Japan
Kultur, Medien, Bildung, Wissenschaft
Stand: Oktober 2009
Auswärtige Kulturpolitik
Die japanische Kulturpolitik nahm in den vergangenen Jahren deutlichere Konturen an und erhielt eine ausgeprägte außenpolitische Komponente. Erziehungs- und Außenministerium wurden dafür mit höheren Haushaltsmitteln ausgestattet. Die Japan Foundation als offizielle Mittlerorganisation wurde mit einem Status größerer Regierungsunabhängigkeit versehen. Wesentliche Ziele sind ein verstärkter akademischer Austausch und die Förderung des Japanisch-Unterrichtes für Ausländer.
Einen regionalen Schwerpunkt bilden die asiatischen Nachbarländer. Am stärksten ist nach wie vor der kulturelle Austausch mit den USA, neuerdings gefolgt von Indonesien, Südkorea und der Volksrepublik China. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien teilen sich in der Europäischen Union die vordersten Ränge als Partner der japanischen auswärtigen Kulturpolitik.
Das Bildungssystem
Es besteht ein eingliedriges Bildungssystem aus sechsjähriger Grundschule, dreijähriger Mittel- und dreijähriger Oberschule. Die Schulpflicht umfasst Grund- und Mittelschule. Ungefähr 96% aller Japaner eines Jahrgangs gehen auf eine Oberschule.
Etwa 45% der Sekundarschulabsolventen besuchen nach einer Eingangsprüfung eine Hochschule. Nach Erwerb des Bachelor-Grads setzen nur wenige Studenten ihr Studium fort. Von ca. 2.829.000 (Gesamtzahl der Studenten) erwerben etwa 165.000 Studenten (gut 5%) einen Master-Abschluss und 75.000 (ca. 2,5 %) beenden ihr Studium mit einer Promotion. Über 75% aller Universitäten sind in privater Trägerschaft. Sie erheben zum Teil wesentlich höhere Gebühren als die öffentlichen Hochschulen. Um die Studienplätze an angesehenen Hochschulen besteht ein harter Wettbewerb. Die berufliche Bildung erfolgt an technisch-handwerklichen Oberschulen in öffentlicher und privater Trägerschaft.
Medien
In Japan erscheinen täglich ca. 110 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von 68,5 Millionen. Mit 625 Exemplaren pro 1.000 Einwohner hat Japan weltweit die höchste Verbreitungsrate.
Neben der öffentlich-rechtlichen Nippon Hoso Kyokai (NHK), der zweitgrößten Rundfunkgesellschaft der Welt, existieren ca. 414 private Rundfunk- und Fernsehstationen. Junge Japaner nutzen in zunehmendem Maße mobile Medien und das Internet. Seit Frühjahr 2009 sendet NHK auch einem auf ein internationales Publikum zugeschnittenen englischsprachigen Nachrichtenkanal unter dem Namen "NHK World TV".
Die starke Durchdringung der japanischen Gesellschaft durch die Medien und ihr Einfluss auf öffentliche Meinung, Bewusstsein und Konsum- und Freizeitverhalten machen aus Japan die Medien- und Informationsgesellschaft schlechthin.
Die großen japanischen Medien berichten meist objektiv und detailliert und verstehen sich als eine tragende Säule von Staat und Gesellschaft, weniger als 4. Gewalt. Die so genannten Presseklubs, die von Regierungsstellen, Verbänden und wichtigen Wirtschaftsunternehmen unterhalten werden, ermöglichen eine größere Nähe zwischen den großen Medien und Staat -und Wirtschaft-, als dies in Deutschland denkbar ist.
Wissenschaft, Technologie und Umwelt
Wissenschaft, Forschung und Technologie sind in Japan seit langem prioritär. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erreichten im Haushaltsjahr 2007 nach Angaben des japanischen Statistikamtes mit 18,9 Billionen Yen einen bisherigen Höchststand. Rechnerisch ergibt dies eine Quote von 3,67% für den Anteil der FuE-Ausgaben bezogen auf das japanische Bruttoinlandsprodukt und damit im internationalen Vergleich einen Spitzenwert. Zum Vergleich: die deutsche Quote bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt lag 2006 bei 2,54%. Die Europäische Union hat sich 2002 eine Quote von 3% bis zum Jahr 2010 zum Ziel gesetzt.
Unverändert hoch war im Haushaltsjahr 2007 (April 2007 bis März 2008) der Anteil des privaten Sektors (Unternehmen) bei der Durchführung und Finanzierung von Forschung und Entwicklung in Japan. 14% der Ausgaben sind der Grundlagenforschung, 23% der angewandten Forschung und 63% der Entwicklung zuzurechnen. Wissenschaft und Forschung in Japan beschäftigen sich bevorzugt mit Naturwissenschaften. Dafür wurden 2007 17,5 Bill. Yen aufgewendet. 18% der gesamten Wissenschaft und Forschung in Japan finden in Hochschulen statt.
Im Jahr 2008 wurden vier japanische Wissenschaftler mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Yoichiro Nambu, Makoto Kobayashi und Toshihide Masukawa erhielten den Nobelpreis für Physik. Den Nobelpreis für Chemie teilte sich der japanische Biologe Osamu Shimomura mit weiteren Kollegen. Damit stieg die Zahl japanischer Nobelpreisträger auf insgesamt 13 an.
Die Themen Klimaschutz und Umwelt standen 2008 im Zentrum der japanischen G8-Präsidentschaft. Beim G8-Umweltministertreffen in Kobe wurde beschlossen, die weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2050 zu halbieren.
Umweltgesetzgebung, Umweltforschung und Umwelttechnologie stoßen in der japanischen Bevölkerung auf großes Interesse. Recycling ist für japanische Industrieunternehmen ein innovatives Feld, und Technologietransfer im Bereich der Umwelttechnologie steht – gerade mit Blick auf die asiatischen Nachbarstaaten – hoch auf der Agenda von Regierung und Unternehmen.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.