Kolumbien
Wirtschaftspolitik
Stand: März 2010
Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftslage
Die kolumbianische Wirtschaft basiert auf marktwirtschaftlichen Grundsätzen. Wirtschaftsverfassung und Gesetzgebung enthalten zahlreiche soziale Korrektive. Alle Regierungen haben seit der 1991 vom damaligen Staatspräsidenten Gaviria durchgesetzten, breit angelegten Liberalisierung an der Öffnung der Märkte festgehalten und protektionistischen Tendenzen eine Absage erteilt.
Das Bruttoinlandsprodukt Kolumbiens betrug 2008 241 Mrd. USD.
Kolumbiens Wirtschaft wuchs zwischen 2004 und 2007 durchschnittlich um 6,2%, 2007 sogar um 7,5%. Motoren der Wirtschaft waren die Inlandsnachfrage und die hohen ausländischen Direktinvestitionen (knapp 10 Mrd. USD in 2007). Über mehrere Jahre hinweg belebten überdies steigende Rohstoffpreise das Wachstum. Starke Zuwächse verzeichneten die Industrieproduktion, der Bausektor, Transport und Telekommunikation, Handel und Tourismus.
2008 ist die kolumbianische Wirtschaft infolge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise nur noch um 2,5% gewachsen. Der kolumbianische Finanzsektor ist zwar nicht betroffen; im Gegenteil, er verzeichnet nach wie vor hohe Gewinne. Gelitten haben v.a. die Industrieproduktion und der Einzelhandel. Hauptgründe für diese Entwicklung sind der Rückgang der Exporteinnahmen, der ausländischen Direktinvestitionen und der Überweisungen im Ausland arbeitender Kolumbianer (drittwichtigste Devisenquelle; 2007 ca. 4,5 Mrd. USD). Die aktuellen Zahlen deuten allerdings darauf hin, dass das Schlimmste überstanden ist. Im letzten Trimester des vergangenen Jahres wurde wieder ein leichtes positives Wachstum verzeichnet. Insgesamt dürfte die kolumbianische Wirtschaft 2009 einen Wachstumswert von knapp über 0% erreicht haben (Schätzung; offizielle Zahlen liegen noch nicht vor). Damit steht Kolumbien im regionalen Vergleich relativ gut da.
Selbst wenn sich diese Prognose bewahrheiten sollte, sind für ein Schwellenland mit großen sozialen Verwerfungen deutlich höhere Wachstumszahlen notwendig, um eine nachhaltige soziale Entwicklung zu gewährleisten. Infolge der aktuellen Konjunkturabkühlung steigt nicht nur die Arbeitslosigkeit (Ende 2007 noch knapp 10%, aktuell bereits 12,5%), auch die ohnehin sehr hohe Zahl der im informellen Sektor Beschäftigten (über 50%) sowie die Unterbeschäftigung (2007 ca. 35%) nimmt voraussichtlich wieder zu. Das Defizit des Gesamthaushaltes betrug 2008 1,58% des BIP, dürfte 2009 aber als Folge der Konjunkturabkühlung und der Maßnahmen der Regierung zur Stimulierung der Wirtschaft ebenso wie die Nettoverschuldung wieder gestiegen sein (offizielle Zahlen noch nicht verfügbar).
Der IWF geht ungeachtet dessen davon aus, dass Kolumbien vergleichsweise gut gerüstet ist, um externe Schocks wie die aktuelle Finanzkrise abzufangen. Nach mehreren Jahren starken Wachstums und solider Wirtschafts- und Fiskalpolitik verfüge das Land nicht nur über vergleichsweise stabile öffentliche Finanzen. Laut IWF hat es v.a. einen gesunden Privatsektor; die meisten Unternehmen seien ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet, verfügten über genügend Liquidität und seien dank Produktivitätssteigerungen in den vergangenen Jahren profitabler geworden. Folgt man dem Bericht „Doing Business 2009“ der Weltbankgruppe, ist Kolumbien sogar der nach Puerto Rico zweitattraktivste Standort in ganz Lateinamerika.
Die Regierung verfolgt - gemessen an den großangelegten Konjunkturbelebungsprogrammen anderer Länder in der Region - eine „Politik der ruhigen Hand“. Bisher beschränkte sie sich im wesentlichen auf Maßnahmen zur Anziehung ausländischen Kapitals (u.a. Abschaffung der Zwangseinlage für Portfolioinvestitionen) sowie Kredite zur Unterstützung exportorientierter Branchen und zur Belebung der Inlandsnachfrage (u.a. zur Finanzierung des Erwerbs lokal hergestellter Automobile). Im Übrigen setzt die Regierung v.a. auf die Diversifizierung der Exportmärkte und die konjunkturbelebende Wirkung ehrgeiziger Infrastrukturprojekte (hierfür sind im Haushalt 2009 3,3 Mrd. Euro vorgesehen; insgesamt sollen in den kommenden Jahren 50 Mrd. USD öffentliche und private Mittel investiert werden). Die Zentralbank hat ihrerseits den Leitzins seit Jahresanfang von 10 auf 4% gesenkt.
