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Landesflagge Kolumbien
Wirtschaftspolitik

Stand: Oktober 2009

Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftslage

Die kolumbianische Wirtschaft basiert auf marktwirtschaftlichen Grundsätzen. Wirtschaftsverfassung und Gesetzgebung enthalten zahlreiche soziale Korrektive. Alle Regierungen haben seit der 1991 vom damaligen Staatspräsidenten Gaviria durchgesetzten, breit angelegten Liberalisierung an der Öffnung der Märkte festgehalten und protektionistischen Tendenzen eine Absage erteilt.

Das Bruttoinlandsprodukt Kolumbiens betrug 2008 241 Mrd. USD.

Kolumbiens Wirtschaft wuchs zwischen 2004 und 2007 durchschnittlich um 6,2%, 2007 sogar um 7,5%. Motoren der Wirtschaft waren die Inlandsnachfrage und die hohen ausländischen Direktinvestitionen (knapp 10 Mrd. USD in 2007). Über mehrere Jahre hinweg belebten überdies steigende Rohstoffpreise das Wachstum. Starke Zuwächse verzeichneten die Industrieproduktion, der Bausektor, Transport und Telekommunikation, Handel und Tourismus.

Inzwischen hat die internationale Finanzkrise aber auch Kolumbien erreicht. 2008 ist die kolumbianische Wirtschaft nur noch um 2,5% gewachsen, in den letzten drei Monaten ist die Wirtschaftsleistung sogar um 0,7% zurückgegangen. Der kolumbianische Finanzsektor ist zwar nicht betroffen; im Gegenteil, er verzeichnet nach wie vor hohe Gewinne. Gelitten haben v.a. die Industrieproduktion und der Einzelhandel. Hauptgründe für diese Entwicklung sind der Rückgang der Exporteinnahmen, der ausländischen Direktinvestitionen und der Überweisungen im Ausland arbeitender Kolumbianer (drittwichtigste Devisenquelle; 2007 ca. 4,5 Mrd. USD). Darunter leidet inzwischen auch die Inlandsnachfrage. Die aktuellen Zahlen deuten allerdings darauf hin, dass das Schlimmste überstanden ist. Für das letzte Trimester wird wieder ein leichtes positives Wachstum erwartet, für das gesamte Jahr 2009 ein Wert um oder leicht über 0%. Damit steht Kolumbien auch im regionalen Vergleich relativ gut da.

Selbst wenn sich diese Prognose bewahrheiten sollte, sind für ein Schwellenland mit großen sozialen Verwerfungen deutlich höhere Wachstumszahlen notwendig, um eine nachhaltige soziale Entwicklung zu gewährleisten. Infolge der aktuellen Konjunkturabkühlung steigt nicht nur die Arbeitslosigkeit (Ende 2007 noch knapp 10%, aktuell bereits 12,5%), auch die ohnehin sehr hohe Unterbeschäftigung (2007 ca. 35%) nimmt voraussichtlich wieder zu. Das Defizit des Gesamthaushaltes betrug 2007 0,8% des BIP, dürfte 2008 aber als Folge der Konjunkturabkühlung wieder gestiegen sein (offizielle Zahlen noch nicht verfügbar). Die Nettoverschuldung des öffentlichen Sektors betrug 2007 ca. 38% des BIP. Sie wird 2008/2009 wegen zu erwartender Steuerausfälle und Mehrausgaben voraussichtlich wieder steigen.

Der IWF geht ungeachtet dessen davon aus, dass Kolumbien vergleichsweise gut gerüstet ist, um externe Schocks wie die aktuelle Finanzkrise abzufangen. Nach mehreren Jahren starken Wachstums und solider Wirtschafts- und Fiskalpolitik verfüge das Land nicht nur über vergleichsweise stabile öffentliche Finanzen. Laut IWF hat es v.a. einen gesunden Privatsektor; die meisten Unternehmen seien ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet, verfügten über genügend Liquidität und seien dank Produktivitätssteigerungen in den vergangenen Jahren profitabler geworden. Folgt man dem Bericht „Doing Business 2009“ der Weltbankgruppe, ist Kolumbien sogar der nach Puerto Rico zweitattraktivste Standort in ganz Lateinamerika.

Die Regierung verfolgt - gemessen an den großangelegten Konjunkturbelebungsprogrammen anderer Länder in der Region - eine „Politik der ruhigen Hand“. Bisher beschränkte sie sich im wesentlichen auf Maßnahmen zur Anziehung ausländischen Kapitals (u.a. Abschaffung der Zwangseinlage für Portfolioinvestitionen) sowie Kredite zur Unterstützung exportorientierter Branchen und zur Belebung der Inlandsnachfrage (u.a. zur Finanzierung des Erwerbs lokal hergestellter Automobile). Im Übrigen setzt die Regierung v.a. auf die Diversifizierung der Exportmärkte und die konjunkturbelebende Wirkung ehrgeiziger Infrastrukturprojekte (hierfür sind im Haushalt 2009 3,3 Mrd. Euro vorgesehen; insgesamt sollen in den kommenden Jahren 50 Mrd. USD öffentliche und private Mittel investiert werden). Die Zentralbank hat ihrerseits den Leitzins seit Jahresanfang von 10 auf 4% gesenkt.

