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Landesflagge Kongo (Demokratische Republik Kongo)
Wirtschaftspolitik

Stand: Oktober 2009

Wirtschaftsstruktur

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der ärmsten Länder der Erde. Das pro Kopf Bruttoinlandsprodukt (Kaufkraftbereinigt, 2008) beträgt ca. 300 US-Dollar. Der kongolesische Human Development Index liegt bei 0.361 (2006), das ist Platz 177 von 179 erfassten Staaten. Verlässliche Statistiken zu Armut und Arbeitslosigkeit gibt es nicht, doch muss man davon ausgehen, dass ein Großteil der Bevölkerung im informellen Sektor oder in der Subsistenzwirtschaft beschäftigt ist.

Wachstum und Weltwirtschaftskrise

Seit Einrichtung der ersten Übergangsregierung im Jahre 2002 und bis 2007 verzeichnete das kongolesische Brutto-Inlandsprodukt (BIP) eine stetig steigende Wachstumsrate von bis zu 7 Prozent und lag damit deutlich über dem weltweiten Durchschnitt. Allerdings geht dies von einer sehr niedrigen Basis aus, die von Jahrzehnten der Misswirtschaft und Bürgerkrieg herrührt. Wachstumsimpulse kommen aus dem Bergbausektor (ca. 27 Prozent), dem Handel (ca. 22 Prozent) und dem Baugewerbe (ca. 21 Prozent).

Wie die meisten Staaten in Afrika südlich der Sahara blieb die Demokratische Republik Kongo aufgrund des sehr niedrigen Entwicklungsniveaus seines finanziellen Sektors von den ersten Auswirkungen der Weltfinanzkrise weitgehend verschont, bekam aber die Sekundäreffekte in Form von Preisverfall ihrer Hauptexportgüter umso heftiger zu spüren. Seit Oktober/November 2008 sind daher gravierende Negativentwicklungen der wichtigsten ökonomischen Indikatoren zu beobachten. Dies hatte dramatische Konsequenzen für den Staatshaushalt; Weltbank und Internationaler Währungsfonds mussten im vergangenen Jahr mit Nothilfen eingreifen. Das BIP-Wachstum wird 2009 auf ca. 2,7 Prozent schrumpfen.

Die Inflation ist von 18 Prozent (2008) auf rund 34 Prozent (2009) angestiegen. Hauptgrund für diesen massiven Wertverfall der kongolesischen Währung war eine Ausweitung der Geldmenge durch die Zentralbank, wodurch die Regierung ihre Haushaltsdefizite zu decken und die militärischen Aktivitäten im Osten des Landes zu finanzieren versuchte sowie geringere Deviseneinnahmen durch fallende Rohstoffpreise. Die Dollarisierung der kongolesischen Wirtschaft schreitet weiter voran.

Dennoch bleibt die Demokratische Republik Kongo aufgrund ihrer enormen Rohstoffvorkommen und ihres landwirtschaftlichen Potentials ein potentiell sehr reiches Land. Der Schlüssel zur Realisierung dieses Potentials liegt in der Entwicklung kritischer Infrastruktur für den Gütertransport (Straßen, Schienen, Häfen und Wasserwege) sowie zur Energieversorgung (Kraftwerke und Stromnetze). Dies haben die internationalen Geber erkannt und finanzieren in großem Umfang Projekte, welche auch das Interesse finanzstarker Unternehmen wecken. Große Hoffnung ruht auf Bauprojekten für Wasserkraftwerke in verschiedenen Landesteilen, die das Land Energie-autark machen könnten. Hieran sind auch deutsche Firmen beteiligt

Haushalt und Auslandsschulden

Der Haushalt der kongolesischen Regierung betrug 2008 ca. 3,3 Mrd. US-Dollar; etwa 28 Prozent des BIP. Etwa 35 Prozent davon stammten als Investitionshilfen von internationalen Gebern. Die Demokratische Republik Kongo ist kein Empfänger direkter Budgethilfe.

Größter Einzelposten auf der Ausgabenseite des kongolesischen Staatshaushaltes ist mit ca. 27 Prozent die Auszahlung öffentlicher Gehälter, gefolgt von staatlichen Transfers und Interventionen mit ca. 26 Prozent und dem Schuldendienst mit ca. 21 Prozent. Die Auslandsschulden des kongolesischen Staats betragen etwa 120 Prozent des BIP. Haushaltsdisziplin wird durch die zersplitterte politische Verantwortlichkeit bei der Aufstellung des Haushalts (vier Behörden und Ministerien!) deutlich erschwert.

Als „hoch verschuldetes, armes Land“ qualifiziert sich Kongo für die Schuldenentlastungsinitiative HIPC („highly indebted poor countries“) des Internationalen Währungsfonds. Allerdings konnte das Land in den letzten Jahren nicht die vorgeschriebenen wirtschaftlichen und fiskalischen Maßnahmen treffen, die einen Schuldenerlass auslösen würden. Nach langwierigen Verzögerungen im Zusammenhang mit massiven chinesischen Investitionskrediten wird mit dem Schuldenerlass, an dem Deutschland als wichtiger Gläubiger beteiligt sein würde, für Mitte 2010 gerechnet.

Wirtschaftssektoren

Agrarsektor

Der Agrarsektor erzeugt ca. 55 Prozent des BIP und beschäftigt etwa 75 Prozent der Bevölkerung. Der überwiegende Teil der Produktion dient jedoch der Subsistenzwirtschaft. Größtes Hindernis für die Entwicklung dieses Sektors sind der Mangel an Transportkapazitäten und Infrastruktur, so dass es den Bauern nicht möglich ist, ihre Produkte auf existierende Märkte zu bringen oder neue zu erschließen. Es wird erwartet, dass ein Ausbau solcher Kapazitäten zu einem massiven Wachstum dieses Sektors führen würde. Exportprodukte aus der Landwirtschaft sind hauptsächlich Kaffee, Palmöl und pharmazeutische Pflanzen sowie Nutzholz aus dem Forstbereich.

