Malaysia
Wirtschaft
Stand: Oktober 2009
Grundlinien der Wirtschaftspolitik
Entwicklungspolitisch gesehen ist Malaysia ein Schwellenland, eine „emerging economy“ oder auch „newly industrialized economy“. Bis zum Jahr 2020 soll der Status eines entwickelten Industrielandes erreicht werden ("Vision 2020"). Während Kuala Lumpur, Penang und Malacca dieses Ziel durchaus erreichen können, ist dies für die entlegeneren Regionen Ostmalaysias auf Borneo fraglicher.
Malaysia ist eine gelenkte Marktwirtschaft, in der die Entwicklung über Fünfjahrespläne gesteuert wird. Mit dem 9. Malaysia-Plan (2006-2010, veröffentlicht im März 2006) wurden die Eckpfeiler für die Entwicklung einer wissensbasierten Volkswirtschaft aufgestellt. Im "Dritten Wirtschafts-Masterplan 2006-2020" (IMP3) mit dem Untertitel "Malaysia – Zur Globalen Konkurrenzfähigkeit" legte die malaysische Regierung die Ziele für die ökonomische Entwicklung Malaysias in den nächsten 15 Jahren fest. Dieser Plan ist von besonderer Bedeutung für die Realisierung der "Vision 2020". Beruhend auf drei ökonomischen Pfeilern - verarbeitende Industrie, Dienstleistungen und Landwirtschaft - soll mit dem IMP3 die globale Konkurrenzfähigkeit Malaysias gestärkt werden. Ausgehend von dem nationalen Hauptziel – der Anhebung der Wertschöpfungskette von einer mittleren Stufe auf ein produktiveres und wissensbasiertes Niveau – sollen diese drei Bereiche der Volkswirtschaft bis 2020 besonders entwickelt werden.
In den letzten Jahrzehnten hat Malaysia eine rasante wirtschaftliche Entwicklung vollzogen. Vom agrarischen Rohstofflieferanten in den 1970er Jahren wurde es zu einer der wichtigsten Handelsnationen im Bereich der elektronischen und IT-Güter. So wurde Malaysia zu einem weltweit führenden Mikrochipexporteur. Die Anteil der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze ging von 6,9 % im Jahr 2000 auf 5,1 % im Jahr 2008 zurück.
Das weitere wirtschaftliche Wachstum soll auch durch sogenannte regionale Entwicklungskorridore vorangetrieben werden, der East Coast Economic Region (ECER), Iskandar Malaysia, MSC Malaysia, Northern Corridor Economic Region (NCER), Sabah Development Corridor (SDC) und der Sarawak Corridor of Renewable Energy (SCORE).
Neue Quellen der Wertschöpfung wie Biotechnologie einschließlich Agro- und Pharma-Biotech, Informations- und Kommunikationstechnologien oder die Modernisierung des Servicesektors, auch Tourismus einschließlich des Gesundheitstourismus, sollen weiter erschlossen werden. Kleine und mittelständische Unternehmen sollen gestärkt, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China und Indien vertieft werden. Neue Möglichkeiten und Anreize für Inlandsinvestitionen werden in Aussicht gestellt, der Finanzsektor soll liberalisiert werden. Die Ausbildung von Arbeitnehmern wird durch eine Reform des Ausbildungssystems unterstützt.
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Malaysia hatte im Jahre 2008 ein immer noch bemerkenswertes Wirtschaftswachstum( zu konstanten Preisen) von 4,6% (7,1% im ersten Halbjahr, 2,4% im zweiten Halbjahr) erreicht. Das Pro-Kopf-Einkommen stieg 2008 auf 8.141 US Dollar (2007: 6956 US-Dollar, Quelle: IMF April 2009). Für 2009 wird ein negatives Wirtschaftswachstum zwischen -3% und -5% erwartet. .
Die Inflationsrate lag 2008 bei 5,4%.
Die Arbeitslosigkeit nahm gering von 3,2% auf 3,7% zu. Auf Grund der weltweiten wirtschaftlichen Krise wird für das Jahr 2009 ein weiterer Anstieg auf mindestens 4,5% erwartet. Das Haushaltsdefizit stieg ebenfalls leicht, auf 4,8% (2007: 3,8%). Die Devisenreserven gingen nach einem Höchststand von 126 Mrd. US-Dollar im Juni 2008 zum Ende des Jahres 2008 auf 87,7 Mrd US-Dollar zurück.
Haushalt
Der frühere Premierminister Abdullah Badawi stellte am 29. August 2008 dem Parlament den Haushalt 2009 vor.
Unter dem Motto "A Caring Government" soll der Haushalt den malaysischen Wohlstand sichern, das Humankapital entwickeln und die Widerstandskraft der Nation stärken.Die Sicherung eines nachhaltigen nationalen Wachstums bleibt weiterhin Hauptfokus. Damit alle von diesem Wachstum profitieren können, werden soziale Maßnahmen vorgesehen.
