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Landesflagge Libanon
Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2009

Politische Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Libanon sind traditionell freundschaftlich. Das äußert sich in zahlreichen gegenseitigen Besuchen auf höchster und hoher Ebene, so den Besuchen von Ministerpräsident Siniora im Februar 2008, September 2007 und September 2006 in Berlin, einem Besuch von Bundeskanzlerin Merkel im April 2007 sowie Besuchen von Bundesminister Steinmeier im Juli, August und Dezember 2006, im Juni 2008 und im Juli 2009 in Beirut.

Darüber hinaus trafen Bundeskanzlerin Merkel und Bundesminister Steinmeier im Juli 2008 anlässlich der Gründungskonferenz der Union für das Mittelmeer und Bundesminister Steinmeier im September 2008 am Rande der VN-Generalversammlung mit Staatspräsident Michel Sleiman zusammen. 

Dieser hielt sich am 2. und 3. Dezember 2008 zu einem offiziellen Besuch in Berlin auf und führte dort u.a. mit Bundespräsident Köhler und Bundeskanzlerin Merkel Gespräche .

Ausdruck der engen bilateralen Zusammenarbeit sind auch die bis Ende 2009 verlängerte deutsche Teilnahme am UNIFIL-Flottenverband vor der libanesischen Küste (September 2006 bis Februar 2008 und seit 1.9.2009 unter deutscher Führung), die Beratungsmission (Bundespolizei und Zoll) zur Unterstützung der Sicherung der libanesischen Grenze, sowie die Maßnahmen der humanitären Hilfe, der Wiederaufbauhilfe nach den Kriegszerstörungen im Sommer 2006 und der Hilfe zum Wiederaufbau des Palästinenserlagers Nahr al-Bared nach dessen Zerstörung im Sommer 2007.

Wirtschaftsbeziehungen

Libanon ist ein kleiner, aber für die deutsche Wirtschaft interessanter Exportmarkt. Deutschland war 2008 nach den USA, Frankreich, China und Italien der fünftgrößte Lieferant von Waren in den Libanon. Die deutsche Wirtschaft lieferte Güter im Wert von 1,03 Mrd. US-Dollar (ca. 6 Prozent aller libanesischen Importe). Nach vorläufigen Zahlen für die ersten drei Quartale 2009 nimmt Deutschland nun sogar den vierten Rang unter den Lieferländern ein. Dagegen exportierte Libanon nur Produkte im Wert von 34 Mio. US-Dollar (ca. 1 Prozent aller libanesischen Ausfuhren) nach Deutschland.

Deutschland exportiert vor allem Kraftfahrzeuge und Kfz-Ersatzteile, Maschinen und chemische Produkte nach Libanon. Der Libanon führt insbesondere Lebensmittel sowie Textilien nach Deutschland aus. Trotz der starken Position im Handel gibt es bisher kaum deutsche Direktinvestitionen in Libanon.

Mindestens 300 libanesische Firmen nehmen in Libanon deutsche Wirtschaftsinteressen wahr. Zwischen Frankfurt und Beirut bestehen täglich direkte Flugverbindungen, in den Sommermonaten üblicherweise auch zu weiteren deutschen Zielen. Deutsche Unternehmen engagierten sich in der Anfangsphase des Wiederaufbaus nach dem Bürgerkrieg (1975-2000) in erheblichem Umfang, z.B. beim Flughafen- und Kraftwerksbau, der Errichtung eines Mobiltelefonnetzes oder beim Universitätsneubau. Ein bilaterales Investitionsschutz- und -förderabkommen trat am 25. März 1999 in Kraft.

Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland hat nach dem Krieg im Juli 2006 seine im Auslaufen begriffene Entwicklungszusammenarbeit (EZ) mit dem Libanon wieder aufgenommen und noch 2006/2007 Neuzusagen als Zuschuss im Wert von 44 Mio. Euro gemacht. Für den Zeitraum 2006-2009 summiert sich die bilaterale deutsche EZ mit dem Libanon auf insgesamt 71,2 Mio. Euro.

Schwerpunkte sind der Wasser- und Abwassersektor, die duale Berufsausbildung mit Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen, sowie Umweltschutz. Deutschland fördert im Rahmen der Wiederaufbauhilfe für das bei Kämpfen im Sommer 2007 zerstörte palästinensische Flüchtlingslager Nahr Al-Bared (s.u.) auch einen 12 km langen Abwasserhauptsammler, der sowohl der Bevölkerung des Lagers als auch den benachbarten libanesischen Gemeinden zugute kommen wird.

