu reagieren, was sich in einem Anstieg der Leistungen der staatlichen Subventionskasse („Caisse des Compensations“) um 92,4 Prozent, also fast einer Verdoppelung im Vergleich zu 2007, niederschlug.
Geldpolitik
Bis Anfang 2007 war der marokkanische Geldmarkt durch eine kräftige Überliquidität gekennzeichnet. Grund dafür waren die Überweisungen der Auslandsmarokkaner und die Privatisierung von Staatseigentum, verbunden mit großer Zurückhaltung der Privatbanken bei der Kreditvergabe. Der hohe Anteil der informellen, aber auch der illegalen Ökonomie spielen hierbei eine wichtige Rolle. Das Gegensteuern der Zentralbank mit verstärkten Offenmarktoperationen und einer erhöhten Mindestreserveverpflichtung der Geschäftsbanken haben den gewünschten Effekt einer Liquiditätsverknappung erzielt.
Die Währungsreserven sind auch im internationalen Vergleich mit umgerechnet 18,58 Mrd. Euro mehr als zufrieden stellend und entsprechen dem Importwert von knapp zehn Monaten.
Durch das 2004 verabschiedete Bankengesetz wurde die Unabhängigkeit der Zentralbank gestärkt; Zentralbankgouverneur Jouahri macht hiervon auch ausgiebig Gebrauch. Das schon lange angekündigte und dringend erforderliche Gesetz gegen Geldwäsche wurde 2007 verabschiedet. Ein konsequentes Vorgehen gegen die informelle und illegale Ökonomie bleibt aber eine Herausforderung für den Staat.
Die Inflationsrate lag 2008 mit 3,9 Prozent deutlich über den Werten der vergangenen Jahre (durchschnittlich 2,2 Prozent 2002 bis 2008). Dies ist im Wesentlichen auf einen starken Anstieg der Lebensmittelpreise vor allem während der internationalen Nahrungsmittelkrise im Sommer 2008 zurückzuführen. Bereinigt um die Teuerungsrate im Lebensmittelbereich (+6,8 Prozent) ergibt sich für alle übrigen Güter lediglich eine Teuerungsrate von 1,4 Prozent.
Strukturpolitik
Die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise stellen insbesondere die staatliche Investitionspolitik vor erhebliche Herausforderungen. Die Regierung El Fassi reagiert auf diese Herausforderungen mit einer Reihe von großen und über mehrere Jahre angelegten und ambitionierten sektorspezifischen Investitionsprogrammen, für die 2009 bereits eine Investitionssumme von 11,8 Mrd. Euro (davon 31 Prozent aus dem Staatshaushalt, 57,5 Prozent von staatlichen Unternehmen) bereitgestellt wird:
Im Bereich der Landwirtschaft sieht der „Plan Maroc vert“ 2009-2020 Investitionen von 10,5 Mrd. Euro vor allem in eine Verbesserung der Produktivität und der Exportfähigkeit marokkanischer Agrarprodukte vor. (Aushängeschild der positiven Entwicklung der Landwirtschaft in Marokko ist der "Salon International d'Agriculture au Maroc" (SIAM), der mit 600 Ausstellern aus 20 Ländern größten Landwirtschaftsmesse in Nordafrika, die 2009 zum vierten Mal stattfand und inzwischen professionelles Niveau erreicht hat.)
Im Bereich der Trink- und Abwasserwirtschaft sowie im Umweltschutzbereich werden 2009-2020 rund 4 Mrd. Euro vor allem für den Bau und die Erweiterung bestehender Stauseen, die Komplettierung einer flächendeckenden Trinkwasserversorgung auch im ländlichen Bereich und die Bewältigung der Folgen von Überschwemmungen bereitgestellt.
Im Energiebereich ist 2008-2012 die Bereitstellung von zusätzlichen Kapazitäten in einem Gesamtvolumen von 600 Mio. kW für eine Investitionssumme von 5,2 Mrd. Euro vorgesehen. Darüber hinaus sind 2008-2012 weitere 1,2 Mrd. Euro vorgesehen für die Verbesserung der Energieeffizienz, die Reform der Subventionierung im Kraftstoffbereich und die Erschließung von erneuerbaren Energiequellen, letzteres vor allem hinsichtlich des selbst gesteckten Ziels, 2020 20 Prozent des nationalen Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen decken zu können.
Als Antwort auf die negativen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die marokkanischen Industrie wurde in Gegenwart des Königs am 10. Februar 2009 von Regierung, Unternehmerverbänden und Sozialpartnern ein „Plan Èmergence“ unterzeichnet. Darin verpflichten sich alle Seiten, die Folgen der Krise für die marokkanische Industrie gemeinsam zu schultern. Investitionsseitig sieht dieser Plan 2009-2015 ein Volumen von 1,1 Mrd. Euro vor allem in neue Technologien (Aeronautik, Nanotechnologie und Elektronik), in die Entwicklung des Off-shoring, der Nahrungsmittel- und der Textilindustrie vor.
