Liberia
Wirtschaft
Stand: Juli 2009
Wirtschaftslage
Die wirtschaftliche Lage Liberias ist auch sechs Jahre nach Ende des Bürgerkriegs noch desolat. Die gesamte materielle und institutionelle Infrastruktur des Landes (Straßen, Elektrizitäts- und Wasserversorgung, Telefon, Post) wurde zerstört und ist bislang erst in Ansätzen wieder aufgebaut worden. Viele Geschäftsleute haben Liberia während des Bürgerkriegs verlassen und sind nicht mehr zurückgekehrt. Dadurch verlor das Land sowohl Kapital als auch wichtige Talente, die nun beim Wiederaufbau fehlen. Die Arbeitslosigkeit liegt immer noch bei ca. 85 Prozent, trotz der zahlreichen Arbeitsplätze, die durch die Friedenstruppen und die Internationalen Organisationen direkt oder indirekt geschaffen wurden. Das Bruttoinlandsprodukt lag 2008 bei 926 Mio. US-Dollar (geschätzt). Liberias Außenhandelsbilanz ist stark negativ. Im Jahr 2008 standen 1.197 Mio. US-Dollar f.o.b. Exporterlösen 7.142 Mio. US-Dollar f.o.b. an Ausgaben für Importe gegenüber. Das Wirtschaftswachstum betrug 2008 9,4 Prozent, die Inflation 11,2 Prozent. (Anmerkung: es gibt keine zuverlässigen Statistiken in Liberia, es existieren daher verschiedene Zahlenangaben.)
Das ökonomische Potenzial Liberias ist hoch. Es herrscht kein Mangel an Wasser, und die Böden sind fruchtbar, weshalb nachhaltige Landwirtschaft möglich ist. Außerdem verfügt Liberia über beachtliche Vorkommen natürlicher Ressourcen, vor allem Kautschuk, Eisenerz, Gold, Diamanten und Holz.
Deutschland ist auch ein wichtiger Handelspartner; dies ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass zahlreiche deutsche Schiffe unter liberianischer Flagge segeln.
Die Aussichten für eine wirtschaftliche Erholung des Landes hängen zum ersten von einer weiteren friedlichen Entwicklung unter der frei gewählten Regierung von Präsidentin Johnson Sirleaf ab. Es gilt als sicher, dass die seit 2003 stationierte 15.000 Mann starke UN-Friedenstruppe (UNMIL) noch einige Jahre in Liberia bleiben wird, um die Lage weiter zu stabilisieren. Die VN sehen bis 2010 eine Reduzierung auf 9.000 UNMIL-Soldaten vor. Die Regierung bemüht sich in Zusammenarbeit mit dem von der internationalen Gemeinschaft eingerichteten Finanz- und Verwaltungskontrollprogramm GEMAP die Korruption zurückzudrängen, damit die noch geringen Einkünfte in vollem Umfang dem Aufbau zugute kommen. In diesem Zusammenhang ist die Aufhebung der VN-Exportsanktionen für Diamanten und Tropenholz zu sehen, wofür die liberianische Regierung eine transparente Verwaltung der Erlöse sicherstellen musste. Im Juni 2006 hat der VN-Sicherheitsrat die Exportsanktionen auf Tropenholz aufgehoben, im April 2007 die Exportsanktionen auf Diamanten.
Wichtigste Wirtschaftszweige
Das liberianische Schifffahrtsregister bleibt mit Jahreseinnahmen von ca. 20 Mio. US-Dollar (eines der größten Register weltweit) eine wichtige Devisenquelle. Nach der Aufhebung der Exportsanktionen für Tropenholz und Diamanten sind auch in diesen, vor dem Bürgerkrieg wichtigsten Wirtschaftszweigen bald wieder bedeutende Einnahmen zu erhoffen. Ferner spielt der Export von Rohkautschuk eine große Rolle (die jetzt im japanischen Besitz befindliche „Firestone“-Plantage ist eine der größten der Welt). Der vor dem Bürgerkrieg wichtige Eisenerzexport ist seither zum Erliegen gekommen, für seine Wiederaufnahme sind umfangreiche Neuinvestitionen notwendig. Der indische Mittal-Konzern nahm Ende Juli 2007 offiziell seine Tätigkeiten in Liberia auf. Rund 1 Mrd. US-Dollar sollen im Eisenerzsektor investiert werden. Weitere Investitionen im Erzbereich sind von chinesischen Firmen zu erwarten. Für die einheimische Wirtschaft ist vor allem die noch weitgehend auf Subsistenzbasis betriebene Landwirtschaft bedeutsam (Reis, Kassawa, Tropenfrüchte).
