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Landesflagge Kambodscha
Wirtschaft

Stand: November 2009

Grundlinien

Kambodscha gehört mit einem Pro-Kopf-Einkommen von durchschnittlich 806 USD (2008) zur Gruppe der Least Developed Countries (LDC). Trotz beträchtlicher Reformanstrengungen und massiver Geberunterstützung bleibt die Wirtschaftsbasis des überwiegend ländlich geprägten Entwicklungslandes schwach. Bei einem Bevölkerungswachstum von jährlich 1,54% betrug das durchschnittliche Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens rund 11%  in den letzten vier Jahren. In der Entwicklungsstatistik der Vereinten Nationen (Human Development Index 2007/8) belegt Kambodscha Rang 131 (von 177). Knapp 5 Mio. Kambodschaner (35% der Bevölkerung) leben unter der nationalen Armutsgrenze, davon 90% auf dem Lande. Langfristig ist eine nachhaltige Entwicklung in Kambodscha nicht möglich ohne eine Stärkung der Landwirtschaft, einer Diversifizierung der Wirtschaft und einem verstärkten Engagement des Privatsektors – bei sozialer Flankierung (Gesundheit, Erziehung, Einkommensverteilung, Arbeitnehmerrechte).

Wirtschaftslage

Die Regierung schreibt ihr umfassendes Reformprogramm fort. 950 Mio. USD Entwicklungshilfe wurden dem Land für 2009 versprochen.

Deutschland unterstützte Kambodscha 2009710 mit 34 Mio. EURO insbesondere in den Bereichen ländliche Entwicklung, Gesundheit sowie "Guter Regierungsführung".

Kambodschas Wirtschaft ist marktwirtschaftlich ausgerichtet und unterliegt kaum staatlichen Restriktionen. Die makroökonomischen Kennziffern entwickeln sich dynamisch. 2008 erwirtschafteten die rund 13,4 Mio. Kambodschaner ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von schätzungsweise 10,8 Mrd. USD. Das Wirtschaftswachstum des BIP lag 2008 nur noch bei ca. 6% nach zweistelligen Zuwachsraten im Schnitt der letzten fünf Jahre. Für 2009 wird nach letzten Voraussagen des IWF als Folge der internationalen Finanzkrise mit einer Rezession und einem negativen Wachstum von 2,75% gerechnet. Alle für die Wirtschaft des Landes wichtigen Bereiche wie der Textilsektor, Tourismus und die Bauwirtschaft sind durch die Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen. 

Nachdem Kambodscha von der globalen Finanzkrise anfänglich nur mittelbar und geringfügig erfasst wurde, macht sich nun die verringerte Nachfrage in den Hauptabnehmerländern kambodschanischer Textilien, ein Rückgang im Tourismus und geringe Mittel für Investitionen stark negativ bemerkbar.

Bedingt durch hohe Preissteigerung für Energie und Lebensmittel stieg die Inflationsrate 2008 auf durchschnittlich 20%, hat sich jedoch seither wieder auf ein Niveau von unter 10% verringert. Der Wechselkurs der Landeswährung Riel ist stabil und lag 2008 bei ca. 4.100 Riel pro USD.

Haushaltspolitik

Der für 2009 verabschiedete Staatshaushalt beläuft sich auf 1,8 Mrd. USD. Wegen der Grenzstreitigkeiten mit Thailand ist eine signifikante Erhöhung der Verteidigungsausgaben entschieden worden. Bei der Umsetzung des Haushalts erfolgen die Budgetzuweisungen an die Ressorts nur schleppend. Die Ausgabenpolitik des kambodschanischen Staates ist weiterhin restriktiv, auf ein "deficit spending" wird weitgehend verzichtet. Zur Stimulierung der Wirtschaft rät der IWF jedoch nun dazu, eine Neuverschuldung bis zu 4,75% des BSP zuzulassen. Der Staatshaushalt und damit die Investitionen der öffentlichen Hand werden weiterhin zu einem großen Teil von der Gebergemeinschaft getragen. Um die Geberabhängigkeit zu reduzieren, sollen die geringen aber steigenden Staatseinnahmen weiter konsolidiert werden. Mehr als zwei Drittel der Staatseinnahmen stammen aus Steuern, davon der größte Teil aus Einfuhrabgaben. Durch Schmuggel und Korruption bei der Steuerhebung gehen dem Fiskus beträchtliche Einnahmen verloren. Durch die für 2011 beabsichtigte beginnende Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen vor der kambodschanischen Küste und der Erschließung von Bodenschätzen sind mittelfristig höhere Einnahmen zu erwarten.

