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Landesflagge Kuba
Wirtschaft

Stand: Oktober 2009

Wirtschaftslage 

Kuba geriet Anfang der 90er Jahre aufgrund des Verlustes seiner wichtigsten Wirtschaftspartner nach dem Zusammenbruch des Ostblocks in eine schwere Wirtschaftskrise („Período Especial“). Das Bruttosozialprodukt schrumpfte in den Folgejahren um rund 35%. Die Lebensverhältnisse der Kubaner verschlechterten sich dramatisch. Das Land erholt sich nur langsam von diesem Einbruch – nicht zuletzt dank der vor allem ideologisch begründeten Partnerschaft mit Venezuela, das Kuba die Deckung seines Energiebedarfs weit unter den Weltmarktpreisen ermöglicht - und Kuba durch Direktinvestitionen in seine Infrastruktur und durch die Beschäftigung von Ärzten und Lehrern aus Kuba unterstützt.

Die Staatsführung unter Raúl Castro hat Mitte 2007 eine Debatte zugunsten der Stärkung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Kubas begonnen. Sie hält dabei weiter am Sozialismus und insbesondere an einer zentralen Planung aller Wirtschaftsabläufe fest, will jedoch Leistungselemente und eine Stärkung der Rolle der Privatbauern einführen. Ein Übergang zu Marktwirtschaft und zu mehr Privateigentum wird abgelehnt, die VR China und Vietnam sind derzeit noch kein Vorbild. Hinter dieser Linie ist jedoch der bewahrende Einfluss Fidel Castros erkennbar.

Jegliche Analyse der kubanischen Volkswirtschaft leidet jedoch unter dem Fehlen verlässlicher Daten. Weltbank und IWF-Daten stehen nicht zur Verfügung, da Kuba dort nicht Mitglied ist. Die von der kubanischen Regierung gelieferten Daten sind wegen der systembedingten Distorsionen (Subventionen und autonome Lohnfestsetzung) nur schwer nachvollziehbar.

Hauptcharakteristika der kubanischen Volkswirtschaft

Die kubanische Wirtschaft ist eine sozialistische Planwirtschaft. Sie ist in Staatsunternehmen organisiert, die 13 Fachministerien unterstehen. Daneben bestehen über 200 Joint Ventures und Internationalen Wirtschaftsassoziationen mit ausländischen Firmen (darunter 4 mit deutschen Unternehmen) und ca. 90.000 selbständig tätigen Personen („cuenta-propistas“). Der informelle Sektor ist groß, genaue Angaben hierüber oder Schätzungen liegen nicht vor.

Die kubanische Staatswirtschaft ist gekennzeichnet von einer Dekapitalisierung großen Ausmaßes in den Bereichen Infrastruktur, Industrie und Landwirtschaft. Entsprechend niedrig sind Produktivität und teils auch Qualität in diesen Bereichen, was hohen Einfuhrbedarf bedingt. Tragende Säulen der kubanischen Wirtschaft sind heute die Grundstoffindustrie (v. a. der Abbau von Nickel und Kobalt mit Exporterlösen von ca. 2 Mrd. USD) und der Dienstleistungssektor, vor allem im Bereich Tourismus sowie der Export von medizinischen Leistungen.

Kuba muss heute den weit überwiegenden Teil (80%) seines Lebensmittelbedarfs importieren. Hauptgrund hierfür sind die geringen Freiräume für unternehmerische Initiative, da die staatlich festgelegten Lebensmittelpreise wenig attraktiv für die privaten Erzeuger sind. Hinzu kommen eine schlechte Infrastruktur sowie administrative Fehlentscheidungen. Die kubanischen Lebensmittelimporte allein aus den USA, gegen Vorauskasse, beliefen sich 2008 auf über 700 Mio. USD.

Kuba, einst größter Rohzuckerproduzent der Welt, hat seine Anbaufläche seit 2003 um 60% reduziert und die Hälfte der Zuckermühlen geschlossen. Erst seit die Zuckerpreise weltweit wieder steigen, zeichnete sich eine Trendwende ab.

Nickel ist mit einer Produktion von ca. 76.000 Tonnen (2007) der wichtigste in Kuba gewonnene Rohstoff. Die Produktion ist 2008 weiter gestiegen, stark fallende Preise auf dem Weltmarkt haben jedoch in diesem wichtigen Exportzweig für erhebliche Einbußen gesorgt.

