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Landesflagge Kirgisistan
Wirtschaftspolitik

Stand: September 2009

Kurzcharakterisierung der Wirtschaft

Kirgisistan ist ein Transformationsland. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor das nun unabhängige Land nicht nur seinen Hauptsponsor, sondern zugleich auch natürlich gewachsene Märkte. Die Industrie brach fast völlig zusammen, die hoch mechanisierte Landwirtschaft sah sich von Ersatzteilen, Vorleistungen und Vermarktungsmechanismen abgeschnitten. Auch der auf sowjetische Bedürfnisse zugeschnittene Dienstleistungssektor (u.a. Tourismus) musste sich völlig neu orientieren. Die Liberalisierung der Wirtschaft und der Transformationsprozess kamen mit großzügiger internationaler Geberhilfe (höchste internationale Hilfe pro Kopf der Bevölkerung in der Region) relativ schnell voran. Heute ist die Wirtschaft mit der Ausnahme einiger strategischer Sektoren wie etwa der Elektrizitäts- und Wasserversorgung auf marktwirtschaftliche Strukturen umgestellt. Staatsdirigistische Maßnahmen wie etwa Exportstops kommen jedoch weiterhin vor.

Kirgisistan ist im Vergleich zu anderen Ländern in der Region Zentralasien rohstoffarm. Es gibt nur unbedeutende Gas- und Erdölvorkommen, die selbst bei voller Erschließung den einheimischen Bedarf nicht decken können. Einzig nennenswerter Rohstoff ist Gold. Goldvorkommen werden von zumeist ausländischen Unternehmen erschlossen und genutzt. Kirgisistan verfügt über bedeutende Wasserressourcen, von denen auch die Landwirtschaft der Unterlieger Usbekistan und Kasachstan abhängt. Die öffentliche Diskussion über eine effiziente und nachhaltige Bewirtschaftung dieser Ressource hat gerade erst begonnen.Mit einem BIP pro Kopf von ca. 950 USD ist Kirgisistan ein armes Land. Von seinen 5 Mio. Einwohnern leben rund 35% unterhalb der Armutsschwelle. Dabei gibt es ein starkes Nord-Süd-Gefälle, wobei der Norden reicher als der Süden ist.

Struktur der Wirtschaft

Die Landwirtschaft ist mit einem Beitrag von 27% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein bedeutender Wirtschaftszweig. Aufgrund der kleinen Betriebsgrößen und deren geringer Kapitalausstattung sind die Investitionen in der Landwirtschaft jedoch gering. Die Finanzierung notwendiger Investitionen durch Kredite wird durch eine restriktive Gesetzgebung erschwert, die nicht zulässt, Grundbesitz als Sicherheit einzubringen. Die Folgen sind ein geringer Mechanisierungsgrad und das Fehlen einer verarbeitenden Industrie im Agrarbereich, die auch im Ausland wettbewerbsfähige Produkte mit höherer inländischer Wertschöpfung anbieten könnte.

Der relative Beitrag der Industrieproduktion zum BIP sinkt seit Jahren kontinuierlich und beträgt jetzt nur noch 13%. In der verarbeitenden Industrie sind vor allem die Hersteller von Baustoffen (Zement, Glas, Ziegelsteine) und die Textilindustrie von einiger Bedeutung. Strategisch wichtig ist die Erzeugung von Elektroenergie, überwiegend auf der Basis von Wasserkraft. Größtes Problem hier sind die Einnahmeausfälle bei ohnehin nicht kostendeckenden Strompreisen durch Diebstahl, unbezahlte Rechnungen oder Privilegierung bestimmter Personengruppen. Der Anteil technischer Leitungsverluste wird mit 16%, die finanzielle Ausfallrate mit 10% angegeben. Der Bergbau ist durch die Exporte der Goldmine „Kumtor“ als Devisenbeschaffer bedeutsam und trägt überproportional zum Steueraufkommen des Landes bei.

Immer wichtiger wird der Handels- und Dienstleistungssektor. Er leistet inzwischen einen größeren Beitrag zum BIP als die Landwirtschaft. Auch aufgrund seiner WTO-Mitgliedschaft ist es Kirgisistan gelungen, sich als regionales Handelszentrum zu etablieren. Waren, die überwiegend aus China stammen, werden in Kirgisistan umgeschlagen und in die Nachbarländer und Russland exportiert.

Die konjunkturelle Lage

Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise waren bisher relativ mild für Kirgisistan. Allerdings betrug das reale BIP-Wachstum, welches 2008 noch mit soliden 7,6% angegeben wurde, in den ersten sechs Monaten 2009 nur noch 0,3%. Die dynamischsten Sektoren waren Telekommunikation (+25%) und das Baugewerbe (+28%). Die Industrieproduktion schrumpfte dagegen um 19%, vor allem aufgrund der wegbrechenden Absatzmärkte in Russland und Kasachstan, aber auch aufgrund der hausgemachten Stromabschaltungen. Am stärksten betroffen waren die Produktion von Baumaterialien (-50%) und die Textilindustrie (-40%). Die für Kirgisistan entscheidenden Wirtschaftszweige Landwirtschaft und Handel wuchsen um moderate 2,2% bzw. 3,4%. Zum Jahresende wird mit einem Gesamtwachstum von rund 1% gerechnet.