Wichtigste Wirtschaftszweige

Land- und Forstwirtschaft
Die Land- und Forstwirtschaft ist nach wie vor der bedeutendste Wirtschaftssektor für die Entwicklung Kambodschas und die Bekämpfung der Armut. Ihr Anteil am Inlandsprodukt geht zurück und liegt bei weniger als einem Drittel, obwohl noch immer mehr als vier Fünftel der Bevölkerung auf dem Lande leben und arbeiten – allerdings zumeist in kleinen und unproduktiven bäuerlichen Betrieben ohne Marktzugang. Die Stärkung und Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion bleibt als Aufgabe der Politik auf der Tagesordnung. Erhebliche Rechtsunsicherheit und Intransparenz bei der Vergabe von Landtiteln und Nutzungslizenzen führen zu zahlreichen Konflikten um Grundbesitz und erschweren Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft.

Langfristig gefährden die Überfischung des Mekong und des Tonle Sap sowie Dammbauprojekte entlang des Mekong, ebenso wie die fortgesetzte illegale Rodung der Tropenwälder, der Ausbau großflächiger Plantagen und die Vergabe von Schürfrechten für Mineralien das fragile Ökosystem Kambodschas und die wirtschaftliche Basis weiter Teile der Bevölkerung.

Industrieller Sektor
Nur jeder 13. Kambodschaner arbeitet im industriellen Sektor, der mehr als ein Viertel des Inlandsprodukts erzeugt. Wichtigster Industriezweig ist die Textil- und Lederwarenbranche, in der bisher knapp 330.000 Menschen, vor allem Frauen, beschäftigt waren. Der Verlust von 65.000 Arbeitsplätzen in der Textilindustrie ist eine erste negative Folge der internationalen Finanzkrise. Seit dem 1. Januar 2005 muss sich Kambodscha mit anderen Anbietern der WTO im freien Wettbewerb messen. Auf Dauer erscheint die Position Kambodschas im Weltmarkt "auf nur einem Standbein" nicht gesichert. Investitionen in die Infrastruktur (Verkehr, Elektrizitätsversorgung) sowie Diversifikation ist erforderlich (z.B. Seidenartikel, Verarbeitung von Agrarerzeugnissen).

Dienstleistungssektor
Im Dienstleistungssektor ist etwa ein Sechstel der Bevölkerung beschäftigt. Sie erwirtschaften fast die Hälfte des Inlandsprodukts. Wichtigster Zweig bleibt der Tourismus. 2008 haben allein knapp 59.000 Deutsche Kambodscha besucht. Die Gesamtzahl der Touristen lag 2008 bei 2,1 Millionen. Ein großer Teil besucht die Tempelanlagen von Angkor. Knapp zwei Drittel der Besucher stammt aus Asien. Der Bauboom in der Hauptstadt Phnom Penh hat sich wegen der internationalen Finanzkrise abgeschwächt.

Außenwirtschaft

Ausländische Direktinvestitionen
Die ausländischen Direktinvestitionen werden für 2008 mit 821,7 Mio. USD angegeben, wobei Inlands- und Auslandschinesen mehr als 50% aller Investitionen kontrollieren. Bei den Firmenneugründungen führt Korea vor China, Vietnam, Japan und Malaysia.

Die kambodschanische Regierung bemüht sich um die Schaffung eines fördernden Klimas für Auslandsinvestitionen: Steuerbefreiungen von bis zu acht Jahren, Verlustabschreibung bis zu fünf Jahren, Befreiung von Einfuhrzöllen und Ausfuhrsteuern sowie ungehinderte Gewinnrückführung in das Heimatland sind diesbezügliche Maßnahmen.