Die Inflationsrate erreichte 2008 mit 7,67% zwar einen im regionalen Vergleich relativ niedrigen Stand, lag aber deutlich über der Zielvorgabe der Zentralbank. Die rückläufige Entwicklung der Konjunktur seit Anfang 2008 hat zu einer deutlichen Dämpfung der Inflation geführt. Der für 2009 festgelegte Zielkorridor von 4,5 bis 5,5% wurde mit 2% deutlich unterschritten.
Wichtige Wirtschaftszweige
Wichtige Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft und Industrie, Öl- und Erdgasförderung sowie Bergbau, ferner Finanzwesen und Versicherungen, Handel und Gastgewerbe, Transport und Nachrichtenwesen sowie sonstige Dienstleistungen. In der relativen Gewichtung haben in den vergangenen Jahren v.a. Industrie, Öl- und Erdgasförderung sowie Bergbau stark an Gewicht gewonnen.
Außenhandel
Die Ausfuhren Kolumbiens betrugen 2008 37,625 Mrd. USD, die Einfuhren 39,669 Mrd. USD.
Die Ausfuhren sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Der Anteil der Exporteinnahmen am Bruttoinlandsprodukt dürfte bei knapp 30% liegen. Wichtigste Ausfuhrgüter Kolumbiens sind Erdöl, Steinkohle, Kaffee, Schnittblumen, Bananen, Nickel, Lebensmittel, Textilien, chemische Produkte, Kunststoffprodukte, Fahrzeuge und Fahrzeugteile sowie Metallerzeugnisse, Gold und Edelsteine. Wichtigste Einfuhrgüter sind Maschinen, Kraftfahrzeuge, Telekommunikationsausrüstung und elektrische Geräte, chemische Produkte, Eisen- und Stahlprodukte sowie Kunststoffe und landwirtschaftliche Produkte.
Bedeutendster Handelspartner sind traditionell die USA (rd. 35%), gefolgt von der EU (rd. 13%), China (6,6%), Mercosur (5,9 %) und der Andengemeinschaft (5,8%). Bis 2008 war Venezuela der drittwichtigste Handelspartner und der zweitwichtigste Exportmarkt Kolumbiens, hat diese Rolle inzwischen aber infolge politisch motivierter, einseitiger handelsbeschränkender Maßnahmen, die Venezuela eingeführt hat, verloren. Deutschland ist innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner Kolumbiens (Exporte nach Deutschland 2008 lt. kol. Statistik: 1,130 Euro; Importe aus Deutschland 2008: 1,030 Euro).
Die 2004 begonnenen Verhandlungen über ein bilaterales Freihandelsabkommen mit den USA wurden am 27. Februar 2006 abgeschlossen. Die Ratifizierung durch den US-Kongress steht nach wie vor aus. Bislang genießt Kolumbien Zollvergünstigungen im Rahmen des US-Andean Trade Preference and Drug Erradication Act.
Kolumbien bemüht sich, den Handel mit Ländern in der Region mittels Freihandelsvereinbarungen zu liberalisieren. Mit Mexiko besteht bereits seit 1995 ein Freihandelsabkommen. Die Andengemeinschaft, deren Mitglied Kolumbien ist, hat 2005 ein Freihandelsabkommen mit Mercosur abgeschlossen. Zwischen 2006 und 2009 hat Kolumbien Freihandelsabkommen mit den zentralamerikanischen Staaten El Salvador, Guatemala, Honduras und Panama sowie mit Kanada, der EFTA und Chile abgeschlossen bzw. neu verhandelt. Verhandlungen mit Kuba sind im Gange. Kolumbien strebt Freihandeslvereinbarungen auch mit den wichtigsten asiatischen Handels- und Industrienationen China, Japan, Südkorea und Indien an.
Nachdem die Verhandlungen der Andengemeinschaft mit der EU über ein Assoziationsabkommen wegen Differenzen innerhalb der Andengemeinschaft zum Stillstand gekommen sind, verhandelt Kolumbien gemeinsam mit Peru seit Februar 2009 mit der EU über ein Freihandelsabkommen.
Mitgliedschaft in regionalen und internationalen Wirtschaftsorganisationen
Kolumbien ist Mitglied in den regionalen Wirtschaftsgemeinschaften ALADI und der Andengemeinschaft (CAN). Kolumbien ist außerdem Mitglied der Weltbank, der WTO, der IDB und des IWF. Mit der OECD unterhält Kolumbien Arbeitsbeziehungen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.