Marokko
Außenpolitik
Stand: November 2009
Grundlinien der Außenpolitik
Die Außenpolitik Marokkos steht im Zeichen einer strategischen Westorientierung, die europäischen Nachbarn bleiben das gesellschaftspolitische Vorbild, die USA der wichtigste sicherheitspolitische Partner. In der euro-maghrebinischen Diplomatie sieht Rabat sich in einer Schlüsselrolle, die es aktiv wahrzunehmen versucht. Im Verhältnis zur EU strebt das Königreich einen Ausbau seiner schon jetzt in mancher Hinsicht privilegierten Stellung an.
Multilateral hat sich Marokko immer wieder als „Brückenbauer“ in arabischen, afrikanischen und internationalen Gremien hervorgetan. Bilateral sind die Beziehungen auch zum frankophonen Westafrika eng. Problematisch bleibt, auch wegen der Westsahara, das Verhältnis zum Nachbarn Algerien – die gemeinsame Grenze ist unverändert geschlossen.
Die dauerhafte Sicherung der Zugehörigkeit der Westsahara zu Marokko ist zentrales Anliegen der marokkanischen Außen- und Innenpolitik – allerdings hat sich Marokko bereit erklärt, dem Gebiet eine weitreichende Autonomie zuzubilligen. Die „Befreiungsbewegung“ Polisario besteht indessen im Rahmen VN-geführter Verhandlungen auf einem Referendum mit der Option Unabhängigkeit für die Westsahara.
Beziehungen zur Europäischen Union
Die intensiven politischen Beziehungen zur Europäischen Union haben mit Inkrafttreten des Assoziationsabkommens am 1. März 2000 ein klares Ziel: die Schaffung einer Freihandelszone bis 2010. Darüber hinaus möchte Marokko seine im Verhältnis zu anderen Mittelmeeranrainern herausgehobene Stellung gegenüber Europa festigen. Am Barcelona-Prozess und jetzt an der Union für das Mittelmeer ist Marokko aktiv beteiligt. Kein Land profitiert finanziell von der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) der EU mehr als Marokko.
Aktuell wird zwischen der EU und Marokko über Fragen des Handels mit landwirtschaftlichen Gütern und über Dienstleistungen verhandelt. Schwierig bleiben die Gespräche über den Abschluß eines Rückübernahmeabkommens.
Beziehungen zu Frankreich
Ein besonders enges Verhältnis besteht traditionell zur ehemaligen Protektoratsmacht Frankreich. Es nimmt eine privilegierte Position in nahezu allen Bereichen bilateraler Zusammenarbeit ein. Marokko und Frankreich pflegen einen außerordentlich intensiven Besucheraustausch. Dass der französische Staatspräsident Sarkozy seine Vorstellungen von einer Union für das Mittelmeer erstmals anlässlich seines Staatsbesuches in Marokko (Rede in Tanger vom Oktober 2007) erläuterte, unterstrich Marokkos Rolle als bevorzugter Partner Frankreichs in Nordafrika.
Rund 30.000 Franzosen leben in Marokko, über eine Million Marokkaner in Frankreich.
Beziehungen zu Spanien
Das Verhältnis zu Spanien entwickelt sich insgesamt positiv, vor allem seit Amtsantritt von Ministerpräsident Zapatero, der nicht zufällig seine erste Auslandsreise im April 2004 nach Marokko unternahm.
In den von sachlichen Interessengegensätzen geprägten Fragen wie illegale Einwanderung, Drogenhandel, landwirtschaftliche Ausfuhren Marokkos in die EU, Abgrenzung der Wirtschaftszonen im Küstenmeer zwischen kanarischen Inseln und der Westsahara wurden inzwischen wichtige Fortschritte erzielt. Die spanische Regierung begleitet auch die marokkanische Initiative zur Lösung der Westsaharafrage mit Sympathie.
Einen vorübergehenden Rückschlag in den bilateralen Beziehungen verursachte Anfang November 2007 der Besuch des spanischen Königs in den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla, die von Marokko als marokkanisches Territorium reklamiert werden.
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
Mit den Vereinigten Staaten werden freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Es besteht eine starke Anbindung in Sicherheitsfragen an die Außenpolitik der USA, der Besucheraustausch ist rege. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 haben König und Regierung die terroristischen Angriffe verurteilt und die Koalition gegen den Terrorismus unterstützt.
Seit Januar 2005 besteht zwischen Marokko und den USA ein Freihandelsabkommen.
Die USA haben sich wiederholt öffentlich für den marokkanischen Autonomieplan für die Westsahara ausgesprochen.
Nahost-Friedenspolitik
Marokko ist ein Fürsprecher der ersten Stunde der Nahostfriedenspolitik. Es unterstützte den Oslo-Prozess und richtete 1994 in Casablanca den Gipfel der Staaten des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas aus.
Seit Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzungen im Gazastreifen im Westjordanland (Zweite Intifada) hat Marokko seine Zusammenarbeit mit Israel offiziell suspendiert. Nach längerer Gesprächspause traf der marokkanische Außenminister im Juli 2007 seine israelische Amtskollegin in Paris zu einem Meinungsaustausch. Marokko nahm auch an der Nahostkonferenz von Annapolis (November 2007) teil.
Das Land ist Mitglied der Sonderausschüsse der Arabischen Liga zum Libanon und zu den Palästinensischen Gebieten. König Mohammed VI. hat von seinem Vater Hassan II. den Vorsitz des Jerusalem-Ausschusses (Al-Qods) der Organisation der Konferenz islamischer Staaten (OIC) übernommen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.