Kanada
Beziehungen zwischen Kanada und Deutschland
Stand: September 2009
Politische Beziehungen
Die bilateralen Beziehungen sind harmonisch. Kanada ist ein wichtiger Freund und Verbündeter auf dem nordamerikanischen Kontinent, der europäischen und deutschen Interessen durch Geschichte und Selbstverständnis aufgeschlossen gegenübersteht. Kanada und Deutschland teilen gemeinsame Werte und Grundüberzeugungen. Dies zeigt sich z. B. in Afghanistan, auf dem Balkan, in der Dritte-Welt-Politik, in Abrüstungs- und Rüstungskontrollfragen und in den Vereinten Nationen.
Deutschland und Kanada verbindet eine aktive Mitarbeit in internationalen Gremien, vor allem in Fragen der Sicherheit und Abrüstung , der Menschenrechte, bei humanitären Aktionen und bei friedenserhaltenden Maßnahmen. Es liegt im deutschen Interesse, wenn sich Kanada weiterhin als NATO- und OSZE-Mitglied in Europa engagiert.
Die guten Beziehungen dokumentieren sich in der engen Abstimmung zwischen den Außenministerien, die häufig gleichgerichtete Initiativen verfolgen. Beispiele sind die Verbotskonvention zu Anti-Personenminen, die Initiative zur Eindämmung der Verbreitung leichter Waffen, der Kampf gegen den Missbrauch von Kindern, die Errichtung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag sowie das Zusammenwirken bei der Vorbereitung der am 3.12.2008 in Oslo von über 100 Staaten unterschriebenen Konvention zum Verbot von Streumunition.
Der Staatsbesuch der kanadischen Generalgouverneurin Adrienne Clarkson im Oktober 2001 in Deutschland und der offizielle Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder in Kanada im Juni 2002 waren Höhepunkte in den bilateralen Beziehungen. Bundestagspräsident Lammert hat in den vergangenen Jahren Kanada dreimal besucht, zuletzt im Januar 2008 auf Einladung des kanadischen Parlamentspräsidenten Milliken.
Zwischen den Parlamenten besteht über die deutsch-kanadische Freundschaftsgruppe im Bundestag und ihre kanadische Partnergruppe ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch. Zuletzt war die kanadische Gruppe im Oktober 2006 in Deutschland und die deutsche Gruppe im Mai 2008 in Kanada.
Einige kanadische Provinzen arbeiten mit deutschen Bundesländern eng zusammen: British Columbia mit Bremen und Rheinland-Pfalz, Ontario mit Baden-Württemberg, Québec mit Bayern und Alberta mit Sachsen. Eine engere Kooperation zwischen dem Saarland und New Brunswick ist beabsichtigt.
Begonnen hat die deutsche Einwanderung nach Kanada vor etwa 300 Jahren. Rund 2,8 der 32 Millionen Kanadier haben deutsche Wurzeln. Die deutsche Teilung, die Berlin-Blockade und die Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang im Kalten Krieg verbanden Europa und Nordamerika, d.h. die USA und Kanada. In der Verteidigung der gemeinsamen Werte demonstrierte Kanada seine Solidarität mit der Bundesrepublik Deutschland. Auf kanadischen Militärbasen in Deutschland haben bis 1993 insgesamt mehr als 300.000 Angehörige der Streitkräfte Dienst getan.
Wirtschaftsbeziehungen
Nach einer Phase der Stagnation um die Jahrtausendwende entwickelten sich die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Kanada von 2005 bis 2008 dynamisch, bevor im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise im ersten Halbjahr 2009 wiederum eine weitgehende Stagnation eintrat. Insgesamt liegen sie weiterhin unter dem Potenzial beider Volkswirtschaften. Die großen kanadischen Rohstoffvorkommen spielen für die Rohstoff- und Energieversorgung Deutschlands bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Die deutschen Warenexporte nach Kanada sind 2008 leicht auf über 8,1 Mrd. Euro gestiegen (1. Quartal 2009: -0,07%). Hauptexportprodukte sind Kraftfahrzeuge und Ersatzteile, gefolgt von Maschinen und Anlagen. Luftfahrzeugen, Elektrogeräten und Pharmazeutika. Deutschland ist damit der fünftwichtigste Lieferant von Waren nach Kanada, nachdem 2006 erstmals die frühere Kolonialmacht Großbritannien überholt worden war.
Die deutschen Warenimporte aus Kanada beliefen sich 2008 auf knapp 2,9 Mrd Euro (1. Quartal 2009: +0,02%). Neben Rohstoffen wurden vor allem Luftfahrzeuge und Pharmaka importiert. Deutschland ist der sechstwichtigste Markt für kanadische Erzeugnisse.
Damit gehen 0,9% der kanadischen Warenexporte nach Deutschland; 2,9% der Importe werden aus Deutschland bezogen.
Zwischen Kanada und der Bundesrepublik Deutschland besteht seit 1971 ein Abkommen über wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit und seit 2002 ein Doppelbesteuerungsabkommen. Mit der EU besteht seit 1976 ein Wirtschaftsabkommen, seit 1995 ein Abkommen über wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit und seit 2008 ein Luftfahrtübereinkommen. Zu den aktuellen Gesprächsthemen zwischen der EU und Kanada gehören Verhandlungen über ein umfassendes Wirtschaftsabkommen sowie regelmäßige hochrangige Dialoge zur Energie- und Umweltpolitik.
