Kasachstan
Wirtschaft
Stand: Juli 2009
Grundlinien der Wirtschaftspolitik
Kasachstan ist überaus reich an Rohstoffen:
mineralisch: Erdöl, Erdgas, Kohle, Uran, Eisenerz, Chrom, Titan, Wolfram, Nickel, Blei, Zink, Gold, Silber, Mangan und viele andere
agrarisch: Getreide, Zuckerrüben, Tabak, Obst, Baumwolle, Wolle
Die Erschließung der Rohstoffe wird von großen in- und ausländischen Firmen dominiert. Neben der staatlichen Öl- und Gasgesellschaft KasMunaiGas sind die Unternehmen ChevronTexaco, ExxonMobil, Shell, British Gas, Agip-Eni, Total, Lukoil und Gasprom engagiert; in der Metallbranche finden sich neben dem staatlichen KasAtomProm-Konzern der indische Stahlkonzern Mittal, der in koreanischem Besitz befindliche Kupferkonzern KasachMys sowie das Zinkwerk KazTsink (Glencore, Schweiz). Deutschland ist im extraktiven Bereich nicht vertreten.
Da Kasachstan über sein Hauptexportprodukt Erdöl sehr abhängig von den Preisbewegungen am Erdölmarkt ist, wurde ein Nationalfonds zur Stabilisierung der staatlichen Einnahmen gegründet, der sich aus den Einnahmeüberschüssen speist, die aufgrund eines über dem Referenzwert von 49 USD pro Barrel liegenden Ölpreis erzielt werden.
Der Beginn der Ölförderung im Feld Kaschagan/Kaspisee, dem größten „Ölfund“ der letzten 30 Jahre, verzögert sich immer wieder (nach jetzigem Stand 2012). Kaschagan ist eine der letzten großen Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte und soll 9-16 Milliarden Barrel förderbares Öl enthalten (zum Vergleich: 16 Mrd. Barrel entsprechen etwa zwei Jahren des US-amerikanischen Erdölverbrauchs auf dem gegenwärtigen Niveau).
Bei den Ölpipelines dominieren bisher die CPC-Pipeline (Atyrau-Noworossijsk) und Atyrau-Samara. USA und EU unterstützen daneben den Anschluss Kasachstans an die Südroute (BTC).
Die Wirtschaftspolitik Kasachstans strebt wirtschaftliche und soziale Modernisierung sowie Überwindung der Rohstofflastigkeit an. Die Verarbeitungs-, Hightech- und wissenschaftsintensive Industrie soll beschleunigt aufgebaut werden, ebenso wie Infrastruktur und agroindustrieller Sektor Mit der „Strategie 2030“ will Kasachstan zu den entwickeltsten Ländern der Welt aufrücken, Innovationen einführen, Lebensqualität in Medizin, Bildung und Umwelt auf dem Niveau der fortschrittlichen Länder gewährleisten.
Mit der Strategie 2003-2015 soll die Volkswirtschaft diversifiziert werden (Übergang zur Rohstoffverarbeitung); hierzu Aufbau von Clustern in den Nicht-Rohstoff-Sektoren (allein im Jahre 2008 82 Unternehmen).
Mit der Transportstrategie 2006 – 2015 sollen Kasachstans Transportwege in die Weltmärkte integriert werden im Sinne einer Brücke zwischen Ost und West; dazu sind 80 Projekte mit einer Summe von 30 Mrd. USD geplant.
In Almaty wurde ein regionales Finanzdienstleistungszentrum gegründet (Dekret v. Jan. 2006).
Mit dem neuen Steuerkodex am 01.01.2009 soll das Investitionsklima für ausländische und einheimische Hersteller verbessert werden: schrittweise Reduzierung der Unternehmenssteuern von 30% auf zunächst 20% im J. 2009, dann auf 17,5% in 2010 und schließlich auf 15% in 2011.
Das Bruttoinlandsprodukt betrug 132,2 Mrd. USD im Jahre 2008. Im ersten Quartal 2009 lag es bei 21 Mrd. USD. Das Wirtschaftswachstum ist nach 3,2% im Jahre 2008 in den ersten Monaten des Jahres 2009 zurückgegangen. Während die kasachische Regierung von einer positiven Tendenz auf Jahressicht ausgeht, 1%), liegen die Schätzungen von IWF und EBRD bei -2,2% bzw. -2%.
Die Inflationsrate betrug nach offiziellen Angaben von Januar bis Mai 2009 8,4%.
