Jemen
Wirtschaft
Stand: Oktober 2009
Grundlagen
Jemen gehört mit einem geschätzten Pro-Kopf-BSP von etwa 2.300 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Das Bevölkerungswachstum beträgt nach UNFPA-Schätzungen über 3 Prozent jährlich, die Kindersterblichkeit ist mit rund 10 Prozent äußerst hoch, die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 60 Jahren. Rund 50 Prozent der Bevölkerung leben derzeit unterhalb der Armutsgrenze.
Hauptprobleme sind weiterhin die schwindenden Ölvorräte, die extreme Wasserknappheit, die für die Landwirtschaft schwierigen klimatischen Bedingungen und der geringe Ausbildungsstand der Bevölkerung.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Entwicklungsaussichten Jemens müssen insgesamt als schlecht beurteilt werden:
Das Wirtschaftswachstum lag mit geschätzten 2,8 Prozent für 2008 noch unter dem Bevölkerungswachstum, die Abhängigkeit der jemenitischen Gesellschaft von der rasch knapper werdenden Ressource Öl (derzeit rund 75 Prozent der Staatseinnahmen) ist unverändert hoch. Stagnation, wachsende Auslandsverschuldung, hohe Zahlungsbilanz- und Haushaltsdefizite, Inflation, Verfall des Außenwerts der an den Dollar gekoppelten Landeswährung Rial und eine sinkende Investitionsquote sind die Folgen.
Wirtschaftsstruktur
Die Wirtschaftsstruktur Jemens wird durch den Öl- und Gassektor dominiert, der etwa 90 Prozent der Exporteinnahmen erwirtschaftet. Die im Verhältnis zu den anderen Ländern der Arabischen Halbinsel ohnehin bescheidene Ölförderquote (derzeit knapp 280.000 Barrel/Tag) ist stark rückläufig. Experten gehen davon aus, dass der Erlös aus der Öl- und Gasproduktion durch die Inbetriebnahme der Gasverflüssigungsanlage in Balhaf zwischenzeitlich wieder etwas ansteigen wird. Allgemein wird jedoch von einem graduellen Versiegen der Öl- und Gasvorkommen in den kommenden 10 bis 15 Jahren ausgegangen. Eine Diversifizierung der jemenitischen Wirtschaft bleibt vor diesem Hintergrund unabdingbar.
Die Landwirtschaft beschäftigt mehr als 60 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung, trägt jedoch lediglich 6 Prozent zum Gesamtexport bei. Wichtigste Einnahmequelle der Landwirtschaft ist der weiter steigende Anbau der Droge Khat, der rund 40 Prozent des verfügbaren Wassers verschlingt und Kaffee, Weizen und Hirse zunehmend verdrängt. Jemen ist gezwungen, etwa 75 Prozent seiner Grundnahrungsmittel einzuführen, weshalb die weltweite Nahrungsmittelkrise hier besonders spürbar wurde.
Aktuelle Wirtschaftslage
IWF und Weltbank prognostizierten für 2009 ein steigendes Wirtschaftswachstum von etwa 5,2 Prozent (2008: 2,8 Prozent), das wohl aber nicht erreicht werden dürfte. Hierfür sind Verzögerungen bei der Produktion von verflüssigtem Erdgas zurückzuführen. Die Währungsreserven sinken rasch und liegen derzeit noch bei knapp 6 Mrd. US-Dollar (entspricht einer Importdeckung von unter 8 Monaten).
Wirtschafts- und entwicklungspolitische Reformen
Der auf Druck der Gebergemeinschaft verabschiedete Dritte Fünfjahresplan für Wirtschaftliche und Soziale Entwicklung 2006-2010 fasste bisherige Strategien zur Armutsbekämpfung sowie zur wirtschaftlichen und politischen Entwicklung zusammen und diente als wichtige Grundlage für das Treffen der Konsultativgruppe in London Ende 2006. Bei diesem Treffen konnte Jemen Finanzierungszusagen von über 5 Mrd. US-Dollar einwerben. 3 Mrd. US-Dollar hatten allein arabische Geber zugesagt. Davon wurde bis dato jedoch ein nur sehr geringer Anteil tatsächlich ausbezahlt.
Im April 2009 fand in Sana'a das dritte Folgetreffen der Konsultativgruppe statt. Da die im Fünfjahresplan formulierten Ziele (u.a. ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 7%) deutlich verfehlt wurden, musste er erheblich überarbeitet und an aktuelle Entwicklungen angepasst werden.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.