Katar
Wirtschaftspolitik
Stand: September 2009
Struktur der Wirtschaft
Gegenwärtig werden ca. 62 Prozent des BIP vom Öl- und Gassektor erwirtschaftet. Hiervon werden auch weiterhin starke Impulse ausgehen: So sollen bis 2010 weitere fünf große Gasverflüssigungs- und Exportanlagen betriebsbereit sein.
Der Bereich der Finanzdienstleistungen, Banken und Versicherungen erwirtschaftet ca. 10 Prozent des BIP. Katar legt jedoch großen Wert darauf, den Anteil des nicht-energiebezogenen Anteils am BIP signifikant zu steigern. Dabei wird dem Bereich der Finanzdienstleistungen besondere Bedeutung zugemessen. Er soll schon im Jahre 2010 17 Prozent des BIP ausmachen.
Die großen katarischen Unternehmungen befinden sich in überwiegend staatlicher Hand, wobei angesichts der engen Verflechtung zwischen Staat und Herrscherfamilie eine Trennung zwischen staatlich und privat nicht immer möglich ist.
Wirtschaftsklima
Katar gilt weiterhin als „Boomland“ mit noch nicht ausgeschöpftem wirtschaftlichem Potenzial. Das Land ist dabei, erhebliche Infrastrukturprojekte (Straßenbau, Eisenbahn, Flughafen und Hafenbau) zu realisieren. Teilweise leidet die Durchführung dieser Vorhaben an einem schwerfälligen und bisweilen undurchschaubarenEntscheidungsprozess der katarischen öffentlichen Auftraggeber.
Es ist zu erwarten, dass sich das bisherige rasante Wachstumstempo fortsetzt. So wird nach einem realen Wachstum um 13,4 Prozent im Jahre 2008 für das Jahr 2009 ein reales Wachstum von knapp 10 Prozent erwartet. Von entscheidender Bedeutung ist dabei aber immer die Höhe des Öl- und Gaspreises. Die Preissteigerung betrug für das Jahr 2008 c15,1 Prozent. Ein wichtiger Faktor war dabei die enorme Steigerung der Mietpreise. Dieser Trend ist aber gebrochen, in den letzten Monaten wird – auch vor dem Hintergrund eines steigenden Angebots an Wohnungs- und Büroräumen – von erheblichen Preisreduzierungen berichtet.
80 Prozent der gegenwärtig rund 1,6 Millionen Einwohner Katars (2004 waren es noch etwa 760.000), sind nicht katarischer Staatsangehörigkeit; die große Mehrzahl davon verrichtet Dienstleistungen im Bau- und produzierenden Gewerbe, bei sehr niedrigem Lohnniveau. Die zahlenmäßig stärksten Gruppen ausländischer Arbeitnehmer kommen aus Indien, Sri Lanka, den Philippinen und Nepal.
Auch wird ein weiterer Anstieg der Bevölkerungszahlen erwartet, dies insbesondere durch den weiteren Zuzug von Nicht–Kataris. So wird in offiziellen Statistiken bis 2015 mit einer Bevölkerungszahl von 2,3 Millionen gerechnet.
Besonders das Rechtssystem hat noch erhebliche Defizite. Gerade für nicht-katarische Akteure ist eine gerichtlich durchsetzbare Rechtssicherheit, beispielsweise bei anstehenden Forderungen, noch nicht gegeben.
Arbeitslosigkeit besteht praktisch nicht; ausländische Arbeitskräfte werden weiterhin benötigt. Die Attraktivität des Arbeitsortes Katar leidet jedoch unter den hohen Preisen und einem dem oft nicht entsprechenden Lohnniveau.
Außenhandel/Weltwirtschaft
Entsprechend seiner Position als Exporteur von Gas, aber auch von Öl, ist Katar substantieller Bestandteil und Akteur im internationalen Energiemarkt. Das Land verfügt über die drittgrößten Erdgasreserven der Welt. Katar ist nunmehr der größte Exporteur an verflüssigtem Erdgas.
Der Überschuss in der Handelsbilanz lag 2008 bei fast 34 Mrd USD, insbesondere die Exporterlöse waren, der Entwicklung des Ölpreises folgend, kräftig angestiegen, von 42 auf 55 Mrd USD. Zielländer der katarischen Exporte sind – entsprechend dem Gewicht der LNG-Empfängerländer: Japan (knapp 40 Prozent) mit erheblichem Abstand vor Südkorea, Singapur und Thailand.
An erster Stelle der Lieferländer liegt 2008 Japan mit einem Anteil knapp 10 Prozent, gefolgt von den USA und Deutschland, dies mit einem Anteil von 8,5 Prozent.
Das Zahlungsbilanzplus verdoppelte sich im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr auf jetzt fast 21 Mrd USD.
Generell ist für den Marktzugang noch immer ein lokaler Mehrheitspartner notwendig; es ist jedoch erkennbar, dass die katarische Regierung eine weitere Öffnung anstrebt. Schon jetzt ist ein solcher Partner für die Bereiche Bildung, Gesundheit, Tourismus, Landwirtschaft und Industrie sowie für Projekte im Zusammenhang mit Energie und Bodenschätzen nicht mehr immer notwendig. Hierzu wird im konkreten Fall von der Regierung entschieden. Die ausländischen Direktinvestitionen sollen durch weitere Gesetzesprojekte erleichtert werden.
Katar ist Mitglied in allen relevanten internationalen Wirtschaftsorganisationen, ebenso der OPEC und der OAPEC. Darüber hinaus ist das Land sehr aktiv in dem Bemühen, auch eine engere Koordination mit anderen gasproduzierenden Ländern herbeizuführen, dies geschieht vor allem im Rahmen des Gas Exporting Countries Forum. Doha wurde zum Sitz des Forum-Sekretariats gewählt. Generell ist es der Führung jedoch ein Anliegen, dass dies nicht zu einer konfrontativen Position mit den Verbraucherländern führt.
Der mit den anderen Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrates (GCC) für den 1.1.2008 vereinbarte Beginn eines gemeinsamen Marktes wurde noch nicht implementiert, ebenso ist die GCC- Zollunion noch nicht verwirklicht.
Umwelt
Fragen des Umweltschutzes wird in Katar zunehmend politisches Gewicht beigemessen. Dies zeigt sich auch darin, dass im Juni 2008 ein eigenes Umweltministerium geschaffen wurde. Ein Nationaler Umweltplan ist offiziell seit Februar 2008 in Kraft.
Eine erste Müllverwertungs- und verbrennungsanlage soll im Jahr 2010 in Betrieb gehen. Katar hat weltweit den höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf, will die Emissionen aber bis zum Jahr 2012 um bis zu 25 Prozent reduzieren.
Erneuerbare Energien erfreuen sich zunehmender Wertschätzung, besonderes Gewicht wird auf die entsprechenden Arbeiten in Forschung und Entwicklung gelegt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.