Die Auslandsverschuldung stellte sich zum 31.03.2009 wie folgt dar:
- Bankschulden 34,06 Mrd. USD
- Unternehmensschulden 38,2 Mrd. USD
- sonstige Schulden 32,26 Mrd. USD
- staatliche Auslandsschulden 1,57 Mrd. USD
Gesamtschulden: 105,1 Mrd. USD
Die Reserven des Landes betrugen am 31.05.2009 nominell 19,89 Mrd. USD (Zentralbank) und 22,12 Mrd.USD (Nationalfonds). Fraglich ist, inwieweit sie liquide sind. Seit der Abwertung um 23% am 04.02. hält sich der Kurs des Tenge stabil im Verhältnis zum Dollar.
Außenhandel
Die Zahlungsbilanz ist nach jahrelangem Überschuss in Milliarden-Höhe im 1. Quartal 2009 defizitär geworden und wird voraussichtlich im Jahr 2009 -5 Mrd. USD betragen.
Die wichtigsten Außenhandelspartner Kasachstans waren nach kasachischen Angaben im Jahre 2008:
1. Russland (19,99 Mrd. USD)
2. Italien (13,16 Mrd. USD)
3. China (12,24 Mrd. USD)
4. Schweiz (11,44 Mrd. USD)
5. Frankreich (6,2 Mrd. USD)
6. Niederlande (4,91 Mrd. USD)
7. Ukraine (4,1 Mrd. USD)
8. Deutschland (3,18 Mrd. USD)
Die deutschen Exporte nach Kasachstan beliefen sich auf 1,66 Mrd. EUR (breites Spektrum), deutsche Importe aus Kasachstan auf 4,4 Mrd. Euro (überwiegend Öl).
Messeaktivitäten
In Kasachstan findet eine Vielzahl von Messen statt, die auch für Aussteller aus westlichen Industrieländern zunehmend attraktiv sind. Die größte und bedeutendste ist die alljährlich im Oktober in Almaty stattfindende KIOGE, eine internationale Öl- und Gasmesse, auf der sich von deutscher Seite vor allem der Mittelstand repräsentiert. Weitere Bundesbeteiligungen finden auf Messen im Bereich Medizin- und Dentaltechnik, Landwirtschaft, Lebensmitt und Verpackung und Bauwesen und Innenausstattung statt.
Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien in Almaty
Seit 01.04.2008 besteht eine Delegation der Deutschen Wirtschaft, die wirtschaftlichen Aktivitäten deutscher Unternehmen in den fünf zentralasiatischen Ländern betreut und lokale Firmen bei wirtschaftlichen Kontakten nach Deutschland unterstützt. Kasachstan und Deutschland haben die Absicht erklärt, die Bedingungen für die Einrichtung einer bilateralen Außenhandelskammer zu schaffen.
Der Deutsche Wirtschaftsklub in Kasachstan, der sich aus ca. 100 Repräsentanten deutscher, kasachischer und internationaler Unternehmen zusammensetzt, veranstaltet alljährlich den deutschen Wirtschaftstag.
Umwelt
Viele Umweltprobleme stammen aus der Sowjetzeit. Damals war das Land ein zentraler Standort für nukleare und biologische Waffentests. Besonders belastet sind die Aralsee- und Balchaschsee-Region sowie das ehemalige Atomwaffentestgelände bei Semipalatinsk.
Bis 2020 verringern sich die verfügbaren oberirdischen Wasservorkommen und der Zufluss grenzüberschreitender Flüsse drastisch. Kasachstan hat über Jahrzehnte hinweg seine Wasserwirtschaft vernachlässigt. Der Zwang zur effizienten Nutzung und Investition in wassersparende Technologien ist groß.
Im kasachischen nationalen Umweltprogramm wird die Vorbeugung des Klimawandels als eine der wichtigsten Aufgaben genannt. Der Klimawandel als solcher wird jedoch bisher nur auf der Expertenebene diskutiert, ein Umweltbewusstsein im engeren Sinne hat sich in der Bevölkerung noch nicht herausgebildet.
Themen wie atomare Sowjet-Altlasten stehen im Vordergrund. Kasachstan ist ein Nicht-Annex-1-Land und hat das Kyoto-Protokoll ratifiziert. Gegenüber sowjetischen Zeiten haben die CO-2-Emissionen zwar insgesamt abgenommen, was auch mit geringerer Produktivität zusammenhängt, jedoch steigen die Werte wieder mit zunehmender wirtschaftlicher Prosperität.
Durch das aride, kontinentale Klima in Zentralasien machen sich die Auswirkungen des Klimawandels in Kasachstan stark bemerkbar:
1. stärkerer Temperaturanstieg als im globalen Durchschnitt (nach Schätzungen 1,15° C bis 2,1° C im Vergleich zu 0,47° C global seit den 1970er Jahren)
2. starke Desertifizierungstendenzen (insbesondere auch die fortschreitende Austrocknung des Aralsees) Die Wüstenbildung ist zum einen auf den Temperaturanstieg zurückzuführen, zum anderen aber auch auf einen mangelhaften Umgang mit der in Kasachstan ohnehin knappen Ressource Wasser.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.