Im Haushalt 2009 waren insgesamt 207,9 Mrd. malaysische Ringgit (RM) an Ausgaben geplant. 154,2 Mrd. RM waren davon für operative Ausgaben und 53,7 Mrd. RM für Entwicklungsausgaben vorgesehen. Davon sollten 27,8 Mrd. RM in den Wirtschaftssektor fließen (Landwirtschaft, Industrie, Infrastruktur).17,8 Mrd. RM waren für Sozialausgaben vorgesehen (Bildung und Weiterbildung, Gesundheit, Wohnungsbau). Für den Sicherheitsbereich waren 4,1 Mrd. RM vorgesehen.
Bereits im November 2008 wurde der Haushalt 2009 durch das Konjunkturpaket I ("stimulus package”) mit einem Volumen von 7 Mrd. RM ergänzt. Mit dem Paket sollte die Konjunktur belebt und die Auswirkungen des Abschwungs auf die Bevölkerung gemildert werden.
Das Paket umfasst u. a. 1,4 Mrd. RM für den sozialen Wohnungsbau, 500 Mio. RM für den öffentlichen Nahverkehr und 600 Mio. RM für Erhaltungsmaßnahmen der öffentlichen Infrastruktur. Insgesamt 1 Mrd. RM wurden für verschiedene Finanzhilfen für Schulen und andere Bildungszentren vorgesehen, 1,5 Mrd. RM für Bau und Erhaltung von Schulgebäuden, weiteren öffentlichen Gebäuden und Landstraßen. Ein Fonds zur Unterstützung von Investitionen der Privatwirtschaft wurde mit 1,5 Mrd. RM ausgestattet und 400 Mio. RM für das Breitbandinternetnetz bereitgestellt, das Telekom Malaysia in den nächsten zehn Jahren legen soll (Gesamtvolumen: 2,4 Mrd. RM). Der Beitrag der Arbeitnehmer zum sogenannten Altersvorsorgefonds (EPF) wurde um drei Prozentpunkte auf 8% reduziert, um den privaten Konsum zu fördern (Inkrafttreten der Senkung: 1.1.09; befristet auf zwei Jahre).
Am 10. März 2009 wurde das Konjunkturpaket II, auch als Mini Budget bezeichnet, bekannt gegeben. Das umfassende Paket enthält u. a. Ausbildungsunterstützung für entlassene Arbeitnehmer, Steuererleichterungen für Unternehmen und Hausfinanzierungen, Schaffung zeitlich begrenzter Arbeitsstellen bei der Regierung und Infrastrukturmaßnahmen.
Das Paket soll 60 Mrd. RM über zwei Jahre umfassen (pro Jahr etwa 4,5 % des BIP und damit deutlich mehr als die vom IMF-empfohlene 2-%-Marke). 15 Mrd. RM sind direkte Regierungsausgaben, 45 Mrd. RM Ausgaben anderer Art: 25 Mrd. RM als Garantien, 10 Mrd. RM als equity-Investitionen, 7 Mrd. RM für private Finanzierungsinitiativen und Projekte außerhalb des Haushalts sowie 3 Mrd. RM für steuerliche Initiativen.
Die Regierung geht davon aus, dass durch das Paket das Haushaltsdefizit von 4.8 Prozent auf 7,6 Prozent steigen wird. Dies sei vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Weltwirtschaftslage aber hinzunehmen.
Umweltpolitik
Die hohen Wachstumsraten der Wirtschaftspolitik der Vergangenheit fordern ihren Preis. Die natürlichen Ressourcen des Landes werden stark beansprucht. Die malaysische Regierung hat inzwischen gesetzliche und institutionelle Rahmenbedingungen auf Grundlage des Gesetzes zur Qualität der Umwelt von 1974 geschaffen. Es ist ein zunehmendes Umweltbewusstsein bei Bevölkerung und Regierung wahrzunehmen. Eine sozialökonomisch ausbalancierte Entwicklung schließt den dauerhaften Schutz der Umwelt ein. Dem entsprechend sollen die Ziele des oben genannten "Dritten Wirtschafts-Masterplans 2006-2020“ nicht auf Kosten der Umwelt erreicht werden. Die malaysische Regierung betont, dass entsprechende Umweltvorschriften nicht nur erlassen, sondern auch umgesetzt werden sollen. Außerdem soll die Industrie ermutigt werden, umweltfreundlich zu agieren.
Außenhandel
Die malaysische Wirtschaft ist sehr stark außenhandelsorientiert. Die Außenhandelsbilanz spiegelte ab Herbst 2008 die Auswirkungen der Wirtschaftskrise wider Während die malaysischen Exporte in den ersten 9 Monaten um 16% gestiegen sind, war im letzten Quartal ein Rückgang um 18,3% zu verzeichnen. Insgesamt wuchs Malaysias Export im Jahr 2008 um 9,6% auf die neue Rekordhöhe von etwa 199 Mrd. US-Dollar. Das gesamte Handelsvolumen belief sich auf 356 Mrd. US-Dollar, das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um fast 6,8%. Mehr als ein Drittel der Exporte gingen in die USA, Japan und die EU. Aber auch der Handel mit Schwellenländern wie China, Indien und Russland zeigte Steigerungen im Wachstum und im Marktanteil. Im Dezember 2008 verzeichnete Malaysia seinen 134. Monat mit Handelsüberschuss seit November 1997 von 3,5 Mrd. RM.
