Kuwait
Wirtschaftspolitik
Stand: Oktober 2009
Wirtschaftslage
Über die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts sowie das Gros der Exporterlöse und der Regierungseinnahmen werden im Ölsektor generiert. Zusätzlich sichern beträchtliche staatliche und private Auslandsinvestitionen hohe Einkünfte. Mit – laut OPEC - nachgewiesenen Ölreserven von 101,5 Mrd. Barrel die insgesamt knapp 9 Prozent der Gesamtweltölreserven darstellen, liegt Kuwait weltweit hinter Saudi-Arabien, Irak, Iran und ungefähr gleichauf mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Rohöl-Förderkapazität beträgt 2,6 Millionen Fass pro Tag (bpd). Das statistische Bruttoinlandsprodukt betrug 2008 pro Kopf rund 40.000 US-Dollar. Angesichts der großen Zahl geringverdienender Ausländer liegt das Pro-Kopf-Einkommen der kuwaitischen Staatsangehörigen wesentlich höher.
Wirtschaftsstruktur
Das Wirtschaftssystem Kuwaits ist grundsätzlich marktwirtschaftlich orientiert, jedoch wird die kuwaitische Wirtschaft vom Staat und der verstaatlichten Ölindustrie dominiert. Über 80 Prozent der kuwaitischen Arbeitskräfte sind im öffentlichen Sektor beschäftigt. Es gibt (praktisch) keine Steuern. Alle öffentlichen Dienste und Sozialleistungen werden direkt vom Staat finanziert.
Kuwait betreibt eine offene Handelspolitik mit freiem Devisenverkehr, nur geringen Einfuhrzöllen und einem Minimum an Anforderungen für Einfuhrgenehmigungen. Auf Nahrungsmittel, landwirtschaftliche Produkte oder wichtige Konsumgüter werden keine Zölle erhoben. Die Einfuhr von Schweinefleisch und Alkohol ist verboten; gleiches gilt für Nahrungsmittel und Getränke, die derartige Bestandteile enthalten. Der Gipfel des Golf-Kooperationsrates (GCC) beschloss im Dezember 2007 Freihandel im Rahmen des Gemeinsamen Marktes. Über ein Freihandelsabkommen mit der EU wird seit langem verhandelt.
Wachstum des BIP
Das wesentlich auf den Erlösen durch den Ölexport beruhende Bruttoinlandsprodukt weist erhebliche jährliche Schwankungen in Abhängigkeit vom Erdölpreis auf. Es betrug 2008 etwa 148,8 Mrd. US-Dollar. Das Wirtschaftswachstum wird für 2008 auf ca. 8,5 Prozent geschätzt.
Entwicklung des Staatshaushalts
Trotz des im zweiten Halbjahr 2008 stark gesunkenen Ölpreises wird KWT auch das Haushaltsjahr 2008/2009 mit einem beachtlichen Überschuß von ca. 9,94 Mrd. US Dollarabschließen . Auch im Haushaltsjahr 2009/2010 ist mit einem Überschuss in der Staatskasse zu rechnen, der sogar größer ausfallen könnte als im Haushaltsjahr 2008/2009 (Grund ist der dem Haushaltsansatz zugrunde liegende konservativ geschätzte Ölpreis von 35 US Dollar/ Barrel).Der Exportüberschuss belief sich 2008 auf ca. 64 Mrd. USD.Haupteinnahmequelle (94 Prozentder Gesamteinnahmen) blieben die Erlöse aus der Erdölförderung. Der größte Teil der Überschüsse wird regelmäßig zur Zukunftssicherung über den sogenannten "Reserverfonds für zukünftige Generationen" international angelegt.
Inflation
Die Preissteigerungsrate 2008 stieg nach Schätzungen des IWF 2008 auf etwa 10,5 Prozentan, ist inzwischen aber rückläufig.
Währungspolitik, Devisengesetzgebung
Es gibt keine Beschränkungen des Devisenverkehrs. Auf den An- oder Verkauf von Devisen werden keine Steuern oder Abgaben erhoben. Im Mai 2007 hat die Zentralbank die Dollarbindung des Kuwaitischen Dinar (KD) aufgegeben und ist zu einem Währungskorb zurückgekehrt, dessen genaue Zusammensetzung nicht bekannt gegeben wird. In den übrigen GCC Staaten wird die Dollarbindung dagegen noch aufrecht erhalten.
