Jamaika
Wirtschaft
Stand: März 2010
Aktuelle Wirtschaftslage
2007 wuchs die Wirtschaft um mäßige 1,1 Prozent, 2008 ging sie um den gleichen Prozentsatz zurück. Das negative Wachstum wird sich 2009 in verstärkter Form fortsetzen, Schätzungen bewegen sich bei -4 Prozent.
Preisreduzierungen bei Importen (vor allem Öl) sorgten 2009 für eine gegenüber 2008 (16,8 Prozent) geringere Inflation von 10,2 Prozent.
Der gesetzliche Mindestlohn für eine 40 Stunden-Woche wurde im Mai 2009 um 10 Prozent auf 4.070 J-Dollar (circa 45,00 US-Dollar) erhöht.
Im Juli 2009 betrug die landesweite offizielle Arbeitslosenziffer 11,3 Prozent (40 Prozent bei jungen Leuten).
Sozial abfedernd wirken die Überweisungen der Auslandsjamaikaner (vor allem aus USA, GB und Kanada). Die wirtschaftliche Stagnation der vergangenen Jahrzehnte hat die Auswanderung vieler gut ausgebildeter Jamaikaner – die dem Land nunmehr fehlen – beschleunigt. Ihre Überweisungen an die Familien zuhause sind Jahr für Jahr bis auf fast 2 US-Dollar gestiegen. Aufgrund der allgemeinen Wirtschaftskrise ist allerdings seit November 2008 ein Rückgang zu verzeichnen (-11,4 Prozent im Jahr 2009).
Wirtschaftsstruktur
Die jamaikanische Wirtschaft wird gestützt von den vier Säulen Tourismus, Alumina/Bauxit, Überweisungen der Auslandsjamaikaner und dem informellen Sektor. Letzter wird von der Weltbank auf ein Volumen von 43 Prozent des BIP geschätzt. Zwei Drittel des (formellen) BIP entfallen auf den Servicesektor, circa 27 Prozent auf die Industrie. Bauxitindustrie und Auslandsübeweisungen sind von der Wirtschaftskrise stark betroffen.
Außenhandel
Wichtigste Devisenquellen sind die Überweisungen der Jamaikaner im Ausland (USA, Kanada und Großbritannien), der Export von Bauxit und Alumina sowie der Tourismus.
Jamaika ist nach Australien, Guinea und Brasilien weltweit der viertgrößte Exporteur von Bauxit beziehungsweise Alumina. Die Branche muss jedoch seit Mitte 2008 einen dramatischen Preisverfall ihres Produkts verkraften. Bei der Dominanz des Dienstleistungssektors (Tourismus, Finanzen, Transport, Handel) und der Abhängigkeit von nur wenigen Exportgütern (Bauxit/Alumina, Textilien, Zucker, Kaffee, Rum) sorgt der hohe Bedarf an Konsum- und Investitionsgüterimporten (vor allem aus den USA) traditionell für eine stark negative Handelsbilanz. Importiert werden vor allem Rohstoffe, Verbrauchsartikel, Kraftstoff und Kapital-/Investitionsgüter.
2009 (Januar bis Oktober) reduzierte sich das Handelsbilanzdefizit von 5,86 Milliarden US-Dollar (Januar – Dezember 2008) auf 2,025 Milliarden US-Dollar, vor allem dank der um 44,5 Prozent zurückgegangenen Importe. Entscheidenden Anteil daran hatte die geringere Ölrechnung.
Die Währungsreserven der Zentralbank betrugen Ende Dezember 2009 1,736 Milliarden US-Dollar (= Wert der Importe für 19 Wochen).
Die USA waren auch 2009 der dominierende Handelspartner.
Staatshaushalt/Verschuldung
Angesichts einer Verschuldung von circa 130 Prozent des Bruttosozialprodukts und eines Schuldendienstes von fast 60 Prozent des Jahreshaushalts hat die Regierung den Gang zum IWF angetreten und Anfang Februar 2009 ein „Stand-By-Agreement“ über 1,27 Milliarden US-Dollar abgeschlossen.
Mit dieser Vereinbarung verpflichtet sich Jamaika zu folgendem:
- fiskalische Konsolidierung durch Ausgabenkürzung und Reform des öffentlichen Sektors einschließlich Privatisierung staatlicher Unternehmen
- umfassendes Schuldenmanagement zur Verringerung der hohen Zinsen (Umwandlung lokal gehaltener hochverzinster Bonds)
- Reform des Finanzsektors.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.