In den Jahren vor 2006 stellte Deutschland dem Libanon bilateral insgesamt rund 42,3 Mio. Euro als zinsgünstige Kredite im Rahmen der Finanziellen Zusammenarbeit und rund 23,2 Mio. Euro als Leistungen in Form von Erhaltungsmaßnahmen bzw. Lieferung von Materialien im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit im engeren Sinne zur Verfügung, den deutschen Finanzierungsbeitrag an EU-Maßnahmen nicht eingerechnet. Hinzu kam ein Betrag von ca. 132 Mio. Euro im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit im weiteren Sinne (Projekte über kirchliche Organisationen, Nichtregierungsorganisationen etc.).

Ein bilaterales Rahmenabkommen zwischen Deutschland und dem Libanon im Bereich der Wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung besteht nicht.

Wiederaufbau des Flüchtlingslagers Nahr el-Bared sowie Hilfe für palästinensische Flüchtlinge

Der Wiederaufbau des im Sommer 2007 bei Kämpfen zwischen Armee und islamischen Extremisten völlig zerstörten palästinensischen Flüchtlingslagers Nahr el-Bared und angrenzender libanesischer Gemeinden wird nach Weltbank- und UNRWA-Schätzungen insgesamt etwa 445 Mio. USD kosten. Bislang konnte etwa die Hälfte der Bewohner provisorisch in die Randgebiete des Lagers zurückkehren, Kampfmittel- und Schuttbeseitigung sind nahezu abgeschlossen. Deutschland hat 2007/2008 für Humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau des Lagers und der Umgebung Unterstützung in Höhe von insgesamt 20,7 Mio. Euro geleistet: 16 Mio. Euro aus der laufenden bilateralen Zusammenarbeit für Wasserversorgung/Abwasserentsorgung der Lager Nahr el-Bared und Beddawi sowie umliegender Gemeinden, 2 Mio. Euro für ein UNRWA-Berufsschulzentrum, 2,4 Mio. Euro humanitäre Hilfe für die aus dem umkämpften Lager Nahr el-Bared geflohenen Palästinenser.

Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen zwischen dem Libanon und Deutschland sind traditionell sehr eng und vielfältig. Schwerpunkte der kulturellen Zusammenarbeit sind neben dem Ausbildungs- und Hochschulbereich der Kulturerhalt und archäologische Forschungen. Ein bilaterales Kulturabkommen wurde am 9. April 2003 unterzeichnet, bisher aber von libanesischer Seite nicht ratifiziert.

In Libanon sind zahlreiche deutsche Kulturinstitutionen vertreten:

  • das Goethe-Institut in Beirut mit Außenstelle in Tripoli (Dialogpunkt Deutsch)

  • das Orient-Institut der DGIA (Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland)

  • der Deutsche Akademische Austauschdienst mit einem Lektor für die deutsche Sprache an der Universität St. Joseph

  • das Deutsche Archäologische Institut mit der historischen Ausgrabungsstätte in Baalbek 

  • die Deutsche Evangelische Gemeinde Beirut

  • die Deutsche Schule mit verstärktem Deutschunterricht (mit Kindergarten) in Doha (Süd-Beirut)

  • die Deutsche Schule mit verstärktem Deutschunterricht (mit Kindergarten) in Jounieh

  • Repräsentanzen der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Heinrich-Böll-Stiftung

  • die vom Evangelischen Missionswerk Südwestdeutschland unterstützte Schneller-Schule (inkl. Gewerbeschule) in Khirbet Kanafar (Bekaa-Ebene)die Neuapostolische Kirchengemeinde in Sin el-Fil, Beirut

  • die Vereinigung Deutschsprachiger Frauen in Libanon

  • die von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) unterstützte berufsbildende Amilieh-Schule in Bourj el-Barajneh (Süd-Beirut)

  • die Deutsch-Libanesische Vereinigung zur Förderung der Kultur in Jounieh

  • das Deutsch-Libanesische Begegnungszentrum Dar as-Salam in Wardaniyeh im Schuf-Gebirge



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Aktuelles

Nahost-Konflikt

Die Kämpfe im Sommer 2006, UNIFIL-Mission und Hilfe zum Wiederaufbau

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Beirut

Irene Plank
Tel.: (00961) 4-929 600
Fax: (00961) 4-929 616 eMail
www.beirut.diplo.de

Humanitäre Hilfe im Libanon

Copyright: UNHCR/ C. Lau, Juli 2006

Deutschland unterstützt die Opfer von Krieg und Gewalt im Libanon

Hopfenanbau in Libanon

In der Bekaa-Ebene in Libanon wird mit deutscher Unterstützung versuchsweise Hopfen angebaut. Mehr hören auf www.swr.de

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