Libyen / Libysch-Arabische Dschamahirija
Wirtschaftspolitik
Stand: Oktober 2009
Wirtschaftslage
Libyen beabsichtigt, seine bestehende Wirtschaftsordnung in eine Marktwirtschaft umzuwandeln. Die bisherige Liberalisierung, vor allem im Handel und in der Landwirtschaft, hat das binnenwirtschaftliche Erscheinungsbild Libyens zum Besseren verändert. Die libysche Wirtschaft ist über die letzten Jahre kontinuierlich gewachsen, gestützt auf die Öl- und Gasproduktion – 2008: 3,8 Prozent. Auch für das Gesamtjahr 2009 wird erwartet, daß die libysche Wirtschaft weiter wächst.
Libyens Reformkurs bleibt jedoch widersprüchlich und kommt nur schleppend voran. Weiterhin dominiert die Staatswirtschaft. Bei Teilen der libyschen Bevölkerung kommt der relative Aufschwung der letzten Jahre bislang kaum an.
Für ausländische Investoren/ Unternehmer bleibt Libyen ein interessanter Standort mit erheblichem Potential. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind jedoch weiterhin gerade für kleine und mittelständische Unternehmen nicht einfach.
Libyen hat eine WTO-Mitgliedschaft beantragt.
Wichtige Wirtschaftszweige
Öl- und Gasproduktion sind das Rückgrat und Hauptzweig der libyschen Wirtschaft. Über 90 Prozent der Einnahmen der libyschen Volkswirtschaft gehen auf Erdölexporte zurück. Daher ist die Wirtschafts- und Haushaltslage von der Entwicklung des Erdölpreises abhängig.
Die Erdölproduktion soll über die nächsten Jahre weiter ausgebaut werden. Auch Erdgas soll verstärkt erschlossen und für den Export bereitgestellt werden.
Die gewerbliche Wirtschaft expandiert weiter, ihre Ausrüstungen spiegeln vielfach einen guten technischen Stand wider. Die privaten Haushalte und die Landwirtschaft profitieren von der Ausbeutung fossiler Grundwasserseen unter der Sahara (Projekt „Großer Künstlicher Fluss“).
Libyen ist mit Straßen gut erschlossen, die aber mangels Unterhalt vielfach in schlechtem Zustand sind. Der Bau einer Eisenbahn entlang der Küste sowie Richtung Süden hat 2009 mit geringem Tempo begonnen. Es gibt Überlegungen, den Tourismussektor stärker zu entwickeln. Bislang vernachlässigte Sektoren (Petrochemie, Banken, öffentliche Verwaltung) sollen ausgebaut oder reformiert werden. Mit BNP Paribas und der Arab Bank (Jordanien) haben ausländische Banken erstmals Beteiligungen an zwei größeren libyschen Banken (Sahara-Bank und Wahda-Bank) erwerben können. Der 2007 eingerichtete „Nationale Wirtschaftsentwicklungsrat“ soll die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Privatwirtschaft beschleunigen.
Außenhandel
Handelszahlen (Quelle: IWF) für 2008 (in Mrd. US-Dollar):
Ausfuhren: 62,0 (plus 24 Prozent)
Einfuhren: 21,7 (plus 18 Prozent)
95 Prozent der Ausfuhren entfallen auf Mineralöl und Derivate. Eingeführt werden hauptsächlich Maschinen, technische Ausrüstungen, Kraftfahrzeuge, Konsumgüter und Nahrungsmittel. Haupthandelspartner sind Italien und Deutschland, die rund 50 Prozent der Exporte aufnehmen und rund 20 Prozent der Importe liefern.