Umweltpolitik
Der jahrelange Bürgerkrieg in Liberia hatte nicht nur verheerende Folgen für die Bevölkerung, er wirkte sich auch negativ auf die natürlichen Ressourcen und die Artenvielfalt des Landes aus. Die rücksichtslose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen war nicht nur eine der Ursachen der bewaffneten Auseinandersetzungen, sondern auch eine wichtige Finanzquelle für Waffenkäufe aller Bürgerkriegsparteien und damit für die Fortsetzung des Konflikts. Eine nachhaltige Entwicklung kann nur gelingen, wenn fortan neben der Lösung der politischen und sozialen Probleme Liberias auch die natürlichen Reichtümer des Landes wie Edelhölzer, Mineralien, landwirtschaftliche Produkte und tierische und pflanzliche Artenvielfalt verantwortungsvoll und nutzbringend in den Entwicklungsprozess einbezogen werden.
Trotz des 14 Jahre währenden Bürgerkrieges ist Liberia einer Vielzahl internationaler Vereinbarungen im Bereich des Umweltschutzes beigetreten. Das Land verfügt zudem über eine erstaunlich umfassende innerstaatliche Umweltgesetzgebung. Umweltschutz genießt sogar Verfassungsrang.
Es wird jetzt darauf ankommen, diese Gesetze auch mit Leben zu erfüllen und durchzusetzen. Dies dürfte auch mit der Schaffung von Arbeitsplätzen einhergehen und somit dazu beitragen, die über 80 Prozent hohe Arbeitslosigkeit zu reduzieren.
Eine der ersten Amtshandlungen der Übergangsregierung von Chairman Bryant war die Einsetzung einer neuen Umweltbehörde (Environment Protection Agency EPA). Sie soll sich neben der Koordinierung der Arbeit der diversen mit Umweltfragen befassten Ministerien in erster Linie mit dem Schutz und der verantwortungsvollen Bewirtschaftung der wichtigsten Einnahmequelle des Landes, Tropenholz, beschäftigen. Ein wirkungsvoller Schutz der Umwelt kann auch in Liberia nur im regionalen und internationalen Verbund gelingen. Liberia hat die wichtigsten internationalen Abkommen im Umweltbereich gezeichnet, aber bisher kaum umgesetzt.
Liberia hat die Afrikanische Konvention zum Schutz der Natur und der natürlichen Ressourcen ratifiziert. Das Land ist 1981 der Konvention betreffend den grenzüberschreitenden Handel gefährdeter Arten im Tier- und Pflanzenbereich (CITES) beigetreten. Im Jahr 2002 trat Liberia der Konvention betreffend den Schutz des Weltkultur- und Naturerbes, der Rahmenvereinbarung zum Klimaschutz und dem Kyoto Protokoll bei. Im November 2003 trat die Ramsar Konvention betreffend international bedeutsame Feuchtgebiete für Liberia in Kraft. Bisher verfügt Liberia über ein international bedeutsames Feuchtgebiet im Sinne der Ramsar Konvention, „Lahe Liso Wetlands“, das über 76.000 Hektar umfasst. Bald sollen auch die „Marshall Wetlands“ und „The Cestos Sekwehn“ unter den Schutz dieser Konvention fallen.
Liberia hat auch die Konvention betreffend die biologische Vielfalt aus dem Jahr 2000 und das Biosafety Protokoll aus dem Jahr 2002 ratifiziert.
Bereits 1998 trat Liberia der Wüstenschutzkonvention bei.
Auch den Wiener Vereinbarungen zum Schutz der Ozonschicht von 1996 und dem Protokoll von Montreal betreffend Substanzen, die zum Abbau der Ozonschicht führen, ist Liberia beigetreten.
Eine vollständige Liste der für Liberia geltenden internationalen Vereinbarungen im Umweltbereich sowie weitere Detailinformationen können der UNEP Desk Study on the Environment in Liberia entnommen werden.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.