Bergbau

Die tragende Säule der kongolesischen Wirtschaft ist der Bergbau. Dieser Bereich hat in den vergangenen Jahren die meisten ausländischen Investitionen angezogen. Nach einem dramatischen Niedergang als Folge jahrelanger Misswirtschaft und Gewalt konnte sich der Sektor in den letzten Jahren deutlich erholen. So konnte etwa die Kupferproduktion von ca. 70.000 Tonnen im Jahr 2004 auf über 220.000 Tonnen in der ersten Hälfte 2008 mehr als verdreifacht werden. Ähnliches gilt für Kobalt, dem zweitwichtigsten Bergbauprodukt des Kongo. Die Diamantenproduktion als drittes Standbein der kongolesischen Bergbaus musste dagegen in diesem Jahr einen deutlichen Rückgang verzeichnen. Die fragile Sicherheitslage und die volatilen Rohstoffmärkte haben das Investitionsklima im Bergbausektor kurzfristig verschlechtert. An seiner langfristigen Bedeutung wird jedoch weiterhin nicht gezweifelt.

Industrie

Die Industrie und das verarbeitende Gewerbe mussten in den frühen 90er Jahren, insbesondere während der Plünderungswellen in den Jahren 1991 und 1993, starke Einbußen hinnehmen. Große multinationale Firmen verließen das Land. Einige Produktionsanlagen wurden von ansässigen Geschäftsleuten aufgekauft, was zur langsamen Erholung des Sektors führte, die sich in den letzten Jahren beschleunigen konnte. 2007 verzeichnete einen Anstieg der industriellen Wertschöpfung von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Sektor macht heute ca. 13 Prozent des BIP aus. Insbesondere das Baugewerbe profitiert vom starken internationalen Engagement in diesem Bereich. Ein weiterer florierender Sektor ist die Telekommunikationssparte; hier hat der Kongo mit sieben Mobilfunkanbietern einen der meist umkämpften Märkte der Welt.

Fossile Rohstoffe

Erdöl ist zwar das drittgrößte Exportprodukt der Demokratischen Republik Kongo, doch stagniert die Produktion seit Jahren auf einem im Weltmaßstab sehr geringen Niveau. Neuerliche Funde im Herzen des Landes sowie im Albert-See an der Grenze zu Uganda und auf hoher See lassen zwar manche Regierungsmitglieder bereits von einer neuen Petro-Wirtschaft schwärmen, doch ist das Land aller Voraussicht nach noch viele Jahre von einer nennenswerten Erdölproduktion entfernt. Unter dem Kivu See an der ruandischen Grenze wurden zudem umfangreiche Methangas-Vorkommen entdeckt. Mit der florierenden angolanischen Ölindustrie als Nachbarn hat das Land zudem potentiell eine Zukunft als Transitland.

Banken

Kongo verfügt über einen sehr eingeschränkten Bankensektor und dies auch nur in den wichtigsten Ballungszentren des Landes. Kongolesische Banken, die sich auf Groß- und Firmenkunden konzentriert hatten, haben merklich unter der Weltwirtschaftskrise gelitten. Zwar verfügt weniger als 0,5 Prozent der kongolesischen Bevölkerung über ein Bankkonto, dennoch belebt sich der Markt für Kleinkunden und die Zahl der im Kongo aktiven ausländischen Banken steigt beständig.

Investitionen

Mit Ausnahme des Bergbausektors und in geringerem Maße des Telekommunikationssektors, zieht der Kongo nur wenig Auslandskapital an. Dies ist sicherlich auf den Mangel einer industriellen Basis, Fachkräftemangel, sowie auf die nach wie vor fragile politische Situation des Landes zurückzuführen. Grassierende Korruption, fehlende Rechtssicherheit und ein undurchschaubares, willkürliches Steuersystem tun ein Übriges, um potentielle Investoren abzuschrecken. 2009 landete die Demokratische Republik Kongo auf Platz 182 von 183 des „doing business“-Berichts der Weltbank, der Reformeifer zur Verbesserung des Investitionsklimas misst.

Außenhandel und Tourismus

Das gesamte Handelsvolumen der Demokratischen Republik Kongo mit dem Ausland betrug 2007 ca. 5,5 Mrd. US-Dollar, wobei die Handelsbilanz ein Defizit von etwas über 800 Mio. US-Dollar aufwies. Wichtigste Exportpartner sind die VR China (44,7 Prozent) und Belgien (16,9 Prozent) gefolgt von Finnland, den USA und Sambia. Wichtigste Importpartner sind Südafrika (22,1 Prozent) und Belgien (11,5 Prozent) gefolgt von Sambia, Simbabwe und Kenia. Der Handel mit der Bundesrepublik Deutschland beträgt 2009 etwa 83 Mio. Euro. Deutschland exportiert hauptsächlich Maschinen und Chemieerzeugnisse in den Kongo, die deutsch-kongolesische Handelsbilanz ist deutlich negativ.

Trotz der natürlichen Schönheit des unberührten Regenwaldes und der vielfältigen Flora und Fauna des Landes konnte der Tourismus noch nicht wieder Fuß fassen. Mangelnde Infrastruktur, äußerst mangelhaft medizinische Notfallversorgung, sowie erhöhte physische Gefahren durch Rebellenaktivitäten im Osten des Landes verhindern weiterhin eine touristische Erschließung.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Kinshasa
Alexander Sebastian Roth
Tel.: (00243) 89 89 999
Fax: (00871) 68 26 23 227 eMail
www.kinshasa.diplo.de

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