Kulturelle Beziehungen
Im Rahmen des deutsch-kanadischen Kulturabkommens von 1975 tritt in unregelmäßigen Abständen die Gemischte Kulturkommission zusammen; zum letzten Mal 2001 in Berlin.
Deutsch als Fremdsprache wird auf verschiedene Arten gefördert- durch die Entsendung von (derzeit zwei) Fachberatern der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen ( ZfA), durch die Entsendung von Lektoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Assistenten des Pädagogischen Austauschdienstes ( PAD) an Universitäten oder unterschiedlichste Projektförderungen im Rahmen der StADaF (Ständige Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache), die bspw. Deutschlehrerkonferenzen, Austauschaktivitäten, Werbematerialien etc. finanziell unterstützt. Die Deutschen Sprachschulen, die National Heritage Schools, früher auch Samstagsschulen genannt, werden ebenfalls offiziell unterstützt. Die Goethe Institute in Kanada, das GI Toronto und das GI Montreal mit der Außenstelle Ottawa, haben die größten Sprachabteilungen Nordamerikas. Die Möglichkeit, deutsch zu lernen, besteht darüber hinaus an ausgewählten Schulen und Universitäten. Die Volkszählung 2001 ermittelte rund 2,74 Mio. Kanadier mit zumindest teilweise deutschen Vorfahren, davon sprechen knapp eine halbe Million Deutsch als Muttersprache.
Der akademische Austausch wird unterstützt durch den DAAD, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie zahlreiche Universitätspartnerschaften. 2006 waren der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) 223 formelle Hochschulpartnerschaften zwischen deutschen und kanadischen Einrichtungen bekannt.
In Kanada gibt es zwei deutsche Vollzeitschulen. Es handelt sich zum einen um die etablierte Alexander-von-Humboldt Schule in Montreal, zum anderen um die Deutsche Schule Toronto.
Die Alexander-von-Humboldt-Schule besteht seit 1981; sie wird mit großen personellen und finanziellen Mitteln aus Deutschland gefördert. Rund 300 Schüler besuchen diese Schule, die derzeit vom Kindergarten bis zu Klasse 11 führt. Die Schule wird erstmals 2010 das Internationale Deutsche Abitur anbieten.
Die Deutsche Schule Toronto wurde 2000 gegründet und befindet sich noch in einer Aufbau- und Konsolidierungsphase. Sie bietet derzeit Kindergarten sowie die Klassen 1-8 an; seit 2006 arbeitet eine aus Deutschland entsandte Bundesprogrammlehrkraft dort.
Seit rund 20 Jahren fördert der DAAD in Nordamerika gezielt interdisziplinäre Deutschlandstudien. "German Studies" stand zunächst für ein Programm zur Reform der amerikanischen Germanistik, hat sich aber schnell "verselbständigt". Der DAAD unterstützte diesen Prozess mit einer Reihe von Förderinstrumenten aus Mitteln des Auswärtigen Amts (Stipendienvergabe, Vermittlung von German Studies-Dozenten und Förderung einzelner Lehrstühle, Förderung von wissenschaftlichen Konferenzen und Symposien). Das Instrumentarium wurde erweitert, um die Förderung von komplexen Zentren für Deutschlandstudien letztlich nur im euopäischen Kontext zu betreiben. 1997 gewann ein Konsortium der York University Toronto und der Université de Montréal den Wettbewerb zur Errichtung des "Canadian Centre for German and European Studies/ Centre Canadien d'études allemandes et européennes". Dieses Zentrum wurde vom DAAD planmäßig 10 Jahre institutionell gefördert; mit Ablauf des Jahres 2006 endete diese Förderung. Die University of Toronto und die University of British Columbia werden in geringerem Umfang als das Canadian Centre und mit anderen Instrumenten ebenfalls gefördert. In allen Fällen ist beabsichtigt, dass die Strukturen auch nach Auslaufen der institutionellen deutschen Förderung weitergeführt werden sollen; die Unis sollen Stiftungskapital einwerben und/oder den weiteren Betrieb mit Drittmitteln finanzieren. Ergänzend dazu hat der DAAD im Herbst 2006 erstmals ein neues Förderprogramm für Deutschland-und Europastudien in Kanada ausgeschrieben; dafür sind zunächst rund 150.000 € jährlich vorgesehen.
Die Universität Toronto ist in Berlin mit einem eigenen Büro (UTB) vertreten. UTB soll die Universität Toronto in Deutschland repräsentieren, akademische Zusammenarbeit fördern, deutsch-kanadische Konferenzen unterstützen und ermöglichen und der Netzwerkbildung dienen.
Am 20.6.2006 unterzeichneten Außenminister Frank Walter Steinmeier und sein kanadischer Kollege Peter MacKay in Berlin das sogenannte Youth Mobility Agreement (YMA). Hierbei handelt es sich um ein Dachabkommen aller früheren Austauschprogramme für junge Leute. Das YMA ermöglichst es jungen Deutschen und Kanadiern zwischen 18 und 35 Jahren, sich bis zu einem Jahr im jeweils anderen Land aufzuhalten. Während des Aufenthaltes ist es den jungen Leuten möglich, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten oder ein Praktikum zu machen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.