Kongo (Demokratische Republik Kongo)
Bildung und Kultur
Stand: April 2009
Kulturlandschaft
Die Bevölkerung der Demokratischen Republik Kongo besteht aus über 350 Ethnien, von denen viele auf eine eigene Kulturgeschichte zurückblicken können. Das kulturelle Leben spielt sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, hauptsächlich auf lokaler Ebene ab. Kongo bringt auch heute noch einige Künstler von überregionaler Bedeutung hervor. Besonders lebendig ist die musikalische Szene mit der in ganz Zentral- und Westafrika beliebten kongolesischen Rumba. Aus Malerei und Bildhauerei haben es in den letzten Jahren ebenfalls einige kongolesische Künstler auf die europäische Bühne geschafft. Kinshasa verfügt über eine aktive Theaterszene, die unter schwierigsten Bedingungen – meist als Gemeinde- und Jugendinitiativen – funktionieren muss.
Solche Einzelfälle können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Zustand der kongolesischen Kulturlandschaft die schwierige wirtschaftliche und soziale Lage des Landes widerspiegelt. Als reines Auswanderungsland zieht der Kongo nur wenig kreative Kräfte an, so dass ein kultureller Austausch – besonders mit nicht-afrikanischen Kulturschaffenden - kaum stattfindet. Eine nennenswerte Kulturpolitik der kongolesischen Regierung gibt es nicht; dem zuständigen Kulturministerium mangelt es sowohl an Geld als auch an Fachwissen. Ebensowenig findet eine gezielte Popularisierung der Kultur statt: so kann die Hauptstadt Kinshasa kein einziges funktionierendes, für die Öffentlichkeit frei zugängliches Museum vorweisen.
Bildung
Die schulische Grundausbildung ist in der Demokratischen Republik Kongo zwar vorgeschrieben und staatlich garantiert, de facto aber bekommen die öffentlichen Schulen mit wenigen Ausnahmen praktisch keine staatliche Unterstützung. Ebenso gibt es keine staatlichen Mechanismen zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen, jedoch sind hier religiöse Gemeinschaften aktiv. Eltern müssen „Schulgebühren“ an die Lehrer bezahlen, die häufig ein Vielfaches ihres Monatslohns betragen. Nur 33 Prozent der Bevölkerung besuchen oder haben eine Schule besucht, die Unterrichtsqualität ist jedoch meist nicht ausreichend um angemessene Lese- und Schreibfähigkeiten zu vermitteln.
In der universitären Ausbildung hatte Kongo einst eine Spitzenrolle in Afrika inne. Heutzutage mangelt es in praktisch allen Bereichen vor allem an materieller Ausstattung und Lehrmaterial, aber auch immer mehr an qualifizierten Lehrkräften. Dies ist besonders eklatant in den Natur- und Ingenieurswissenschaften: hier können die Studenten bei Verlassen der Universität faktisch keine praktischen Erfahrungen nachweisen, was sie auch für den Arbeitsmarkt unbrauchbar macht. Das Bildungssystem ist in der jüngeren Vergangenheit durch eine Reihe von Korruptionsskandalen bei der Diplomvergabe erschüttert worden. Dennoch bleibt die Universität der einzige Weg zu einer anerkannten beruflichen Qualifikation, weil es kaum andere Bildungswege oder praktische Qualifikationen (dies schließt im Übrigen pädagogische Qualifikationen mit ein) gibt. Angesichts des demographischen Drucks ist davon auszugehen, dass die Unzulänglichkeiten des Bildungssystems sich weiter dramatisch verschärfen werden.
Hinweis
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