Energie: Bis in die 90er Jahre konnte Kuba fast seinen gesamten Energiebedarf durch Ölimporte aus der Sowjetunion zu Vorzugskonditionen decken. Mit der seitdem aufgenommenen on-shore-Förderung von Erdgas und Erdöl (hoher Schwefelgehalt) deckt Kuba heute etwa die Hälfte seines Bedarfs (75.000 barrels/Tag). Der Rest wird zu Vorzugspreisen und –bedingungen aus Venezuela geliefert. Die off-shore Förderung befindet sich in der Erkundungsphase, erste Explorationskontrakte wurden vergeben (China, Vietnam, Brasilien).

Die Stromversorgung hat sich aufgrund umfangreicher Investitionen 2006 stark verbessert, weist jedoch immer noch umfangreichen Erneuerungsbedarf auf. Von den Investitionen konnten auch deutsche Lieferanten profitieren: Die Exporte deutscher Hersteller beliefen sich in diesem Bereich aufgrund eines Großauftrags 2006 auf über 200 Mio. Euro.

Der größte Teil der in Kuba verbrauchten Industriegüter muss importiert werden. Zuwächse verzeichnen lediglich die Pharmaindustrie und der Biotechnologiesektor, die Getränke- und Tabakproduktion sowie die Raffinierung von Rohöl.

Das veraltete Verkehrsnetz und der Transport der Bevölkerung ist einer der Hauptengpässe der kubanischen Wirtschaft und wurde 2007/8 zu einem der Hauptinvestitionsschwerpunkte erklärt. Seither haben der Kauf chinesischer Lokomotiven und Überland-Reisebusse zu einer spürbaren Entspannung geführt. 2007 wurden mehr als 5.000 Busse aus chinesischer Produktion beschafft.

Dienstleistungen sind heute der wichtigste Wirtschaftssektor Kubas.Sie umfassen sowohl den Tourismus als auch die Entsendung von Tausenden von Ärzten und Lehrern ins Ausland.

Der Export von medizinischen Leistungen – sowohl Behandlung ausländischer, vorwiegend zentral- und lateinamerikanischer Patienten auf Kuba, als auch die Entsendung von Ärzten und medizinischem Fachpersonal (über 30.000) ins Ausland, vor allem nach Venezuela, ist heute eine der wichtigsten Devisenquellen des Landes.

Wirtschaftliche Lage der Bevölkerung

Eines der Hauptdilemmata der kubanischen Volkswirtschaft sind die ungenügenden Leistungsanreize für die arbeitende Bevölkerung. Sie wird überwiegend in „moneda nacional“ bezahlt (Durchschnittseinkommen umgerechnet ca. 15 Euro), kann aber einen großen Teil ihrer Grundbedürfnisse nur in konvertibler Währung und zu Preisen decken, die deutlich über den Vergleichspreisen in Europa oder den USA liegen. Der Anteil der staatlichen Arbeitseinkommen am Gesamteinkommen kubanischen Familien ist seit den 90er Jahren deutlich zurückgegangen. Der Lebensstandard einer kubanischen Familie wird heute weitgehend durch den Zugang zu konvertibler Währung (rund 40% der Bevölkerung erhalten Überweisungen ihrer im Ausland lebenden Verwandten, Arbeit im Tourismus, Joint Ventures) und andere Einkommensquellen bestimmt. Das Konzept der „absoluten Armut“ (weniger als 1 USD/ Tag) ist auf Kuba allerdings nicht übertragbar, da die Grundnahrungsmittel, sowie die Preise für Wasser, Strom und Gas stark subventioniert werden und das Gesundheits- und Bildungssystem kostenlos sind.

Außenwirtschaftliche Verflechtung

Der außenwirtschaftliche Verflechtungsgrad Kubas ist insgesamt nach wie vor gering. Die wichtigsten Handelspartner sind Venezuela, China und Kanada.

Herausragende Exportprodukte sind neben Nickel medizinische und biotechnologische Erzeugnisse, Tabak, Zucker und Derivate. Der Ausbau der Biotechnologie ist eine der wirtschaftlichen Prioritäten des Landes. Herausragende Importprodukte sind Erdöl sowie Agrarprodukte/Lebensmittel.

Als Land mit schwacher industrieller Basis hat Kuba ein ausgeprägtes Handelsbilanzdefizit, das Leistungsbilanzdefizit ist hingegen geringer, was zum einen den Auswanderer-Überweisungen zu verdanken ist, vor allem aber dem hohem Devisenzufluss im Dienstleistungsbereich. Bei den Überweisungen von Familienangehörigen durch die Kubano-Amerikaner ist nach der Aufhebung der Beschränkungen durch die neue US-Administration mit Steigerungsraten zu rechnen. 

