Marokko
Kultur- und Bildungspolitik, Medien
Stand: November 2009
Kultur
Marokko versteht sich als Ort des Dialogs und Austauschs und legt zunehmend Wert auf seine "identité plurielle". Diese ist geprägt durch ein reiches arabisches, berberisches, afrikanisches und andalusisches kulturelles Erbe. Dieses und der Erhalt von Traditionen werden durch traditionelle Feste wie "moussems" und "fantasias" und in der jüngeren Vergangenheit durch nationale und internationale Festivals gepflegt. Die sprachliche Vielfalt – neben Arabisch werden eine Vielzahl von Berberdialekten gesprochen – wird gefördert. Die Berbersprache Amazigh ist neben Arabisch zur offiziellen Unterrichtssprache aufgewertet worden und wird seit 2003 an mittlerweile mehr als 1.900 Grundschulen unterrichtet. Zur Restaurierung historischer Stätten werden öffentliche Gelder bereitgestellt.
Bildungswesen
Das Bildungswesen zählt zu den Prioritäten von Regierung und König Mohammed VI. Eine 1999 initiierte Kampagne zur Reform der Schulausbildung hatte sich eine 100-Prozentige Einschulungsrate bis 2002 zum Ziel gesetzt. Davon ist man trotz aller Bemühungen noch weit entfernt. Die Einschulungsquote ist zwar beträchtlich gestiegen und liegt landesweit für 6-Jährige bei 92 Prozent. Von der Gruppe der 15-Jährigen besucht allerdings nur noch die Hälfte eine Schule. 38,45 Prozent des Bevölkerungsanteils der über Fünfzehnjährigen gelten offiziell als Analphabeten. Dies bedeutet, dass 9 Millionen Menschen weder lesen noch schreiben können. Die Analphabetenquote ist auf dem Land deutlich höher als in den Städten, besonders betroffen sind Frauen und Mädchen. Mädchen auf dem Land genießen trotz der 1963 eingeführten Schulpflicht keine adäquate Schulausbildung. Der Anteil der Kinder im Alter von 10-14 Jahren, die nicht eingeschult sind, beträgt 13,3 Prozent, was mehr als 500.000 Kindern entspricht. Offizielle Zielvorgabe ist es, bis 2015 den Analphabetismus in Marokko auszumerzen, was sicherlich zu ehrgeizig ist. Momentan glaubt kaum ein Experte, dass die Analphabetenquote bis zum Jahre 2010 auf unter 20 Prozent gedrückt werden könnte. Ein vom Erziehungsministerium im Jahre 2008 initiierter Notfallplan soll neue Impulse geben und die Schulausbildung in den kommenden Jahren spürbar verbessern. Es bleibt abzuwarten, ob die hochgesteckten Ziele erreicht werden können. Immerhin wurde das für diese Pläne vorgesehene Budget für das Jahr 2009 um 23,6 Prozent erhöht.
Wie die Schulen leiden auch die Universitäten seit Jahren unter Überfüllung und schwacher Mittelausstattung. Gleichzeitig ist der marokkanische Arbeitsmarkt nicht in der Lage, Schul- und Studienabgänger in ausreichendem Maße aufzunehmen. Akademikerarbeitslosigkeit ist zu einem nationalen Phänomen geworden. Der Migrationsdruck ist hoch. 2003 ist eine weit reichende Universitätsreform in Kraft getreten. Sie zielt darauf, Studieninhalte neu auszurichten und mehr den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes anzupassen, Studienzeiten zu verkürzen, international gültige Standards zu erreichen und international anerkannte Abschlüsse anzubieten. Die Umsetzung der Reform ist inzwischen erfolgt.
Fremdsprachen
Unter den Fremdsprachen dominiert eindeutig Französisch als Sprache der ehemaligen Kolonialmacht. Spanisch ist im Norden des Landes verbreitet. Steigendes Interesse besteht an Englisch. Deutsch, für das sich vor allem unter jungen Erwachsenen eine große Nachfrage feststellen lässt, und Italienisch folgen mit Abstand.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.