Kroatien
Wirtschaftspolitik
Stand: Oktober 2009
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Kroatien ist ein Transitionsland mit klarer Orientierung zu einer überwiegend privatwirtschaftlich strukturierten Marktwirtschaft. Die wirtschaftliche Lage des Landes ist seit 2000 durch eine zunehmende Erholung gekennzeichnet, aber die globale Finanzkrise und ihre Folgen in Kroatien führten Ende 2008 und im Jahr 2009 zur Verlangsamung des BIP-Wachstums und der bisherigen positiven Wirtschaftstrends in Kroatien. Im Jahr 2008 betrug das BIP-Wachstum 2,4 Prozent (Vorjahr: + 5,5 Prozent), die Inflationsrate 6,1 Prozent bei steigender Tendenz (Vorjahr: + 2,9 Prozent). Die Arbeitslosenquote ist hoch, aber insgesamt rückläufig: 2008 betrug sie nach ILO-Kriterien 8,4 Prozent (Vorjahr: 9,6 Prozent). Liquiditätsmangel, fehlende Rechtssicherheit, eine stark defizitäre Sozialversicherung, Produktivitätsrückstände und ein immer noch großer Bestand an staatlichen Betrieben, deren Privatisierung nicht im erwünschten Maß vorankommt, sind immer noch Probleme, die es zu bewältigen gilt.
Wirtschaftssektoren
Zur Entstehung des Sozialproduktes trugen im Wesentlichen bei: verarbeitende Industrie, Versorgung mit Energie, Gas und Wasser, Bergbau, Finanzdienstleistungen und Immobilienwirtschaft, öffentliche Verwaltung, Gesundheit und Ausbildung, Handel, Verkehr, Transport und Kommunikation, Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei, Bauwesen sowie Hotels und Restaurants. Der Tourismussektor als Querschnittsbereich erwirtschaftet allein rund 20 Prozent des BIP.
In der verarbeitenden Industrie dominiert die Nahrungsmittelindustrie, gefolgt von der Verlags- und Druckindustrie, der Produktion nichtmetallischer Mineralprodukte, der chemischen Industrie, der Herstellung von Metallprodukten, der Transportmittelherstellung, der Herstellung von elektrischen Maschinen und Geräten, sowie der Holzverarbeitung und –herstellung.
Der Tourismus, der an der dalmatinischen Küste seit Jahrzehnten eine wichtige Einnahmequelle ist und in den Neunzigerjahren stark zurückgegangen war, hat sich seit 2000 wieder belebt. Mit 11,26 Mio. Touristen im Jahr 2008 wurde der Vorkriegsstand um fast 3 Mio. Besucher übertroffen. Für das kommende Jahr werden wegen der Wirtschaftskrise keine bedeutsamen Zuwächse erwartet. Die regionalen Unterschiede bei der Wirtschaftskraft sind beträchtlich. Das Hinterland Dalmatiens und die gebirgige Grenzregion zu Bosnien und Herzegowina liegen hinter dem relativ wohlhabenden Nordkroatien (Istrien und Zagreb) deutlich zurück.
Außenhandel
Rund 65 Prozent des Außenhandels wird mit den Staaten der Europäischen Union abgewickelt. Wichtigste Handelspartner nach Außenhandelsumsatz waren 2008 Italien, Deutschland, Russland, Bosnien und Herzegowina und Slowenien. Das traditionelle Defizit der Handelsbilanz wird durch Einnahmen aus dem Tourismus und durch Überweisungen von Auslandskroaten teilweise kompensiert. Wichtigste Exportgüter sind Schiffe, Maschinenbauerzeugnisse, elektrische und elektronische Komponenten sowie Textilien; dabei besteht ein hoher Anteil an lohnveredelten Produkten.
Die Auslandsverschuldung lag Ende Dezember 2008 bei 39,1 Mrd. Euro (82,6 Prozent des BIP). Sie hat sich damit trotz zahlreicher Interventionen der Nationalbank seit 2001 mehr als verdreifacht und gibt Anlass zur Besorgnis. Die Bedienung der öffentlichen Auslandsschulden erfolgt bisher pünktlich. Die Leistungsbilanz weist für 2008 ein Defizit von 9,3 Prozent des BIP auf. Die Devisenreserven der Kroatischen Nationalbank beliefen sich Ende 2008 auf 9,1 Mrd. Euro und deckten die Importe von 6 Monaten ab.
Ausländische Investitionen
Im Zeitraum 1993 bis Ende 2008 beliefen sich die Auslandsinvestitionen auf insgesamt etwa 21,1 Mrd. Euro, der deutsche Anteil daran beträgt rund 12,6 Prozent, an dritter Stelle nach Österreich und den Niederlanden. Für die kommenden Jahre wird ein leichter Rückgang prognostiziert.
Ausländische Kapitalanlagen gingen besonders in die Branchen Geld- und Kreditwirtschaft, pharmazeutische Industrie, Telekommunikation, Immobilienswirtschaft, Herstellung von Erdölderivaten, Erdöl- und Gasförderung sowie Hotel- und Gastgewerbe. Der größte deutsche Investor ist die Deutsche Telekom, die eine 65-prozentige Mehrheit an der Kroatischen Telekom hält. Ursache für die Zurückhaltung ausländischer Investoren sind die im Vergleich zu anderen südosteuropäischen Staaten relativ hohen Produktionskosten, eine ineffiziente Verwaltung und Probleme bei der Durchsetzung von Rechtsansprüchen. Zudem leidet die Wettbewerbsfähigkeit kroatischer Erzeugnisse unter der überbewerteten Landeswährung Kuna und Produktivitätsrückständen im Vergleich mit anderen europäischen Ländern.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.