Der kubanische Außenhandel mit Lateinamerika ist vor allem aufgrund der wachsenden Außenhandelsverflechtungen zu Venezuela gestiegen, gute Chancen ergeben sich auch aufgrund neuer Abkommen mit Brasilien und Mexiko.

Im Jahr 2008 exportierte Kuba Waren und Dienstleistungen in Höhe von 41,0 Mio. Euro nach Deutschland und importierte Waren und Dienstleisungen in Höhe von 204,7 Mio. Euro aus Deutschland.

Kuba ist Mitglied der Welthandelsorganisation, aber nicht beim Internationalen Währungsfond (IWF), der Weltbank und bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Kuba favorisiert gemeinsam mit Venezuela eine engere Kooperation der lateinamerikanischen Staaten untereinander im Rahmen der „Alianza (früher: Alternativa) Bolivariana para las Américas“ (ALBA), der neben Venezuela und Kuba noch Nicaragua und Bolivien angehören.

Die Auslandsverschuldung (öffentlich und privat) liegt bei ca. 16 Mrd. USD. Seit Sommer 2008 ergaben sich jedoch aufgrund des Preisverfalls bei Nickel und des Preisanstiegs bei den Nahrungsmittelimporten Zahlungsprobleme, die zur Aushandlung von Moratorien und z.T erheblichen Außenständen bei internationalen Unternehmen führten.

Die Zahl der Joint Ventures und der sog. Internationalen Wirtschaftsassoziationen (dabei behalten die Geschäftspartner ihre juristische Eigenständigkeit) und andere Kooperationsformen fiel von über 400 (2003) auf 211 (2008). Die größten Auslandsinvestitionen in Kuba sind im Bereich der Nickel- und Erdölförderung zu verzeichnen (Kanada, Spanien, China, Indien). Nach jüngsten Absichtserklärungen von Raúl Castro sollen wirtschaftliche Kooperationen mit ausländischen Unternehmen allerdings wieder gefördert werden.

Kubanische Wirtschaftspolitik 2008/9

Unter der derzeitigen Staatsführung bleibt Kuba, prinzipiell beim Konzept einer sozialistischen Planwirtschaft, in der politische Ziele Vorrang vor ökonomischen Erwägungen haben.

Die kubanische Führung sieht sich nicht zuletzt durch die Überwindung der schweren Wirtschaftskrise in ihrem Kurs bestätigt, die durch den Rückzug des Hauptsponsors Sowjetunion Anfang der 90er Jahre ausgelöst worden war. Ursächlich für die Überwindung der Wirtschaftskrise waren vor allem:

  • die umfangreiche Unterstützung Venezuelas mit Öllieferungen deutlich unter dem Weltmarktpreis, aber auch mit Krediten, Investitionsvorhaben und der Beschäftigung kubanischen Fachpersonals,
  • dreistellige Millionenkredite Chinas u.a. für den Kauf chinesischer Investitions- und Konsumgüter
  • die Hoffnung auf die Entdeckung und Erschließung eigener off-shore-Ölfelder in den kommenden Jahren.

Mitgeprägt wurde diese optimistische Selbsteinschätzung durch die seinerzeit hohen Weltmarktpreise für Nickel, die insgesamt guten Ergebnisse im Tourismus, den erfolgreichen Export von Dienstleistungen im Gesundheitssektor sowie die Hoffnung auf steigende internationale Wettbewerbsfähigkeit kubanischer Biotechnologie und Softwareentwicklungen. Allerdings sind die Preise für Nickel 2008 extrem eingebrochen und der Tourismussektor liefert nicht mehr so hohe Erträge, da die Versorgung der Touristen immer kostspieliger wird. Gleichzeitig ist Kuba gezwungen, immer mehr Geld für Lebensmittel auszugeben, da die Preise auf dem Weltmarkt stark angestiegen sind und die Produktion im Land selbst bei weitem nicht ausreicht. 

Kuba ist deshalb seit der zweiten Jahreshälfte 2008 in erhebliche Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Krise bestätigt augenscheinlich den Reformkurs Raúl Castros, der vor allem auf eine Ankurbelung der Nahrungsmittelproduktion durch Stärkung des im nationalen Vergleichs mit Abstand stärksten Privatsektors abzielt.

Die Kontrollfunktion der Zentralbank und der Ministerien ist stark, gewährt allerdings ausländischen Partnern auch mehr Zahlungssicherheit. Ausländische Investitionen werden begrenzt auf wenige große, leichter zu kontrollierende Projekte.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Havanna
Dr. Volker Pellet
Tel.: (00537) 8332569
Fax: (00537) 8331586  eMail
www.havanna.diplo.de

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