Die Inflationsrate erreichte 2008 mit 7,67% zwar einen im regionalen Vergleich relativ niedrigen Stand, lag aber deutlich  über der Zielvorgabe der Zentralbank. Die rückläufige Entwicklung der Konjunktur seit Anfang 2008 hat zu einer deutlichen Dämpfung der Inflation geführt. Der für 2009 festgelegte Zielkorridor von 4,5 bis 5,5% wird mit rund 3% voraussichtlich unterschritten.      

Wichtige Wirtschaftszweige

Wichtige Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft und Industrie, Öl- und Erdgasförderung sowie Bergbau, ferner Finanzwesen und Versicherungen, Handel und Gastgewerbe, Transport und Nachrichtenwesen sowie sonstige Dienstleistungen. In der relativen Gewichtung haben in den vergangenen Jahren v.a. Industrie, Öl- und Erdgasförderung sowie Bergbau stark an Gewicht gewonnen.

Außenhandel

Die Ausfuhren Kolumbiens betrugen 2008 37,625 Mrd. USD, die Einfuhren 39,669 Mrd. USD.

Die Ausfuhren sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Der Anteil der Exporteinnahmen am Bruttoinlandsprodukt dürfte bei knapp 30% liegen. Wichtigste Ausfuhrgüter Kolumbiens sind Erdöl, Steinkohle, Kaffee, Schnittblumen, Bananen, Nickel, Lebensmittel, Textilien, chemische Produkte, Kunststoffprodukte, Fahrzeuge und Fahrzeugteile sowie Metallerzeugnisse, Gold und Edelsteine. Wichtigste Einfuhrgüter sind Maschinen, Kraftfahrzeuge, Telekommunikationsausrüstung und elektrische Geräte, chemische Produkte, Eisen- und Stahlprodukte sowie Kunststoffe und landwirtschaftliche Produkte.

Bedeutendster Handelspartner sind traditionell die USA (rd. 35%), gefolgt von der EU (rd. 13%), Venezuela (10,4%, bei alleiniger Betrachtung der Exporte belegt Venezuela allerdings vor der EU den zweiten Platz), China (6,6%), Mercosur (5,9 %) und der Andengemeinschaft (5,8%). Deutschland ist innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner Kolumbiens (Exporte nach Deutschland 2008 lt. kol. Statistik: 1,130 Euro; Importe aus Deutschland 2008: 1,030 Euro).

Die 2004 begonnenen Verhandlungen über ein bilaterales Freihandelsabkommen mit den USA wurden am 27. Februar 2006 abgeschlossen. Die Ratifizierung durch den US-Kongress steht nach wie vor aus. Bislang genießt Kolumbien Zollvergünstigungen im Rahmen des US-Andean Trade Preference and Drug Erradication Act.

Kolumbien bemüht sich, den Handel mit Ländern in der Region mittels Freihandelsvereinbarungen zu liberalisieren. Mit Mexiko besteht bereits seit 1995 ein Freihandelsabkommen. Die Andengemeinschaft, deren Mitglied Kolumbien ist, hat 2005 ein Freihandelsabkommen mit Mercosur abgeschlossen. 2006 und 2007 hat Kolumbien Freihandelsabkommen mit den zentralamerikanischen Staaten El Salvador, Guatemala und Honduras sowie mit Kanada, der EFTA und Chile abgeschlossen bzw. neu verhandelt. Verhandlungen mit Kuba sind im Gange. Nach dem Austritt Venezuelas aus der Andengemeinschaft versucht Kolumbien die Handelsbeziehungen zu diesem wichtigen Partner auf eine neue Grundlage zu stellen.

Nachdem die Verhandlungen der Andengemeinschaft mit der EU über ein Assoziationsabkommen wegen Differenzen innerhalb der Andengemeinschaft zum Stillstand gekommen sind, verhandelt  Kolumbien gemeinsam mit Peru und Ecuador seit Februar 2009 mit der EU über ein Freihandelsabkommen.

Mitgliedschaft in regionalen und internationalen Wirtschaftsorganisationen

Kolumbien ist Mitglied in den regionalen Wirtschaftsgemeinschaften ALADI und der Andengemeinschaft (CAN). Kolumbien ist außerdem Mitglied der Weltbank, der WTO, der IDB und des IWF. Mit der OECD unterhält Kolumbien Arbeitsbeziehungen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Bogotá
Dr. Christian Hellbach
Tel.: (00571) 423 26 00
Fax: (00571) 429 31 45 eMail
www.bogota.diplo.de

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