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Steinmeier für baldige G8-Erweiterung

Der italienische Außenminister Franco Frattini und Steinmeier Frattini und Steinmeier (picture-alliance/dpa)

"Die reformierten und erweiterten G8 müssen zum Kern neuer 'Global Governance'-Strukturen werden." Dies betonte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin beim Deutsch-Italienischen Forum zur Fortentwicklung von "Global Governance". Seinem italienischen Amtskollegen Franco Frattini sagte er deutsche Hilfe beim Wiederaufbau der Gemeinde Onna nach dem schweren Erdbeben in den Abruzzen zu.

Steinmeier verwies darauf, dass neben der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise neue Herausforderungen – wie Klimawandel, Rohstoffkrisen und Wasserknappheit –, ein gemeinsames internationales Handeln zwingend erforderlich machten.

Dies könne nur mit einer handlungsfähigen globalen Verantwortungsgemeinschaft gelingen, so Steinmeier: "Ein Gleichgewicht der Kräfte im Stile des 19. Jahrhunderts taugt nicht als Modell."

Steinmeier begrüßte ausdrücklich, dass die aktuelle italienische G8-Präsidentschaft sich die Gestaltung einer solchen globalen Verantwortungsgemeinschaft zum Thema genommen habe.

Klar sei im Übrigen, dass die Formel der G8 als "Gruppe der acht führenden Industrieländer im Wortsinne schon heute nicht mehr stimmt und in der Welt von morgen weiter erodieren wird", so Steinmeier.

G8 reformieren und erweitern

Deutschland hatte bereits unter seiner G8-Präsidentschaft 2007 begonnen, die wichtigsten Schwellenländer – Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika – an die Arbeit der G8 heranzuführen. Italien setzt diesen Prozess fort und intensiviert ihn. Dies begrüßte Steinmeier nachdrücklich.

Jetzt gehe es aber auch darum, diesen Schwellenländern eine gleichberechtigte Partnerschaft in den G8 anzubieten. "Wir brauchen deren Mitwirkung bei der Lösung der drängendsten Probleme", betonte der Außenminister.

Er plädierte daher für eine baldige Erweiterung der G8. Neben den führenden Schwellenländern sollten zu deren Kern auch Vertreter von Staaten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung gehören.

Steinmeier mahnte zugleich: "Im Gegenzug für eine Erweiterung sollten wir von den neuen Mitgliedern die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung einfordern."

"Global Responsibility Group" schaffen

Wie können Grundsatzentscheidungen auf globaler Bühne besser vorbereitet und die internationale Konsensfindung  erleichtert werden? Steinmeier ist sich sicher: "Wer die G8 nicht rechtzeitig und klug erweitert, wird Zeuge ihres Bedeutungsverlustes und der Übernahme ihrer Funktionen durch Formate wie G20 werden."

Er setzt dem eine "Global Responsibility Group" entgegen. Diese könne aus einer G8-Erweiterung hervorgehen und die Welt adäquat repräsentieren.

Um die Kerngruppe herum müsste zugleich ein "atmendes" System mit unterschiedlichen Formaten geschaffen werden. Andere Staaten könnten immer dann einbezogen werden, wenn es die Themen erfordern.

So verstanden, so Steinmeier, wären die "Global Responsibility Group" und das entstehende System flexibler Formate keine Konkurrenz zu den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen. 

"Im Gegenteil: Die Arbeit dieser Organisationen würde erleichtert, wenn eine Vorklärung wichtiger Fragen in kleineren Formaten möglich wäre", ist sich der Außenminister sicher.

Lange und enge deutsch-italienische Freundschaft

Steinmeier belegte die sehr guten deutsch-italienischen Beziehungen auch mit dem Mitgefühl der Deutschen nach dem schweren Erdbeben in den Abruzzen. "Viele Deutsche fühlten sich mit dem italienischen Volk in seinem Schock und seiner Trauer tief verbunden", so Steinmeier.

Er sagte Frattini Unterstützung beim Wiederaufbau der zerstörten Region zu. Insbesondere wolle sich Deutschland in der Ortschaft Onna engagieren, in der 50 von 300 Einwohnern ums Leben kamen.

Er verwies darauf, dass die Gemeinde im Zweiten Weltkrieg schon einmal zerstört worden war. "Hier hatte die deutsche Wehrmacht 1944 unschuldige Zivilisten erschossen und Häuser zerstört. Onna ist damit ein Beispiel dafür, wie sehr im deutsch-italienischen Verhältnis Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit miteinander verknüpft sind."

Die Bundesregierung will sich vor allem um den Wiederaufbau der Dorfkirche aus dem 18. Jahrhundert kümmern. Zugleich appellierte Steinmeier an deutsche Firmen, ebenfalls zu helfen. Er schloss: "Wir hoffen, dass wir weit mehr als nur die Kirche wiederherstellen werden."

Gemeinsame Erinnerungskultur schaffen

Deutschland und Italien verbindet eine lange, teilweise schmerzhafte Geschichte. Daran hatten beide Außenminister bereits bei einem Besuch eines ehemaligen Nazi-Gefangenenlagers bei Triest im November gedacht. Damals vereinbarten beide auch die Gründung einer deutsch-italienischen Historikerkommission.

Steinmeier drückte seine Freude aus, dass diese Kommission inzwischen ihre Arbeit aufnehmen konnte. "Sie wird sich eingehend mit der deutsch-italienischen Kriegsvergangenheit und dem Schicksal der italienischen Militärinternierten beschäftigen", bekräftigte er. 

Ziel sei es, letztendlich eine gemeinsame Erinnerungskultur zu befördern: "Auch darin sehe ich konkrete Arbeit an der weiteren Verbesserung der bilateralen Beziehungen."

Stand 20.04.2009



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