Im 2008 erstmals erstellten "Global Enabling Trade Report 2008", herausgegeben vom World Economic Forum im Juni 2008, findet sich Malaysia im Vergleich mit 118 anderen Volkswirtschaften auf Platz 29 wieder (Deutschland auf Platz 8).
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Malaysia sind seit vielen Jahren sehr eng und bestimmen im Wesentlichen das gute Verhältnis zwischen den beiden Ländern. Der Außenhandel zwischen Deutschland und Malaysia betrug 2008 8,38 Mrd. Euro (zum Vergleich: das Handelsvolumen Deutschlands mit Thailand lag bei 4,4 Mrd. Euro und mit Indonesien bei 4,8 Mrd. Euro). Die Einfuhren aus Malaysia erreichten etwa 4,43 Mrd. Euro, die deutschen Ausfuhren 3,95 Mrd. Euro. Wichtigste Ein- und Ausfuhrgüter sind elektronische und elektrotechnische Waren. Deutschland liefert zudem Maschinen und Kfz nach Malaysia. Deutschland ist für Malaysia der größte Handelspartner in der EU und steht an 10. Stelle der Haupthandelspartner Malaysias.
Ausländische Investitionen
Die rasante wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre wurde zu einem wichtigen Teil durch ausländische Direktinvestitionen getragen. Malaysia ist in erster Linie Produktionsstandort für japanische, amerikanische und europäische Unternehmen in der Elektronik- und Petrochemieindustrie. Verbesserte gesetzliche Rahmenbedingungen haben dafür gesorgt, dass global orientierte ausländische Unternehmen in Malaysia regionale Verwaltungs- und Logistikzentren eingerichtet haben. Um sich von der Exportabhängigkeit bei elektronischen und elektrotechnischen Produkten zu lösen, will Malaysia die Entwicklungsprioritäten von der verarbeitenden Industrie hin zu einer Dienstleistungswirtschaft (Tourismus, Multimedia- und IT-Branche) verschieben. Daneben sollen die Landwirtschaft und Nahrungsmittelerzeugung gefördert werden.
Malaysia als Investitionsstandort profitiert insbesondere von seinen seit Jahrzehnten stabilen innerpolitischen Verhältnissen. Dazu kommt die strategisch hervorragende wirtschaftsgeografische Lage mit der Nähe zu den aufstrebenden Großstaaten China und Indien.
Der Fluss ausländischer Direktinvestitionen (FDI) nach Malaysia hat sich 2008 gegenüber dem Vorjahr erneut erhöht. Insgesamt etwa 10,4 Mrd. USD haben ausländische Investoren im Jahre 2008 in die malaysische Volkswirtschaft investiert. Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) machten in 2008 etwa 7,1% des BIP aus.
Die drei größten ausländischen Investoren 2008 in Malaysia waren Australien (2,66 Mrd. Euro), Japan (1,15 Mrd. Euro) und Deutschland (0,9 Mrd. Euro). Dabei investierte Deutschland in 19 Projekte (alle Angaben beziehen sich auf Approved Manufacturing Projects, MIDA). Ausländische Investitionen waren vor allem in den Elektrotechnik/Elektronik-Bereich vorgesehen, um die Maschinen und Ausrüstung auf neuesten Stand zu bringen (3,53 Mrd. Euro).
Mitgliedschaft in internationalen Organisationen
Malaysia ist aktiv in internationalen und regionalen Handelsorganisationen tätig. Es ist Vollmitglied in der WTO (Welthandelsorganisation) und in ASEAN (Südostasiatische Staatengemeinschaft). Im Rahmen des ASEAN-Freihandelsabkommens (AFTA) wirkt Malaysia aktiv an dessen Realisierung mit. Auch in der APEC (Asiatisch-Pazifische Wirtschaftskooperation) bemüht sich Malaysia um den Freihandel und konzentriert sich dort insbesondere auf den Abbau von Handelsbarrieren sowie die Transparenz bereits vorhandener und zukünftiger Freihandelsabkommen.
Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) ist ein weiterer Schwerpunkt für malaysische Außenwirtschaftsaktivitäten, ebenso das D8-Forum, in dem Malaysia seit Juli 2008 für zwei Jahre den Vorsitz hat. Im Rahmen des Ständigen Ausschusses zur Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit (COMCEC) werden Rahmenbedingungen für ein mögliches Handelspräferenzsystem sowie ein goldbasiertes Handels-Zahlungsabkommen zwischen den 57 Mitgliedern der diskutiert.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.