Die durchschnittlichen Einkommen wuchsen 2008 um 13,6% und liegen inzwischen bei 148 USD im Monat. Trotz Anhebung der Mindestrente um 40% zum 1.7.2009 bleibt die monatliche Durchschnittsrente mit etwa 40 USD besorgniserregend niedrig. Die Arbeitslosigkeit dürfte über 12% liegen.

Ausländische Direktinvestitionen in Kirgisistan gibt die Zentralbank mit 232 Mio. USD für 2008 an. Im 1. Halbjahr 2009 blieben diese Investitionen bedingt durch die Weltwirtschaftskrise fast vollständig aus. Ausländer investieren vor allem in den Bergbau (Goldminen).

Die 2008 noch sehr hohe Inflation (20%) sank Mitte des Jahres auf 3,5%. Der Rückgang ist in erster Linie auf die sinkenden Lebensmittelpreise auf den Weltmärkten zurückzuführen.

Das Leistungsbilanzdefizit betrug in den ersten sechs Monaten 2009 ca. 8,3% des BIP. Die deutliche Verbesserung im Vergleich zu 2008 (12,5% des BIP) ist vor allem auf den Rückgang der Importe (-25%) zurückzuführen. Die Exporte gingen zwar ebenfalls krisenbedingt zurück, aber nur um ca. 11%. Die Überweisungen der kirgisischen Arbeitsmigranten im Ausland gingen im 1. Halbjahr 2009 aufgrund des schwieriger werdenden Arbeitsmarkts in Russland um 31% zurück. Sie betragen aber immer noch gut 25% des BIP und bleiben die wichtigste Finanzierungsquelle, um das hohe Handelsbilanzdefizit auszugleichen. Weitere staatliche und private Kapitalzuflüsse, insbesondere die Finanzhilfe aus Russland (150 Mio. USD), waren hoch genug, um das verbleibende Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren und zudem ein sprunghaftes Anwachsen der Nationalbankreserven auf 1,59 Mrd. USD zu ermöglichen.

Wirtschaftsklima

Der Schutz des Eigentums ist gesetzlich garantiert. Grundsätzlich können sich auch ausländische Unternehmen in Kirgisistan niederlassen. Der Erwerb von Grund und Boden ist für Ausländer jedoch nicht möglich, was die dingliche Absicherung von Krediten erschwert. In der Privatwirtschaft erfolgt die Preisfindung nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Lediglich bei den wenigen verbliebenen staatlichen Betrieben werden staatlich festgelegte Preise gefordert. Dies betrifft insbesondere den Energiesektor.

Trotz relativ stabiler makroökonomischer Indikatoren und erheblicher Anstrengungen im regulatorischen Bereich hat sich das Investitionsklima in den letzten Jahren weiter verschlechtert. Unternehmer beklagen zunehmend Rechtsunsicherheit, steigende Korruption, erratische Steuer-, Zoll- und andere Inspektionen, sinkende Vertragstreue und Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.

Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft

Im regionalen Alleingang ist Kirgisistan 1998 der WTO beigetreten und hat seinen Binnenmarkt in starkem Maße direkter ausländischer Konkurrenz ausgesetzt, während andere Länder in der Region ihre Binnenmärkte weiter abschotten.

Insgesamt exportierte Kirgisistan in den ersten sechs Monaten 2009 Waren im Wert von 657 Mio. USD. Dem standen Importe im Wert von 1.254 Mio. USD gegenüber. Das Außenhandelsdefizit verringerte sich damit auf 597 Mio. USD.

Russland bleibt mit weitem Abstand der Haupthandelspartner Kirgisistans, gefolgt von China und Kasachstan. Innerhalb der EU ist Deutschland der weitaus größte Handelspartner Kirgisistans. Verglichen mit den Haupthandelspartnern liegt die EU allerdings weit zurück.

Die Landeswährung Som ist frei konvertierbar und relativ stabil. Es bestehen keine Restriktionen im internationalen Geldtransfer.

Kirgisistan ist Mitglied von IWF, Weltbank, IBRD (Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung), IFC (Internationale Finanz-Corporation-Weltbank), IDA (Internationale Entwicklungsorganisation-Weltbank), MIGA (Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur), ECO (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit), EAEC (Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft), EBRD (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) und ADB (Asiatische Entwicklungsbank).



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner der Wirtschaftsdienste in den deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Bischkek
Peter Neven
Tel.: (00996) 312 / 66 19 75
                            66 34 24
Fax: (00996) 312 / 66 02 07 eMail
www.bischkek.diplo.de

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