Wichtigste Wirtschaftszweige
Die Volkswirtschaft Kuwaits wird von den Einkünften aus dem Verkauf von Rohöl und Ölprodukten dominiert. Erdöl ist der wichtigste Rohstoff und dominierender Wirtschaftsfaktor des Staates Kuwait. Die Einnahmen aus dem Ölsektor bilden seit Jahren mit einem Anteil von inzwischen über 90 Prozent den bedeutendsten Posten der Staatseinnahmen. Das Land sieht seine industrielle Zukunft im Ausbau der heimischen Raffineriekapazitäten und im Aufbau einer petrochemischen Industrie. Bemühungen, die einseitige Ausrichtung der Wirtschaft auf den Ölsektor durch Förderung nicht-ölbezogener Aktivitäten zu verringern, haben bislang jedoch nur marginal zu einer Diversifizierung beigetragen. Lediglich der Finanzsektor sowie die Bereiche Telekommunikation und Logistik haben in den vergangenen Jahren ein nachhaltiges Wachstum erfahren.
Außenwirtschaft
Investitionsbedingungen
Zur Diversifizierung der Wirtschaft ist die kuwaitische Regierung um verstärkte ausländische Investitionen bemüht. Früher waren ausländische Direktinvestitionen nur bei kuwaitischer Mehrheitsbeteiligung in Form von Joint Ventures möglich. Dies, der vergleichsweise kleine Binnenmarkt des Landes und bürokratische Hemmnisse haben bisher ausländische Investoren eher zurückgehalten.
Das Gesetz zur Regelung ausländischer Direktinvestitionen, das am 22.04.2001 in Kraft getreten ist, soll Kuwaits Attraktivität für ausländische Investoren erhöhen. Das Gesetz lässt Joint Ventures zu, bei denen der ausländische Partner die Mehrheit der Anteile hält. Die Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz sind Ende 2003 in Kraft getreten. Bislang haben sich nach diesem Gesetz nur 13 Firmen angesiedelt.
Im Dezember 2007 beschloß das Parlament eine Steuerreform, die am 1.4.2008 in Kraft trat. Der bislang für ausländische Firmen geltende Steuersatz wurde von bis zu 55 Prozent auf 15 Prozent abgesenkt.
Ausländische Investitionen in der Ölförderung sind weiterhin nicht zugelassen. Grundbesitz und Investitionen im Immobiliensektor sind Kuwaitis und Staatsangehörigen von GCC-Staaten vorbehalten.
Infrastruktur- und Privatisierungsvorhaben
Es herrscht grundsätzlich Konsens darüber, dass die Rolle des privaten Sektors gestärkt werden muss, um Arbeitsplätze für Kuwaitis zu schaffen. Allerdings ist die Regierung bislang nicht über die Phase des Verkaufs von Anteilen an einigen Staatsunternehmen hinausgekommen.
Messeaktivitäten
Die meisten kuwaitischen Messen sind von lokaler Bedeutung, konzentrieren sich eher auf Konsum- als auf Investitionsgüter und sprechen vor allem den Endverbraucher an. Kuwaitische Geschäftsleute informieren sich auf Messen in den regionalen Wirtschaftszentren (Dubai, Abu Dhabi, Djidda) und insbesondere in Deutschland (CeBIT, Hannover-Messe, Anuga, GDS, Igedo, Drupa). Interessant könnte die für Januar 2010 geplante neue "Kuwait Medical Exhibition 2010" werden.
Ausfuhrhandel
Kuwait hat im Jahr 2008 Waren im Wert von ca. 87 Mrd. US Dollar ausgeführt, davon 95 Prozent Rohöl und Ölprodukte. Der Wert der Importe betrug im gleichen Zeitraum etwa 23 Mrd. US Dollar. Kuwait erzielte somit einen Handelsüberschuss von ca. 64,8 Mrd. US Dollar. Wichtigste Importgüter waren Maschinen und Fahrzeuge, Endprodukte, Nahrungsmittel und lebende Tiere sowie Chemikalien.
Deutschland lag 2008 bei den Importen Kuwaits mit einem Warenwert von 1,293 Mrd. Euro nach den USA und Japan voraussichtlich an dritter Stelle. Hauptabnehmer kuwaitischer Exporte (vorwiegend Rohöl) sind Japan, Südkorea, Singapur und die USA.
Mitgliedschaft in regionalen Wirtschaftsgruppierungen
Kuwait ist Mitglied des Golf-Kooperationsrates (GCC), des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Welthandelsorganisation (WTO), der Weltbank, der OPEC und der OAPEC (Organization of Arab Petroleum Exporting Countries) und Signatarstaat von IRENA.
Umweltpolitik
Kuwait ist den wichtigsten internationalen Konventionen im Bereich des Umweltschutzes beigetreten. Die 1995 gegründete "Environment Public Authority (EPA)" ist bemüht, Behörden und Bevölkerung für Fragen des Umweltschutzes und der Energieeinsparung zu sensibilisieren. Da Strom und Wasserpreise jedoch stark subventioniert sind, bleiben die Appelle im Regelfall ohne praktische Relevanz. Die Notwendigkeit von Emissionsschutzmaßnahmen in der Ölindustrie, umweltgerechtere Abfallbeseitigung und die Reinigung von Abwässern wird zunehmend erkannt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.