Zu den Hauptinvestitionshindernissen gehören aber weiterhin ein rudimentäres Rechtssystem, ein ineffektiver und korrupter öffentlicher Dienst, eine schlechte Infrastruktur und der begrenzte Binnenmarkt. Die Einbindung in die südostasiatische Staatengemeinschaft ASEAN, die Mittellage in der Entwicklungsregion "Greater Mekong Subregion" sowie die mögliche Positionierung als Exportbasis – u.a. über die künftigen "Export Processing Zones" (EPZ) – und nicht zuletzt der WTO-Beitritt verschaffen Kambodscha allerdings komparative Vorteile, deren Nutzen auch deutsche Investoren im Auge behalten sollten.

Die Entdeckung bedeutender Erdöl- bzw. Erdgasvorkommen im sog. Khmerbecken im Golf von Thailand vor der kambodschanischen Küste durch das Chevron Texaco MOECO-LG Konsortium gibt Hoffnung für die ökonomische Entwicklung des Landes nach Beginn der Förderung, die frühestens ab 2011 zu erwarten ist.

Außenhandel
Das Handelsvolumen Kambodschas lag 2008 bei 11,48 Mrd. USD. Dabei überwogen die Importe (6,6 Mrd. USD) die Exporte (4,8 Mrd. USD), so dass sich ein Handelsbilanzdefizit ergibt. Kambodscha ist das erste unter knapp 50 LDC-Ländern ("least developed countries"), dessen Ausfuhr die Grenze von 1 Milliarde USD deutlich überschreitet. Haupthandelspartner sind bei den Exporten die USA (rund 60%), gefolgt von der EU (rund 20%). Importe kommen vor allem aus Hongkong, Thailand, Taiwan, China, Singapur und Vietnam. Importe aus der EU und den USA sind gering.

Kambodscha hat 2008 Auslandsschulden von 2,8 Mrd. USD. Hauptgläubiger ist Russland zusammen mit den USA. Mit beiden Ländern bestehen Verhandlungen zum Erlass von Altschulden.

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Kambodscha besitzt ein liberales Handelssystem ohne protektionistische Tendenzen und quotenmäßige Beschränkungen. Eine Einfuhrlizenz ist nur für wenige Produkte erforderlich (Waffen, Militärfahrzeuge, Edelmetalle und –steine, Medikamente). Die Einfuhr von Narkotika und speziellen Giften ist verboten. Auch bestimmte Exporte (u.a. Reis, Holz, Waffen, Militärfahrzeuge, Medikamente, Antiquitäten) sind genehmigungspflichtig.

Kambodscha ist an einer verstärkten Zusammenarbeit mit der ASEAN Investment Area (AIA) und der Industrial Economic Cooperation (AICO) interessiert. Kambodscha ist dabei, seine Zollsätze auf das Niveau der ASEAN Free Trade Area (AFTA) schrittweise spätestens bis zum Jahre 2010 zu senken. Der Anpassungsdruck durch den Beitritt zur WTO hat eine eigene Dynamik gewonnen und wird weitere Wirtschaftsreformen anstoßen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

Zusatzinformationen:

Ansprechpartner in den Wirtschaftsdiensten der deutschen Auslandsvertretungen

Botschaft Phnom Penh
Frank Marcus Mann
Tel.: (00855) 23 / 216 193 201
Fax: (00855) 23 / 427 746 eMail
www.phnom-penh.diplo.de

Entwicklungszusammenarbeit

Kambodscha ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Förderung der ländlichen Entwicklung, der Aufbau des Gesundheitswesens sowie die Förderung von Demokratie, Zivilgesellschaft und öffentlicher Verwaltung (Good Governance) sind die wichtigsten Themen dieser Partnerschaft. Mehr dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und im gemeinsamen Webportal aller deutschen EZ-Institutionen vor Ort.

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