Kamerun
Beziehungen zu Deutschland
Stand: November 2009
Politische Beziehungen
Die koloniale Vergangenheit und die deutsche Entwicklungshilfe prägen das Bild, das Kameruner sich von Deutschland machen. Über 6.000 Studenten aus Kamerun sind an deutschen Universitäten eingeschrieben, die höchste Zahl unter den Herkunftsländern aus Afrika südlich der Sahara.
Der Staatsbesuch Präsident Biyas in der Bundesrepublik Deutschland (September 1986) und der offizielle Besuch von Bundeskanzler Kohl in Kamerun im November 1987 hatten die bilateralen Beziehungen intensiviert. Es folgten vereinzelte gegenseitige Arbeitsbesuche auf Ministerebene und zuletzt im Januar 2007 der Besuch einer Delegation des Deutschen Bundestages in Kamerun.
Wirtschaftsbeziehungen
Das bilaterale Handelsvolumen belief sich 2007 auf rund 161 Mio. Euro (2006: 140 Mio. Euro) mit einem deutschen Handelsbilanzüberschuss in Höhe von 26 Mio. Euro.
Neue deutsche Direktinvestitionen gibt es derzeit nicht.
Entwicklungspolitische Beziehungen
In der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit ist Deutschland nach Frankreich der wichtigste bilaterale Geber. Die letzten Regierungsverhandlungen fanden Dezember 2008 in Jaunde/Kamerun statt. Für 2008/2009 wurden Neuzusagen in Höhe von insgesamt 39 Mio. Euro (18 Mio. Euro Finanzielle Zusammenarbeit, 21 Mio. Euro Technische Zusammenarbeit) gemacht. Die in 2007 geleisteten deutschen ODA-Auszahlungen belaufen sich unter Einrechnung der Entschuldungsleistungen auf insgesamt 552,8 Mio. Euro. Die nächsten Regierungsverhandlungen sind für 2010 vorgesehen.
Die drei Schwerpunkte der deutschen Entwicklungspolitischen Zusammenarbeit (EZ) liegen in den Sektoren Gesundheit und HIV/AIDS, nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und Dezentralisierung, partizipative Entwicklung und gute Regierungsführung. Die ausgewählten Schwerpunkte der deutschen EZ mit Kamerun spielen vor dem Hintergrund der Analyse der Kernprobleme und Entwicklungspotentiale eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Landes und werden auch in der Strategie der kamerunischen Regierung zur Armutsbekämpfung als prioritär definiert.
Außerdem werden auf Wunsch der kamerunischen Regierung eine Reihe weiterer Unterstützungsmaßnahmen umgesetzt. Dazu gehören ein Beratungsvorhaben zur Umsetzung der Paris-Erklärung zur Verbesserung der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit, die regionale Unterstützung der COMIFAC im Rahmen der Kongobeckenwaldinitiative sowie die Finanzierung des Lobeke Nationalparks als Teil des trinationalen Sangha-Parks. FZ-finanzierte Vorhaben im Infrastrukturbereich (Hafen, Straßen, Brücken) laufen derzeit. aus.
Der Deutsche Entwicklungsdienst (DED), die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bilden die Säulen der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit in Kamerun. Sie beschäftigen insgesamt rund 40 Entsandte, die mit internationalen und nationalen Partnern eng zusammen arbeiten.
KfW und GTZ besitzen seit 2004 ein gemeinsames Büro in Jaunde. Der Deutsche Entwicklungsdienst (DED), bereits seit 1965 in Kamerun tätig, befindet sich in unmittelbarer Nähe dieses Büros. Die Eröffnung eines neuen gemeinsamen Büros ist in Planung und für Anfang 2010 vorgesehen.
Die DEG unterhält breit gestreute Engagements in Form von Garantien, Krediten und Beteiligungen, insbesondere in der Agroindustrie, im Tourismus und im Energiesektor.
Seit Oktober 2008 ist derzeit eine deutsche CIM-Expertin im Land tätig. Ein weiterer Ausbau der CIM-Aktivitäten ist geplant.
Einsätze des Senior-Experten-Service finden sporadisch statt.
Gleichzeitig engagieren sich auch die deutschen Kirchen in der Entwicklungshilfe in Kamerun. Die Friedrich-Ebert-Stiftung unterhält in Jaunde als einzige politische Stiftung ein Büro.
Im Rahmen der HIPC-Schuldenerlassinitiative hat Deutschland mit Abschluss des letzten Abkommens im Dezember 2007 Kamerun insgesamt ca. 1,4 Mrd. Euro erlassen. Grundlage für die Schuldenregelung war eine erfolgreiche Zusammenarbeit Kameruns mit dem IWF, Reformanstrengungen der Regierung und die Durchführung von Maßnahmen zur Armutsbekämpfung.
Kulturelle Beziehungen
Der gute Ruf deutscher Wissenschaft und Technik bildet die Grundlage für ein großes Interesse am heutigen Deutschland. Neben den Amtssprachen Französisch und Englisch, ist auch Deutsch (neben Spanisch als zweite Fremdsprache) in den kamerunischen Schulen gut vertreten. Schätzungsweise 200.000 kamerunische Schüler lernen Deutsch. Die Zahl der Deutschlehrer wird auf ca. 1000 geschätzt. Im Rahmen der vom Auswärtigen Amt initiierten Partnerschul-Initiative (PASCH-Initiative) werden fünf Partnerschulen logistisch, finanziell und didaktisch unterstützt.
Seit 1997 hat die Universität Jaunde I das Promotionsrecht für Germanistik. Seit Oktober 2008 ist dort eine DAAD-Lektorin tätig, die auch, gemeinsam mit der Botschaft, für Studien- und Stipendienberatung zuständig ist. Die Errichtung eines DAAD-Informationszentrum ist in Kürze zu erwarten (Anfang 2010).
Kamerun verfügt über enge und sehr gute akademische Kontakte nach Deutschland, die u.a. vom DAAD und der Humboldt-Stiftung gefördert werden. Der DAAD und die Humboldt-Stiftung vergeben jährlich Stipendien an Doktoranden, Forscher und Wissenschaftler.
Etwa 6000 Kamerunerinnen und Kameruner studieren an deutschen Hochschulen und stellen damit die größte studentische Gruppe aus Subsahara-Afrika in Deutschland.
Es gibt eine große Anzahl von Alumni-Vereinigungen, die unter dem Dachverband des Koordinierungsbüro (KBK) zusammengefasst werden.
Das große Interesse an Deutschland kommt ebenfalls dem Goethe-Institut zu Gute, das weitere Sprachlernzentren in Douala und Bafoussam unterhält. Die dort angebotenen Sprachkurse, Filmvorführungen und kulturellen Veranstaltungen erfreuen sich besonders bei jungen Kamerunern großer Beliebtheit.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.