Kenia
Beziehungen zu Deutschland
Stand: Mai 2009
Politische Beziehungen
Deutschland und Kenia unterhalten traditionell enge und partnerschaftliche Beziehungen. Kenia spielt als politisches und wirtschaftliches Schwergewicht eine wichtige Rolle in der Region. Es liegt auch im deutschen Interesse, dass Kenia seine stabilisierende Funktion in einer von zahlreichen Krisen gezeichneten Region (Somalia, Südsudan, Große Seen) beibehält und ausbaut.
Deutschland war der erste Staat, der Kenia nach der Unabhängigkeit (am 12. Dezember 1963) völkerrechtlich anerkannte. Es besteht seit der Staatsgründung eine umfassende Kooperation, insbesondere in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit (EZ-Partnerland), Wirtschaft und Kultur. Deutschland zählt zu den wichtigsten Partnern Kenias und ist nach der Weltbank, der Europäischen Union, Japan, Großbritannien und den USA eines der wichtigsten Geberländer.
Neben der Botschaft in Nairobi ist Deutschland in Kenia durch einen Honorarkonsul in der Küstenmetropole und Hafenstadt Mombasa vertreten. Fast alle deutschen politischen Stiftungen unterhalten in Kenia Regionalbüros.
Deutschland hat einen bedeutenden Anteil am internationalen Touristenaufkommen.
Wirtschaftsbeziehungen
Die politische Krise in Kenia nach Dezember 2007 und die in der zweiten Jahreshälfte 2008 einsetzenden Weltwirtschaftskrise zeigen die ersten Auswirkungen in Kenia. Auf wirtschaftlichem Gebiet, insbesonder im Tourismus, sind Rückgänge von fas 50% zu verzeichnen. Kamen im Jahr 2007 noch 83.000 Besucher nach Kenia, waren es 2008 nur noch ca. 44.000.
Das deutsche wirtschaftliche Interesse an Kenia ist seit Jahren auf relativ gleichbleibend niedrigem Niveau. Die Einfuhren aus Kenia nach Deutschland beliefen sich im Jahr 2008 auf ca. 124,1 Mio. Euro (2007: 92,8 Mio. Euro). Deutsche Ausfuhren nach Kenia betrugen 2008 232,3 Mio. Euro (2007: 196,1 Mio. Euro). Wichtigste deutsche Exportgüter für Kenia sind Maschinen, chemische Erzeugnisse und Kfz. Deutschland importiert aus Kenia insbesondere Schnittblumen, Tee und Kaffee.
Zwischen Kenia und Deutschland ist seit 2000 ein Investitionsschutzabkommen und seit 1979 ein Doppelbesteuerungsabkommen in Kraft. Seit über 20 Jahren ist die deutsche Wirtschaft durch die "German Business Association" in der Hauptstadt Nairobi mit derzeit über 70 meist mittelständischen Unternehmen vertreten.
Entwicklungszusammenarbeit
Kenia verfügte bis zur Krise 2007/2008 im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten über eine solide wirtschaftliche Basis und über gut ausgebildete Arbeitskräfte im Bereich des verarbeitenden Gewerbes. Durch die Entwicklung von Landwirtschaft und Tourismus sowie die Erschließung neuer Märkte könnte die Abhängigkeit von den Weltmarktprodukten Tee und Kaffee reduziert werden.
Das Entwicklungspotenzial Kenias als regionaler Wirtschaftsstandort galt bislang als groß. Das Land strebt innerhalb der East African Community (EAC) mit Burundi, Ruanda, Tansania und Uganda einen gemeinsamen Markt mit Zoll- und Währungsunion an. Die Zollunion besteht seit Januar 2005, die EAC soll allmählich zu einer Wirtschaftsunion mit gemeinsamer Währung ausgebaut werden.
Deutschland unterstützt Kenia in enger Abstimmung mit anderen internationalen Gebern bei der Armutsbekämpfung sowie bei der Stärkung von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung. Schwerpunkte sind zudem die Förderung des Privatsektors in der Landwirtschaft, die Entwicklung des Wassersektors und die Unterstützung des Gesundheitssektors mit Fokus auf reproduktiver Gesundheit und Gesundheitsfinanzierung.
Dennoch leben 46 Prozent der Bevölkerung von weniger als einem US-Dollar pro Tag. Allein in den Städten hat immer noch ein Drittel der Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, der Hälfte der Menschen fehlt der Zugang zu sanitären Anlagen. Die HIV/AIDS-Rate wurde zwar in den letzten Jahren stark gesenkt, beträgt aber immer noch rund sechs Prozent.
Die zukünftige Gestaltung der Entwicklungszusammenarbeit mit Kenia wird von der weiteren Entwicklung der politischen Situation abhängen.
Kulturelle Beziehungen
Wissenschaftliche Zusammenarbeit, Stipendien und Sportförderung bilden Schwerpunkte der kulturpolitischen Kooperation. Seit Januar 1988 wird Deutsch an mittlerweile 32 kenianischen Oberschulen unterrichtet. Das Goethe-Institut in Nairobi leistet eine von den kenianischen Partnern geschätzte Arbeit und feierte im Jahr 2003 sein 40-jähriges Bestehen in Kenia. Die Botschaftssprachkurse in Mombasa decken die dortige Nachfrage nach qualifiziertem Deutschunterricht, die aufgrund des wichtigen Tourismussektors an der Küste besonders hoch ist. Das Regionalbüro des DAAD in Nairobi unterstützt Studienaufenthalte von Kenianern in unterschiedlichen Programmen, vor allem für die Förderung von Promotionsvorhaben. So gehen vermittelt über den DAAD ca. 80 Studenten und Postgraduierte im Jahr nach Deutschland.
Die Deutsche Schule in Nairobi mit ca. 150 Schülern und angeschlossenem Internat (sechs Schüler) führt als deutschsprachige Auslandsschule bis zum Abitur. 2007/2008 wurde – neben einem Stipendienprogramm für Kenianer - der zweisprachige Unterricht ausgeweitet und das Internationale Abitur eingeführt, um die Deutsche Schule auch für kenianische und Schüler der internationalen Gemeinde attraktiver zu machen. Die Schule erfüllt eine wichtige Servicefunktion für deutschsprachige Experten, Missionare, Wirtschaftsvertreter und Botschaftsangehörige in ganz Ostafrika und feiert 2009 ihr 40jähriges Bestehen in Nairobi.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.