Im Bereich Verkehrsinfrastruktur plant die marokkanische Regierung Investitionen von 3,3 Mrd. Euro bis 2015 für neue Straßen und Autobahnen, 1,75 Mrd. Euro für einen Ausbau des Eisenbahnnetzes einschl. eines Hochgeschwindigkeitszuges zwischen Tanger und Casablanca, 1,05 Mrd. Euro für den Ausbau der Marokko. Häfen einschl. der Realisierung der zweiten Ausbaustufe des kombinierten Roll-on/Roll-off – Passagier- und Containerhafens Tanger Med und 1,74 Mrd. Euro für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs in Rabat-Salé und Casablanca mit jeweils einem neuen Straßenbahnnetz.
Im Bereich des staatlich geförderten sozialen Wohnungsbaus werden 2009 225 Mio. Euro investiert. Dies entspricht einer Steigerung um 9 Prozent gegenüber 2008.
Marokko ist im Energiesektor zu 97 Prozent von Einfuhren abhängig, wobei sich während der letzten Jahre die Importabhängigkeit noch leicht gesteigert hat. Die nationale Stromerzeugung konnte weder 2007 noch 2008 den um 8 Prozent jährlich wachsenden Bedarf befriedigen und musste durch Importe aus Europa ergänzt werden. Nun hat die marokkanische Elektrizitätsgesellschaft Office National de l'Electricité (ONE) angekündigt, während der nächsten fünf Jahre nahezu 1 Mrd. Euro pro Jahr zu investieren, um der Nachfrage gerecht zu werden. Der größte Teil dieser Ausgaben ist für die Verstärkung und Erweiterung der Übertragungs- und Verteilernetze eingeplant. Den Ausbau der Kraftwerkskapazitäten überlässt ONE immer mehr privaten Betreibern, denen sie langfristige Abnahmeverträge anbietet. Neben dem Bau eines großen Kohlekraftwerks in Safi (1.320 MW) steht bei der Stromerzeugung die Nutzung von erneuerbarer Energie – Wasser, Wind, Sonne – im Vordergrund. Marokko verfügt bei Wind- und Sonnenenergie über ein Potential, das bei entsprechenden Investitionen den gesamten inländischen Energiebedarf decken und sogar den Export von Strom aus erneuerbaren Energiequellen erlauben könnte.
Auch der Bau eines Kernkraftwerkes wird diskutiert.
Außenwirtschaftspolitik
Die wirtschaftliche Öffnung Marokkos setzt sich weiter fort. Marokko hat zahlreiche Freihandelsabkommen abgeschlossen, darunter das Assoziationsabkommen mit der EU aus dem Jahre 2000. Mit dem allmählichen Zollabbau wurde begonnen und bis 2012 sollen alle Zollschranken fallen. Das Fischereiabkommen mit der EU ist inzwischen in Kraft. Derzeit werden mit der EU Abkommen über die Liberalisierung von Agrarprodukten und Dienstleistungen verhandelt. Die im Jahr 2004 abgeschlossenen Freihandelsabkommen mit den USA, der Türkei und den „Agadir-Partnern“ Jordanien, Ägypten und Tunesien sind inzwischen ratifiziert und im Jahr 2007 - im Falle von „Agadir“ mit zahlreichen Ausnahmeregelungen - in Kraft getreten.
Tourismus
Marokko unternimmt große Anstrengungen, den Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftssektoren auszubauen. Der „plan azur“ sieht den Bau von sechs großen Anlagen (Investitionsvolumen 1,4 Mrd. Euro) vor und soll die Zahl der Touristen bis 2010 auf 10 Millionen verdoppeln. Waren diese Pläne bis 2007 noch durchaus realistisch, haben sich die Aussichten 2008 jedoch verdüstert: Die Zahl der ausländischen Touristen nahm zwar 2008 noch um 4,5 Prozent zu, die Zahl der Übernachtungen sank jedoch um 4,6 Prozent. Dem entspricht einRückgang der Deviseneinnahmen aus dem internationalen Tourismusgeschäft um 3,5 Prozent.
Entsprechend verzögert sich die Umsetzung des "Plan Azur", jedoch hält die Regierung an den wichtigsten großen Investitionsvorhaben fest. Die Station Saidia an der marokkanischen Mittelmeerküste nahe der Grenze zu Algerien wurde im Juni 2009 eröffnet, eine weitere Station bei El Jadida an der Atlantikküste südlich von Casablanca steht vor der Fertigstellung.
Marokko hat als erstes Land mit der EU ein Luftverkehrsabkommen im Stile „open sky“ abgeschlossen. Schon jetzt zeigt sich ein deutlich gestiegenes Engagement europäischer Fluglinien (TUI, Easyjet, Ryanair) auf dem marokkanischen Markt. Weniger als 5 Prozent aller Touristen kommen jedoch aus Deutschland.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.